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29.05.2000

11:34 Uhr

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Consors übernimmt Mehrheit an Berliner Effekten

Deutsche Privatanleger profitieren direkt von den Veränderungen der Börsenlandschaft. Eine Kooperation des Direktbrokers Consors mit der Berliner Börse soll die Kosten drücken.

FRANKFURT/M. Gute Nachrichten für Privatanleger: Der Kauf und Verkauf von Wertpapieren wird billiger. Während die geplante Fusion von Frankfurt und London zur "Superbörse" iX vor allem institutionellen Investoren zugute kommt, zielt Consors Discount Broker mit zwei Kooperationen auf den heimischen Privatanleger ab. Nach Handelsblatt-Informationen beteiligt sich der Online-Broker an der privaten Trägergesellschaft der Berliner Wertpapierbörse. Zudem übernehmen die Franken die Mehrheit an der Berliner Effektengesellschaft und der Berliner Effektenbank. Die Bank bestätigte dies in einer Pflichtmitteilung am Montag.

Beobachter bezeichnen den Schritt als Auftakt für eine Neuausrichtung der Regionalbörsen. Wie Consors weiter mitteilt, wird der Discount-Broker durch Bezug neuer Aktien zunächst rund 16 % des Grundkapitals der BEG übernehmen. Consors biete außerdem den BEG-Aktionären die Übernahme gemäß den Bestimmungen des Übernahmekodex zu 37,40 Euro pro Aktie an. Sollte die Direktbank danach weniger als 53 % des Grundkapitals der BEG halten, könne sie von dem bisherigen BEG-Mehrheitsaktionär Holger Timm die erforderlichen Aktien durch einen Aktientausch übernehmen.

"Damit wird der Erwerb der Mehrheitsposition durch Consors unabhängig vom Ergebnis des öffentlichen Angebotes sichergestellt", hieß es. Die Transaktion mit einem Gesamtvolumen von rund 250 Mill. Euro bedürfe noch der Freigabe durch das Bundeskartellamt.

Ziel von Consors ist es offenbar, die gesamte Wertschöpfungskette vom direkten Kontakt mit dem Anleger bis hin zum Handel der Wertpapieraufträge an der Börse anzubieten. Marktkreise erwarten für den Privatanleger eine Kostenersparnis von rund 20 %. Für jeden Auftrag gelte das so genannte Prinzip des besten Preises. Der Investor erhalte also die Garantie, seine Wertpapiere zumindest zum günstigsten in Deutschland gehandelten Kurs kaufen oder verkaufen zu können.

Zudem erhalte er einen tiefer gehenden Einblick in das Orderbuch, als es bislang hier zu Lande möglich war. Die Aufsicht über die Geschäfte bleibe in der Hand der öffentlich-rechtlichen Börsenregulatoren, heißt es. In einer zweiten Stufe sollen weitere Direktbroker an dem Modell beteiligt werden.

Vorteile können die Privatanleger etwa bei Aktien vor allem mit Werten aus der zweiten Reihe erzielen, die in den Börsensegmenten M Dax, Smax oder Neuer Markt notiert sind. Bei diesen Aktien ist erfahrungsgemäß die Spanne zwischen Kauf- und Verkaufskurs deutlich größer als bei den häufig gehandelten Anteilsscheinen des Deutschen Aktienindexes. Die Pläne sollen nach Angaben aus Finanzkreisen bis spätestens Anfang nächsten Jahres umgesetzt werden. Die Transaktionen müssen aber noch vom Bundeskartellamt und der Berliner Aufsichtsbehörde genehmigt werden.

Die Übernahme der Effektengesellschaft soll in erster Linie gewährleisten, dass deutsche Wertpapiere problemlos ge- und verkauft werden können. Das so genannte Market-Making ist bei den heimischen Aktien wichtig, da Privatanleger diese am aktivsten handeln.

Die Berliner Effektengesellschaft zählt bereits heute mit über 5 000 Werten zu den größten Spielern in Deutschland bei der Preisermittlung. Attraktiv ist die Übernahme der Berliner auch durch deren Kooperation mit dem US-Online-Broker und potenziellen Konkurrenten E-Trade. Consors ist mit fast 30 Prozent Marktanteil einer der führenden Direktbroker in Deutschland. Die Nürnberger zählen nach der Einschätzung von Marktbeobachtern zu den größten Auftraggebern an allen deutschen Börsen im Aktiengeschäft mit Privatanlegern.

Bislang gibt es in Europa erst wenige alternative Handelsplätze zu den herkömmlichen Börsen für Privatanleger. Die elektronische Plattform Jiway will im September dieses Jahres europaweit den Aktienhandel anbieten. Erste außerbörsliche Ansätze in Deutschland bieten schon seit einiger Zeit auch andere Direktbanken.

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