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06.01.2002

13:15 Uhr

CSU tagt ab Montag in Wildbad Kreuth

Offener Machtkampf zwischen Merkel und Stoiber

Der Machtkampf zwischen CDU-Chefin und CSU-Chef Edmund Stoiber um die Kanzlerkandidatur der Union ist am Wochenende offen zu Tage getreten.

dpa/rtr BERLIN/MÜNCHEN. "Wenn es von beiden Parteien gewünscht wird, bin ich bereit, mich in den Dienst der gemeinsamen Sache stellen zu lassen", sagte er der in Berlin erscheinenden Tageszeitung "Die Welt" (Montag). "Ich kenne meine Verantwortung als Parteivorsitzender auch für die Union insgesamt." Am Sonntag hatte Merkel erklärt, sie sei bereit zu kandidieren. In der Fraktion verdichteten sich Hinweise auf eine Unterstützung Stoibers, der in Umfragen weiter vor Merkel liegt.

"Ich bin bereit zu einer Kanzlerkandidatur", sagte Merkel in einem Interview der "Welt am Sonntag". Die Geschichte der CDU zeige, dass den Parteivorsitzenden ein fast selbstverständlicher Anspruch auf die Kanzlerkandidatur zugebilligt worden sei.

Merkel sagte, sie habe als Parteivorsitzende einen wesentlichen Beitrag dazu geleistet, dass die CDU 1999/2000 aus der wohl schwersten Krise ihrer Geschichte habe geführt werden können. Die politische Verantwortung der Vorsitzenden der beiden Schwesterparteien liege nun darin, den Parteigremien einen Vorschlag zu machen, wer als Kanzlerkandidat die besten Siegeschancen habe. Sie gehe davon aus, dass es nach dem geplanten Gespräch mit Stoiber einen gemeinsamen Vorschlag geben werde. Die CDU-Chefin appellierte an beide Unionsparteien, Geschlossenheit zu zeigen. Beim Zeitplan für die Kandidatenentscheidung gehe es nur noch um Wochen, nicht mehr um Monate.

Entscheidung noch im Januar

Unions-Fraktionschef Friedrich Merz (CDU) sprach sich in der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung" für eine baldige Kandidatenkür aus. Die Abgeordneten wollten sich in den Wahlkreisen jetzt der Auseinandersetzung mit dem politischen Gegner zuwenden und nicht ständig Fragen nach der Kandidatur beantworten. Schröder sei derzeit in einer Schwächeperiode und müsse genau dann angegriffen werden.

Merkel und Stoiber haben bereits in den vergangenen Wochen erkennen lassen, dass sie als Herausforderer von Kanzler Schröder für die Bundestagswahl im September bereit stehen. Eine entscheidende Etappe beim Rennen um die Kanzlerkandidatur stellt nach Einschätzung von Unionspolitikern die CDU-Vorstandsklausur Ende kommender Woche in Magdeburg dar. In der CDU wird davon ausgegangen, dass dort Vorstandsmitglieder ihre Präferenzen signalisieren werden, die sich bisher in der Kandidatenfrage zurückgehalten haben. Die CSU-Landesgruppe kommt ab Montag in Wildbad Kreuth zu einer dreitägigen Klausurtagung zusammen.

Auch Stoiber bekräftigte, die Schwesterparteien könnten nur durch ein geschlossenes Auftreten ihre Chancen bei der Bundestagswahl erhöhen. Merkel werde in jedem Fall eine dominante Rolle in der deutschen Politik spielen. Er habe mit der CDU-Vorsitzenden vereinbart, sich nach den Klausurtagungen der CSU-Landesgruppe in Wildbad Kreuth und der CDU in Magdeburg abschließend auf eine gemeinsame Position zu verständigen.

CSU-Generalsekretär Thomas Goppel kündigte eine klare Unterstützung für Stoiber auf der CSU-Klausurtagung an. "Wenn Stimmen zu hören sein werden, dann solche, die sagen, wir wollen Stoiber unbedingt", sagte Goppel der "Welt am Sonntag".

In der Unions-Bundestagsfraktion hatte es zuvor geheißen, es sei nicht ersichtlich, wie Merkel noch ihren Anspruch auf die Kanzlerkandidatur durchsetzen könne. "Ich sehe keine Chance, dass Merkel in entscheidenden Gremien eine Mehrheit erhält", sagte ein CDU-Abgeordneter. Nach einem Bericht der "Süddeutschen Zeitung" rechnen sich alle maßgeblichen CDU-Landeschefs mit Ausnahme des nordrhein-westfälischen Parteivorsitzenden Jürgen Rüttgers mit Stoiber die besten Chancen bei der Bundestagswahl im Herbst aus.

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