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09.01.2007

10:41 Uhr

CSU stützt Stoiber

„Nix bestellt und nix einstudiert“

VonMaximilian Steinbeis

Im dürftig verschneiten Wildbad Kreuth ist die CSU-Parteispitze eifrig bemüht um Schadensbegrenzung. Man diskutiere hier über wichtige inhaltliche Themen "und nicht über irgendeine Personality-Show", faucht CSU-Landesgruppenchef Ramsauer und meint damit Edmund Stoiber, den angeschlagenen Parteichef und Ministerpräsidenten Bayerns.

KREUTH. Peter Ramsauer ist soeben angekommen im dürftig verschneiten Wildbad Kreuth, da wird er auch schon böse. Ärgerlich schnaubt der CSU-Landesgruppenchef, als ihm ein Journalist mit einer Frage nach Edmund Stoiber kommt, dem angeschlagenen Parteichef und Ministerpräsidenten. Man diskutiere hier über wichtige inhaltliche Themen "und nicht über irgendeine Personality-Show", faucht Ramsauer. Nur so viel: "Wir werden hinter ihm stehen, wenn von hinten geschossen wird, und vor ihm, wenn von vorn geschossen wird. Und um ihn herum, wenn von allen Seiten geschossen wird." Ramsauer macht eine kleine Pause. "Wie im Augenblick."

Nach der Regie der Parteiführung soll dies der Tag der großen Stoiber-Lobpreisung werden. An Solidaritätsbekundungen hat man es auch in den vergangenen Wochen nicht fehlen lassen. Aber genützt hat das alles nichts: Der Autoritätsverfall des Beinahe-Kanzlers und Zweidrittelmehrheitsbeschaffers scheint unaufhaltsam, und das alarmiert die gesamte Führungsspitze der Partei auf das Äußerste: Denn mittlerweile droht nicht nur Stoibers Ansehen Schaden zu nehmen, sondern das der CSU insgesamt.

Auf dass die Welt sehe, wie unangefochten Stoiber seine Partei beherrscht, lässt Ramsauer sogar eine kleine Abweichung von den Kreuther Gepflogenheiten zu. Normalerweise müssen die Journalisten den Saal verlassen, sobald die Tagung beginnt. Diesmal lässt er sie noch ein bisschen zusehen: Den - freilich etwas dünnen - Applaus bei Stoibers Einzug sollen sie miterleben. Das sei die "natürliche Reaktion der Bundestagsabgeordneten", beteuert Ramsauer treuherzig. "Da war jetzt nix bestellt und nix einstudiert."

Ansonsten bleibt aber an diesem Montag bei dem Versuch, die Welt von Stoibers Unangefochtenheit zu überzeugen, nichts dem Zufall überlassen. Am Morgen beschließen in München das Präsidium und die Runde der Bezirksvorsitzenden eine umfassende Ergebenheitsadresse. Auch CSU-Vize Horst Seehofer, der Stoiber als Parteichef beerben könnte und wohl auch möchte, habe nach wochenlangem Schweigen klar Stellung bezogen, beeilen sich Stoibers Leute zu verbreiten: Seehofer habe gesagt, Stoiber werde als Regierungs- und als Parteichef gebraucht.

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