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01.02.2001

17:19 Uhr

dpa BERLIN. CDU/CSU-Fraktionschef Friedrich Merz sieht sich weiter als ein möglicher Kanzlerkandidat der Union für die Bundestagswahl 2002. "Es liegt in der Natur der Sache, dass der Fraktionsvorsitzende in Frage kommt", sagte Merz am Donnerstag vor Journalisten in Berlin. Auf diese Äußerung folgte allerdings prompt ein negatives Echo aus der CSU.

Wer letztlich von der Union nominiert werde, interessiere ihn derzeit überhaupt nicht, hatte Merz gleich hinzugefügt. Es müsse jetzt erst einmal die Sacharbeit gemacht werden, um CDU und CSU 2002 eine Siegchance zu eröffnen. Die Kanzlerkandidatur werde danach entschieden, wer die besten Chancen gegen Schröder habe. Auch die Parteivorsitzende Merkel hielt in einem Interview mit der "Westdeutschen Zeitung" an diesem Fahrplan fest.

CSU-Generalsekretär Thomas Goppel reagierte auf die Aussage von Merz trotz seiner Einschränkungen äußerst distanziert. "Ich bin hier von dem physikalischen Phänomen überrascht, dass zum ersten Mal in der Weltgeschichte das Echo vor dem Ruf kommt", sagte er dem "Rheinischen Merkur".

Vor allem Stoiber und Merkel wurden als Kandidaten gehandelt

In jüngster Zeit waren in der Öffentlichkeit vor allem der bayerische Ministerpräsident und CSU-Chef Edmund Stoiber oder Merkel als mögliche Kandidaten gehandelt worden. Der Name von Merz wurde dagegen weniger häufig genannt. Aus der CSU war Anfang des Jahres wieder Stoiber stärker ins Gespräch gebracht worden.

Merz betonte wie Merkel, dass es bei der "Doppelspitze" in der Führung der CDU bleiben müsse. Anders seien die Aufgaben nicht zu bewältigen. Merkel hatte in einem Interview unter Einbeziehung von Stoiber sogar von einem "Triumvirat" gesprochen, dass gegenwärtig die Union führe. SPD-Fraktionschef Peter Struck sagte dazu, in der römischen Geschichte seien Triumvirate bekanntlich schnell auseinander gebrochen. Frauen hätten dort ohnehin keinen Platz gehabt.

Der Unions-Fraktionschef unterstrich, dass im Zusammenspiel von Partei und Fraktion die Fraktion eine "dienende Funktion" habe. Sie sei bereit, der Partei ihre Ressourcen mit zur Verfügung zu stellen. Die Fraktion sehe er als einen "Motor" und als ein "Kompetenzzentrum" bei der Formulierung von sachpolitischen Themen. Er räumte ein, dass in der Vergangenheit das Zusammenspiel von Fraktion und Partei nicht optimal war.

Als Konsequenz aus dem misslungenen "Verbrecherplakat" mit Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) werde es auch eine engere Zusammenarbeit zwischen Partei und Fraktion geben. Nach den Worten von Merz sollte die CDU deutlich machen, dass sie im Gegensatz zur Bundesregierung eine "werteorientierte Politik" betreibe.

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