Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

25.04.2003

10:37 Uhr

"Darth Vader" musste gehen

Schicksal von American Airlines weiter ungewiss

Auch nach der Ablösung ihres Chefs Donald Carty bleibt das Schicksal der finanziell angeschlagenen American Airlines ungewiss. Die weltgrößte Fluggesellschaft kann nach Angaben aus informierten Kreisen den Antrag auf Gläubigerschutz nur vermeiden, wenn die Gewerkschaft der Flugbegleiter weiteren Lohnkürzungen zustimmt.

Reuters CHICAGO/DALLAS. Der 58-jährige Carty war wegen eines Bonus-Programms für die Führungskräfte bei gleichzeitigen deutlichen Lohnkürzungen für die übrigen Beschäftigten bei den Gewerkschaften besonders in die Kritik geraten. Zu Cartys Nachfolger wurde der derzeitige Präsident und Vorstand für das operative Geschäft Gerard Arpey bestellt.

Die in Fort Worth im Bundesstaat Texas ansässige Muttergesellschaft AMR hatte den Rücktritt Cartys am Donnerstagabend überraschend mitgeteilt: "Der AMR Board of Directors (das oberste Entscheidungsgremium eines US-Unternehmens) hat den Rücktritt des CEO (Chief Executive Officer, der Firmenchef) und Chairmans Don Carty heute angenommen." Zum neuen Chairman werde Edward A. Brennan berufen. Der 69-jährige Brennan war früher Chef der US-Kaufhauskette Sears.

American Airlines wäre größter Konkursfall der Branche

Aus den mit der Situation vertrauten Kreisen verlautete weiter, American Airlines könne immer noch binnen Tagen Gläubigerschutz nach Kapitel 11 des US-Konkursgesetzes beantragen, das Firmen Zeit für einen Umstrukturierungsplan gibt. Schon am Freitag sei der Board des Unternehmens bereit für einen solchen Antrag, hieß es in Dallas. Die Unternehmensanwälte hätten davon aber abgeraten, um der Flugbegleitergewerkschaft Zeit zum Nachdenken zu geben.

Sollte die Gewerkschaft - anders als die Vertretungen der Piloten und Mechaniker - weiter bei ihrem Nein zu den Lohnkürzungen bleiben, wäre American Airlines der größte Konkursfall in der US-Flugbranche noch vor United Airlines, die im vergangenen Dezember denselben Weg gegangen war. Die Gewerkschaften der Piloten und Mechaniker hatten am Donnerstagabend einigen Änderungen zugestimmt, die unter anderem die Laufzeit und die Gewinnbeteiligung betreffen. Die Flugbegleiter-Gewerkschaft teilte mit, alles tun zu wollen, um den Antrag auf Gläubigerschutz zu vermeiden. Noch habe man die Vorschläge, die die übrigen Gewerkschaften annahmen, nicht abgelehnt, auch wenn man sie nicht angenommen habe, sagte ein Sprecher der Flugbegleiter.

Anfang April hatten Mitglieder der drei Gewerkschaften einem Sparprogramm im Volumen von 1,8 Milliarden Dollar jährlich zugestimmt. Die nach ihrer Ansicht hohen Bonuszahlungen und Pensionsansprüche, die den Managern zugebilligt wurden, stießen dann aber nachträglich auf große Verärgerung, so dass Neuverhandlungen nötig wurden.

Carty löste "Darth Vader" ab - Arpey seit 1982 dabei

In den vergangenen Wochen hatte AMR schon zweimal den Konkurs vermeiden können. American hatte im vergangenen Jahr den größten Verlust in der Luftfahrtgeschichte eingefahren. Allein im ersten Quartal verlor die Gesellschaft eine Milliarde Dollar. Weltweit leiden Fluggesellschaften noch immer unter den Folgen der Anschläge am 11. September 2001, neue Rückschläge wie der Irak-Krieg und die Lungenepidemie SARS kam hinzu. Unmittelbar nach den Anschlägen, bei denen auch zwei Flugzeuge von American Airlines verwendet wurden, hatte AMR rund 20 000 Stellen gestrichen.

Der Kanadier Carty hatte 1998 die Leitung von American Airlines von dem als legendär geltenden Robert Crandall übernommen. Crandall war bei seinen Mitarbeitern als "Darth Vader", einer Furcht einflößenden Schlüsselfigur der "Star Wars"-Filme, berüchtigt. Dagegen galt Carty als umgänglich. Während Crandall in der Branche unter anderem wegen der Einführung von Vielfliegerprogrammen bekannt wurde, setzte sich der 1,90 Meter große Carty für mehr Beinraum in den Flugzeugen ein.

Unter seiner Führung wurde American zudem zur größten Fluggesellschaft der Welt. Dabei räumte Carty vor kurzem ein, dass die Übernahme der Trans World Airlines (TWA) vor rund zwei Jahren im Nachhinein zumindest kurzfristig finanziell wenig erfreulich gewesen sei. Längerfristig sei es aber die richtige Entscheidung gewesen.

Sein Nachfolger, der bisherige Chief Operating Officer (COO) Arpey, ist 44 Jahre alt und ist seit 1982 die Karriereleiter bei AMR hinaufgeklettert. Am 11. September 2001 hatte er kurz nach den Anschlägen, noch bevor überhaupt klar war, was passierte und die US-Behörden den Flugraum sperrten, die gesamte Flugzeugflotte am Boden stillgelegt.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×