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17.01.2003

09:10 Uhr

Das Handelsblatt nimmt künftig gezielt einzelne Rohstoffe aus Anlegersicht unter die Lupe

Weiterer Preisanstieg bei Rohstoffen erwartet

VonUdo Rettberg

Aktien erwiesen sich für Anleger im Jahr 2002 als Fehlgriff. Dagegen können sich jene Anleger glücklich schätzen, die ihr Geld in Rohstoffe investierten. Die Preise sind um rund 25 % gestiegen. Wer auf diese Anlagen setzt, hat es in Deutschland schwer, denn die Banken behandeln das Thema bislang stiefmütterlich.

FRANKFURT/M. Das Verhältnis zwischen den Börsianern und der Anlageform Aktie ist seit geraumer Zeit zerrüttet. Aktien erlitten im Jahr 2002 einen Verlust von 25 %. Anleger richten ihr Augenmerk in der Baisse daher stärker auf "Investments mit Substanz". So auch auf Rohstoffe, die im Jahr 2002 durchschnittlich 25 % zulegten. "Der Kapitalanlage in Rohstoffen gehört die Zukunft", sagt daher Marc Faber, unabhängiger Berater und Ex-Fondsmanager. Rohstoffe stellen auch nach Ansicht von Werner Krämer von Lazard Asset Management für den Anleger aus Diversifikationsgründen eine zwingende Beimischung in traditionellen Depots dar. "Der an den Finanzmärkten viel beachtete CRB-Index hat nach 20-jähriger Talfahrt Ende 2001 einen doppelten Boden gefunden", sagt der selbstständige Rohstoff- und Chart-Experte Richard Ebert.

Analysten der ING Bank-BHF zweifeln indes an der Aussagekraft des CRB-Index. Das 25 %ige Plus im Jahr 2002 sei vor allem auf den Energiekomplex und auf die Hausse bei Gold und Kakao zurückzuführen. Der CRB-Index sei zurzeit eher als Krisen- denn als Konjunkturindex zu werten.

Wie Marc Faber geht auch Ray Dalio, Investment-Stratege von Bridgewater Associates, davon aus, dass die Rohstoffpreise weiter steigen werden. "Erholt sich die Konjunktur, werden die Rohstoffpreise folgen", sagt er. Marc Faber untermauert seinen Optimismus durch die These, dass der wirtschaftliche und politische Aufbruch in der Volksrepublik China in den kommenden Jahren zu einer stark steigenden Nachfrage führen werde. Die Produzenten hätten in den vergangenen Jahren ihre Investitionen aber stark reduziert, so dass eine zunehmende Nachfrage bei den meisten Rohstoffen nur zu höheren Preisen zu befriedigen sei.

Das Instrumentarium für die Kapitalanlage in Rohstoffe lässt gerade in Deutschland zahlreiche Wünsche offen. Anleger, die Fachwissen von Experten nutzen, vertrauen ihre Gelder speziellen Fonds an, die direkt in Rohstoffe oder aber in Rohstoff- und Index-Futures sowie in Aktien von Rohstoffunternehmen investieren. Anleger, die sich selbst eine Meinung zu Rohstoffen gebildet haben und direkt investieren, haben die Möglichkeit, Aktien von Rohstoffunternehmen zu kaufen. Darüber hinaus können sie an den großen Warenterminbörsen in Chicago, New York und London auf steigende und sinkende Preise setzen, indem sie Futures oder Optionen kaufen und verkaufen. Eine Warenterminbörse existiert inzwischen auch in Hannover.

Eine weitere Möglichkeit sind Zertifikate, Warrants und andere Hebelprodukte, die von Banken emittiert wurden. Anleger können an deutschen Börsen auf diesem Weg Rohöl, Gold, Silber und Platin handeln. Die australische Macquarie Bank bietet "Tracker" auf Kaffee und Weizen an. "Tracker bilden exakt die Preisentwicklung der jeweiligen Futures-Kontrakte an den US-Terminbörsen ab", sagt Florian M. Roebbeling von Macquarie.

Doch trotz der optimistischen Prognosen sollten die Gefahren nicht übersehen werden.Wer an den Rohstoffmärkten investiert, setzt sich hohen Risiken aus, weil er oft mit kaum vorhersehbaren Ereignissen konfrontiert wird. Einen großen Einfluss auf die Preise energetischer Rohstoffe haben neben der Förderpolitik der Opec auch Witterungsverhältnisse und innenpolitische Unruhen in den Produzentenländern (wie zuletzt in Venezuela). Bei agrarischen Rohstoffen haben witterungsbedingte Faktoren, die zu Missernten führen können, die größte Bedeutung für die Preisgestaltung. Rohstoffe wie Kakao werden vor allem in politisch instabilen Regionen angebaut, so dass innenpolitische Ereignisse in den Erzeugerländern starke Preisausschläge auslösen können. Solche Einflüsse sind von Analysten, Ernteschätzern und "Wetterfröschen" in Rohstoffländern wie den USA, Kanada, Australien und Südafrika gut erforscht. Der Finanzplatz Deutschland ist bei dieser Art von Research dagegen ein "weißer Fleck" auf dem Globus. Und dies, obwohl für die deutsche Wirtschaft wegen der geringen Rohstoffbasis bei nicht wenigen "Commodities" eine 100%ige Importabhängigkeit besteht.

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Das Handelsblatt wird - ähnlich wie bisher schon bei Aktien, Anleihen, Fonds und Zertifikaten - künftig auch einzelne Rohstoffe gezielt unter die Lupe nehmen und Chancen sowie Risiken für Anleger beleuchten.

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