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07.01.2002

17:27 Uhr

CSU-Klausur in Kreuth im Zeichen der Kanzlerkandidatur - Stoiber um Beruhigung der Diskussion bemüht

Stoiber und Merkel setzen auf Einigung

Im Machtkampf um die Kanzlerkandidatur der Union streben die CDU-Vorsitzende Angela Merkel und CSU-Chef Edmund Stoiber weiterhin eine gütliche Einigung an. Zugleich bemühten sich beide am Montag sichtlich um eine Beruhigung der Diskussion.

Edmund Stoiber. Foto: ap

Edmund Stoiber. Foto: ap

ap KREUTH. Er und Merkel würden noch im Januar einen einvernehmlichen Vorschlag vorlegen, erklärte Stoiber zu Beginn der dreitägigen Klausurtagung der CSU-Landesgruppe in Wildbad Kreuth. Merkel sagte in der ARD, die Entscheidung werde wie vereinbart in einem Gespräch zwischen ihr und Stoiber fallen.

Die beiden Vorsitzenden der Unionsparteien hatten am Wochenende öffentlich ihre Bereitschaft erklärt, zur Bundestagswahl im September als Herausforderer von Kanzler Gerhard Schröder antreten zu wollen. In Kreuth, wo er überraschend bereits am Montag erschien, sagte der CSU-Chef, er verstehe die ganze Aufregung nicht ganz. Es sei eine Selbstverständlichkeit, dass beide Parteivorsitzende eine besondere Verantwortung trügen und auch «die Frage der Kanzlerkandidatur für sich positiv beantworten.» Er und Merkel würden diese Frage in einem freundschaftlichen, vertraulichen und persönlichen Gespräch noch in diesem Monat klären, sagte Stoiber. Er fügte hinzu: "Wir werden dafür eine einvernehmliche Entscheidung vorlegen."

"Das wird ein sehr persönliches und freundschaftliches Gespräch sein", sagte Merkel am Montagabend in der ARD-Sendung "Beckmann". Es werde in den nächsten Wochen stattfinden. "Ich bin ganz fest überzeugt, dass die Entscheidung im Januar kommen wird", sagte die CDU-Chefin. In dem Gespräch werde es um die Kraft der Argumente gehen: "Wir können Argumente austauschen und zuhören", beschrieb Merkel die Atmosphäre zwischen den beiden Rivalen um die Kandidatur. Als Ergebnis werde es aber einen Vorschlag geben, der den Parteigremien von CDU und CSU vorgelegt werde.

Merkel lobte Stoiber in dem Interview als "einen der erfolgreichsten Ministerpräsidenten Deutschlands". Sie lehnte es ab, über ihre politische Zukunft für den Fall zu spekulieren, dass sie in der K-Frage Stoiber unterliegen sollte."Sie können davon ausgehen, dass ich meine Verantwortung kenne", erklärte Merkel. CSU-Landesgruppenchef Michael Glos schloss dennoch eine Kampfabstimmung in der Bundestagsfraktion über die "K-Frage" nicht aus. Dazu könne es durchaus noch kommen, wenn es bis zur Fraktionssitzung am 22. Januar keine Einigung gebe. Zuvor hatte Glos bereits im Südwestrundfunk die Bundestagsfraktion als das repräsentativste Entscheidungsgremium für den Fall einer Nichteinigung genannt. Die CSU-Bundestagsabgeordneten stellten sich in Kreuth geschlossen hinter Stoiber als Kanzlerkandidat.

"Letzte Klausur als Opposition"

Die Klausurtagung hatte Glos am Nachmittag mit betonter Siegeszuversicht und dem Hinweis eröffnet, dass Personalfragen nicht auf der Tagesordnung stünden. "Kreuth 2002 ist unsere letzte Klausurtagung der Opposition gegen die rot-grüne Koalition", sagte er. Die Union habe im vergangenen Jahr ihre Ausgangsbedingungen für die Bundestagswahl deutlich verbessert. SPD und Grüne stünden schlechter da als jemals zuvor seit 1998. Bis Mittwoch haben die CSU-Bundestagsabgeordneten eine umfangreiche Tagesordnung zu bewältigen. Am Dienstag sind ein politischer Bericht Stoibers sowie Diskussionen über die Situation der Bundeswehr und die Lage auf dem Arbeitsmarkt vorgesehen.

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