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05.02.2002

19:03 Uhr

Creditreform sieht keine Besserung

Europa steht vor einer Pleitewelle

Die konjunkturelle Flaute hat in Europa zu einem starken Anstieg der Insolvenzen geführt.

agr DÜSSELDORF. Gegenüber dem Jahr 2000 kletterte die Zahl der Pleiten um 5,9 % auf 199 488 Fälle, wie die Wirtschaftsauskunftei Creditreform mitteilte. 2000 hatte der Anstieg lediglich 2,3 % betragen.

Nur fünf Länder, angeführt von Spanien und gefolgt von Finnland, Frankreich, der Schweiz und Österreich, weisen eine positive Entwicklung auf. Am stärksten stieg die Pleitewelle in den Niederlanden mit einer Zunahme um knapp 50 %. Auf den nächsten Plätzen folgen Dänemark (34,2 %) und Irland (33,1 %). 1,4 (Vorjahr: 1,1) Millionen Menschen haben 2001 durch den Zusammenbruch eines Betriebes ihren Arbeitsplatz verloren.

Deutschland liegt mit einem Plus von 18,7 % auf Platz fünf in Europa, führt aber mit 49 600 Insolvenzen, davon 32 400 Firmenpleiten, das Feld weiterhin an. Der Gesamtschaden durch Insolvenzen belief sich 2001 in Deutschland auf 32,2 Mrd. Euro, gegenüber über 27 Mrd. Euro im Vorjahr. Insgesamt sind hier zu Lande 500 000 Arbeitsplätze vernichtet worden.

Mit diesen Zahlen sei Deutschland Spitzenreiter bei den Pleiten in Europa, sagte Helmut Rödl, Hauptgeschäftsführer der Creditreform. Der Wirtschafts-Musterknabe Niederlande sei angesichts der hohen Steigerungsraten an einem historischen Tiefpunkt angekommen. Rödl begründet die Pleitewelle vor allem mit dem hohen Anteil an Start-Up-Unternehmen, die nicht mehr die Kraft hätten, sich am Markt zu halten.

2002 ist laut Creditreform keine Besserung in Sicht. Sollten die Kreditkosten für die Unternehmen weiter ansteigen, sei angesichts der konjunkturellen Unsicherheiten mit einem Anstieg der Insolvenzen in Europa auf 210 000 Fälle zu rechnen. In Deutschland erwartet Creditreform, dass sich 2002 rund 60 000 Unternehmen oder Privatpersonen zahlungsunfähig melden. Damit könnten über 550 000 Arbeitsplätze verloren gehen.

Zusammenbrüche großer Konzerne machen dabei zwar Schlagzeilen, bilden aber eher die Ausnahme. Bestimmt werde das Insolvenzgeschehen von kleinen und mittleren Unternehmen, sagte Rödl. Das liege auch daran, dass beispielsweise die Pleiten der großen Fluggesellschaften Swissair und Sabena mit massiven staatlichen Subventionen verhindert wurden.

Besonders hart hat es 2001 das Baugewerbe mit einem Anstieg auf etwa ein Fünftel aller Pleiten getroffen. Deutschland habe dabei in Europa mit knapp einem Drittel den höchsten Anteil an Baupleiten. Mit 2,7 Prozentpunkten legte in Europa auch das verarbeitende Gewerbe auf einen Anteil von knapp 14 % stark zu. Die meisten Insolvenzen werden aber nach wie vor im Dienstleistungsbereich (37,8 %) und im Handel (28 %) gezählt.

Neben der konjunkturellen Schwäche spiele auch die Frage, wie sich ein Unternehmen finanziere, eine wichtige Rolle für die Stabilität der Firmen. So gehöre die Nutzung von Überziehungskrediten immer noch zu den wichtigsten Finanzierungsmitteln. Doch diese meist ungesicherten Kredite belasten wegen der hohen Verzinsung oft übermäßig das Firmenergebnis.

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