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26.07.2000

19:00 Uhr

Commerzbank und Dresdner Bank über Bewertungsfragen zerstritten – Neue Übernahmespekulationen

Fusion zwischen Dresdner und Commerzbank geplatzt

Analysten betrachten Dresdner und Commerzbank nach dem Scheitern der Fusionsgespräche nun als Übernahmekandidaten. Interessenten für die beiden Institute sehen sie insbesondere im Ausland. >> Kommentar: Zweite Großbankenfusion gescheitert

HB FRANKFURT/M. Zum zweiten Mal in diesem Jahr ist der Versuch fehlgeschlagen, zwei Frankfurter Großbanken zu verschmelzen. Dresdner Bank und Commerzbank teilten am Mittwoch offiziell mit, sie würden die Sondierungsgespräche über eine Zusammenarbeit nicht fortsetzen. Es sei nicht möglich, die unterschiedlichen Interessen aller Beteiligten in einem gemeinsamen Konzept zusammenzuführen, hieß es. Dabei spielten, wie Dresdner-Chef Bernd Fahrholz einräumte, Bewertungsfragen eine entscheidende Rolle.

An der Börse brach daraufhin der Kurs der Dresdner-Aktie zeitweise um fast 5 % ein. Analysten halten die Aktie nun für niedrig bewertet. Die Cobank-Aktie verlor knapp 1 %. Vom Handelsblatt befragte Analysten bewerteten das Scheitern unterschiedlich. Während die einen von einem Desaster sprachen, begrüßten andere den Abbruch. Gelitten habe das Image der Allianz. Der Versicherungskonzern habe erheblich an Glaubwürdigkeit verloren. Im Frühjahr war die bereits angekündigte Fusion von Deutscher und Dresdner Bank ebenfalls gescheitert. Damals war die Allianz auch maßgeblich beteiligt. Sie sollte das Filialgeschäft der Deutschen Bank übernehmen.


Dresdner Bank Intraday



Das Scheitern der Gespräche zwischen Dresdner Bank und Commerzbank bringt die Gruppe südeuropäischer Institute wieder ins Spiel, die bereits vor Wochen eine Übernahme der Commerzbank erwogen hatte. Investment-Banker gehen davon aus, dass die zwischenzeitlich gestoppten Gespräche innerhalb der Gruppe in den nächsten Wochen wieder aufgenommen werden.

Die Entscheidung, die Gespräche abzubrechen, fiel schon am Dienstagabend. Nach der Rückkehr der Spitzen beider Banken von einem Treffen mit Allianz-Chef Henning Schulte-Noelle aus München war offenbar bereits klar, dass nur noch geringe Chancen bestanden, die festgefahrenen Gespräche zu retten. Der Abbruch wurde formell am Mittwochmorgen von Fahrholz und Cobank-Chef Martin Kohlhaussen beschlossen.

Das Scheitern der Gespräche ist für Dresdner-Chef Fahrholz "kein Desaster". Er sieht darin auch kein Glaubwürdigkeitsproblem oder auch nur eine Schwächung seines Instituts. Verlierer gebe es nicht. Vor Journalisten betonte er, sein Haus werde das bei der Hauptversammlung am 19. Mai vorgestellte strategische Konzept einer "fokussierten europäischen Beraterbank" konsequent umsetzen. Der Vorstand der Commerzbank erklärte, man wolle "den eigenen erfolgreichen Weg in Selbstständigkeit weitergehen".

Fahrholz wies darauf hin, dass die Commerzbank wenige Wochen nach der Hauptversammlung der Dresdner mit einem Gesprächsangebot auf ihn zugekommen sei. Nach seiner Darstellung haben sich die Gespräche zunächst gut entwickelt; in wesentlichen Punkten habe Einvernehmen geherrscht, insbesondere in Hinblick auf die strategische Ausrichtung. Die Gründe für den Fehlschlag wollte Fahrholz nicht darlegen. Man habe Stillschweigen vereinbart. Über die Haltung des Dresdner-Großaktionärs Allianz (Anteil 21,7 %) äußerte er sich nicht; er sprach nur von Einvernehmen. Aus der Commerzbank war zu hören, dass sich die Allianz als wenig flexibel erwiesen habe. Möglicherweise habe sie gehofft, günstigere Konditionen durchsetzen zu können. Für die Commerzbank stand fest, dass sie ein Bewertungsverhältnis von 60 für die Dresdner zu 40 für die Commerzbank ihren Aktionären nicht hätte verkaufen können.



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