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08.01.2001

19:53 Uhr

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Daimler-Chrysler: Neue Produktionsanpassung möglich

Die Daimler-Chrysler AG hält es für durchaus möglich, den stark gekürzten Produktionsplan für die angeschlagene US-Tochter Chrysler für das erste Quartal 2001 nochmals zu verändern.

Reuters DETROIT. "Wir sind darauf vorbereitet, unsere Zahlen auch nach oben zu korrigieren, sofern sich der Markt entsprechend entwickelt", sagte Wolfgang Bernhard, der bei Chrysler als Chief Operating Officer (COO) für das laufende Geschäft verantwortlich ist, am Sonntag der Nachrichtenagentur Reuters. "Das Einzige, was ich sagen kann, ist: Das ist nicht unser letzter Schritt für dieses Jahr, sondern nur der Start."

Die Verluste schreibende US-Sparte hatte zuletzt angekündigt, die Produktion im ersten Quartal 2001 im Vergleich zum Vorjahr um gut ein Viertel und damit stärker als die Konkurrenten General Motors und Ford zu kürzen. Bernhard verwies darauf, dass der Markt im Moment sehr volatil sei, und die Produktionszahlen würden alle zwei Wochen neu überprüft.

Bernhard wollte sich im Vorfeld der Autoschau in Detroit nicht darüber äußern, wann Chrysler wieder die Gewinnschwelle erreichen werde. "Wir sind im Prozess, alles zu analysieren und unseren Aktionsplan aufzustellen." Die im November neu ernannte Chrysler-Führung unter Chrysler-Chef Dieter Zetsche soll bis Ende Februar einen Plan zur grundlegenden Neuausrichtung der Sparte ausarbeiten. Bernhard verwies darauf, angesichts der im Moment kaum vorhersagbaren Marktentwicklung sei dies ein sehr schwieriges Unterfangen, denn die Ankündigungen müssten dann auch erreichbar sein. Chrysler war im zweiten Halbjahr tief in die Verlustzone geraten, für das vierte Quartal hatte Daimler-Chrysler für seine US-Tochter einen Verlust von etwa 1,4 Mrd. Euro angekündigt.

Bernhard sagte, nicht nur Chrysler sei in Probleme geraten. So hätten zuletzt auch die großen Konkurrenten General Motors und Ford praktisch im gleichen Umfang an Absatz eingebüßt. "Das ist kein spezifisches Problem von Chrysler. Es ist ein Problem von allen drei großen US-Anbietern", sagte er. Chrysler selbst müsse vor allem an den variablen Kosten arbeiten, und die stammten nur zu 20 % aus Kosten für die Fabriken.

Mit der geplanten Einsparung von 15 % der Materialkosten komme das Unternehmen voran. Chrysler hatte von den Zulieferern verlangt, zu Jahresbeginn ihre Preise um fünf Prozent zu senken und in Zusammenarbeit mit Chrysler weitere Einsparungen von zehn Prozent zu erreichen. Bernhard sagte, natürlich seien die Zulieferer darüber nicht glücklich gewesen. "Aber sie verstehen, dass wir in einer sehr ernsten Situation sind", sagte er. Außerdem trage im Unterschied zu früher Chrysler auch selbst zu den Einsparungen bei.

So seien 1500 Experten damit beauftragt, die Materialkosten bei der Produktion der existierenden Modelle zu senken, ohne aber die Qualität zu verschlechtern. Die Ausstattung der Fahrzeuge und somit der Nutzen für die Kunden würden aber nicht verschlechtert. "Es ist nicht unser Ansatz zu sagen, wir lassen erst einmal das Lenkrad weg, und wir bauen auch keine Radios mehr ein", sagte Bernhard. Die Herausforderung sei es vielmehr, die Kosten zu senken und die Qualität gleichzeitig zu verbessern.

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