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31.01.2007

17:20 Uhr

Controller

Die Schonzeit für Zahlenfüchse ist vorbei

VonChristoph Lixenfeld

Jedes Unternehmen, das größer ist als eine Imbissbude, leistet sich heute einen Controller. In immer mehr Firmen sitzen die Buchhalter an verantwortlicher Stelle. Entsprechend gefragt sind sie – und entsprechend gut bezahlt. Doch mit gravierenden Unterschieden.

DÜSSELDORF. Die Managementberatung Kienbaum in Gummersbach fand heraus: Je größer die Firma, umso höher das Gehalt von leitenden Controllern. So verdient ein Bereichsleiter bei einem Mittelständler mit 50 bis 500 Mitarbeitern im Schnitt 115 000 Euro im Jahr, bei einem Konzern mit über 5 000 Angestellten sind es dagegen 185 000 Euro. Gleiches Bild eine Etage darunter: Abteilungsleiter Controlling im Mittelstand bekommen 80 000, bei einem Großunternehmen dagegen 130 000 Euro. Die üppigsten Gehälter gibt es bei Finanzdienstleistern, in Pharmazie und Chemie.

Insgesamt haben sich die Saläre leitender Controller mit einem Plus von drei Prozent ähnlich entwickelt wie die anderer Führungskräfte im Unternehmen. Auffällig: Der variable Anteil des Gehalts steigt. „Sind im Vertrieb schon lange bis zu 40 Prozent variabel, so waren es bei den Controllern früher 20 Prozent“, beobachtet Christian Näser, Partner bei Kienbaum. „Im Vertrieb ist der Erfolg traditionell besser messbar als im Controlling.“ Doch jetzt erlebt Näser, dass sich diese Auffassung wandelt. Schließlich sitzen heute auch in den Dax-Vorständen Zahlenmenschen. Näser: „Haben Controller direkten Einfluss auf die Unternehmensergebnisse, lässt sich ihr Erfolg oder Misserfolg auch messen.“

Einfluss nehmen die mächtigen Buchhalter dabei meist weniger durch revolutionäre Ideen, mit deren Hilfe sich der Umsatz steigern oder gar neue Märkte erobern ließen, sondern durch spektakuläre Sparmaßnahmen. Daimler-Chrysler hat deshalb Ex-KPMG-Wirtschaftsprüfer Günther Fleig als Controller sogar zum Personalchef gemacht. Der dünnte dann nicht nur unter den Arbeitern am Band, sondern auch bei den Führungskräften drastisch aus. Fraglich bleibt, ob sich damit die Qualitätsprobleme der vergangenen Jahre in den Griff kriegen lassen. Dass sich alles Denken nur noch am Sparen, Verschlanken und Beschleunigen orientiert, liegt auch an den unzähligen Softwarelösungen. Die müllen die Unternehmenslenker im Wochenrhythmus mit Kennzahlen voll und verstärken so den Glauben an die umfassende Kontrollierbarkeit. Für Andreas Schüren, Chef der Managementberatung Rölfs MC Partner aus Frankfurt, ist das eine Illusion: „Zu glauben ich habe den Laden im Griff, wenn ich nur die Zahlen im Griff habe, ist Unsinn.“

Näser von Kienbaum glaubt, dass es in Krisenzeiten sinnvoll sein kann, wenn Controller im Cockpit sitzen „und vielleicht auch, wenn es gilt, Krisen zu vermeiden“. Ein Patentrezept ist das aber nicht, wie das Beispiel Siemens zeigt: Als die Handysparte vor Jahren in die Krise geriet, setzte Siemens radikal auf Kostensenkung, indem es den Mitarbeitern Zugeständnisse abpresste. Vielleicht wäre es besser gewesen, mehr in neue Produkte zu investieren. Richtig aufgestellt, lässt sich mit Mobiltelefonen schließlich durchaus Geld verdienen, wie die Wettbewerber von Siemens seit Jahren beweisen. Aber dazu muss man es vor allem vermeiden, das Markenimage zu ruinieren und Mitarbeiter zu demotivieren. Wie sagte doch VW-Chef Martin Winterkorn: „Sie können mit den Ingenieuren nicht sechs Stunden lang über Sparmaßnahmen diskutieren und anschließend sagen: So, jetzt baut mal ein schönes Auto.“

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