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26.02.2003

08:58 Uhr

Das gelungene Gemeinschaftsprojekt von Großbanken

Von Köller setzt die Eurohypo auf die richtige Spur

VonNicole Walter (Handelsblatt)

Karsten von Köller liebt weder große Worte noch Auftritte im Rampenlicht. Verdient hätte er beides: Der nüchterne, sachliche Hypothekenbanker hat eine komplizierte Dreierfusion unter Dach und Fach gebracht und die Eurohypo in einer schwierigen Branchenlage zu passablen Ergebnissen geführt.

FRANKFURT/M. Während der Konkurrent aus München, die HVB Real Estate, noch mit der Abspaltung vom Hypo-Vereinsbank-Konzern beschäftigt ist, kann sich die Eurohypo auf den Markt konzentrieren.

Die neue Eurohypo AG hat ihren Schwerpunkt in der Immobilienfinanzierung, mit großen Ambitionen im Ausland, und betreibt weiterhin das Staatsfinanzierungsgeschäft und private Immobilienfinanzierungen. Sie hat ein starkes Standbein im margenstarken US-Markt und zählt zu den großen Pfandbrief-Emittenten.

Vor anderthalb Jahren haben Deutsche, Dresdner Bank und Commerzbank beschlossen, ihre Hypothekentöchter zu verschmelzen. Vorausgegangen war ein langes Ringen, wer was zu welchem Preis in die neue Eurohypo AG einbringt. Es ist das bislang einzige gelungene gemeinsame Projekt der Großbanken. Gespräche einiger Großbanken über eine gemeinsame Wertpapierabwicklung oder Zahlungsverkehr gibt es seit langem - ohne Ergebnis.

Vor der Verschmelzung waren die Hypobanken die ungeliebten Kinder der Großbanken. Ihre Kredite haben die Risikoaktiva der Konzerne erhöht. Sie haben Kapital gebunden, das die Konzernchefs in profitablere Geschäfts umlenken wollten. Und die Dresdner-Bank-Tochter Deutsche Hyp hat ihren Konzern mit hohen Wertberichtigungen auf Immobilienfinanzierungen vor allem in Ostdeutschland belastet.

Die Verschmelzung der drei Töchter war eine Erleichterung für beide Seiten. Die Konzerne waren ungeliebtes Geschäft los, die Hypobanker erfreut über die Freiheit von rigiden Konzernmechanismen. Zumal die Konzernmütter ihnen noch eine Garantie mitgegeben haben: Bis Ende 2006 haften sie für Ausfälle von Krediten, die die drei Hypobanken bis Anfang 2002 vergeben haben. Das stärkt das Rating und senkt die Refinanzierungskosten.

Trotz dieser Starthilfe war sich von Köller der Schwierigkeiten bewusst, die eine Dreierfusion mit erheblichem Personalabbau bringen würde. 800 der ursprünglich 2 800 Stellen werden gestrichen, 350 Mitarbeiter haben bislang freiwilligen Lösungen zugestimmt. Bis Mitte September gilt Kündigungsschutz, danach sind betriebsbedingte Kündigungen möglich. Die Hoffungen auf Zuwächse im Neugeschäft und Ertrag hat von Köller anfangs kräftig gedämpft. "Zunächst wird die Bank mit sich selbst beschäftigt sein", hat er im Vorjahr Enttäuschungen vorgebeugt. Dann hat sich die im Sommer 2002 offiziell gestartete Bank doch ganz gut geschlagen. Der allgemeine Rückgang im Neugeschäft hat sie nur minimal getroffen, auch weil die neue Eurohypo früh mit einheitlichem Erscheinungsbild im Markt aufgetreten ist und Führungskräfte viele Kundengespräche im In- und Ausland geführt haben. Zum 30. September 2002 lag die Eigenkapitalrendite nach Steuern bei 5,7 % - ein Wert, von dem viele andere Banken derzeit nur träumen können.

Der 63-jährige Hypothekenbanker von Köller - er ist gleichzeitig Präsident des Verbandes deutscher Hypothekenbanken - ist der Mann, der die Fusion managt. Mitte 2005 soll Bernd Knobloch (51) die Führung übernehmen. Er ist heute stellvertretender Vorstandsvorsitzender, verantwortlich für die Immobilienfinanzierung in Großbritannien und den USA. Die Aufgabenteilung ist klar: Während von Köller die Fäden an oberster Stelle zusammenhält, reist Knobloch durch die Welt, um das Investment Banking voranzubringen. Vor allem der US-Markt ist für die deutschen Immobilienfinanziers äußerst attraktiv, weil die Margen höher sind als hier zu Lande, und die Investoren deutlich mehr Eigenkapital mitbringen. Knobloch will das Geschäft zügig ausbauen.

Der nächste Artikel zur Serie erscheint morgen: Die Nischenanbieter Apotheker- und Ärztebank und Norisbank.

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