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29.01.2003

07:43 Uhr

Das Horoskop prophezeit den Börsianern nur bis Juni Freude

Feng-Shui spricht für chinesische Aktien

VonMARKUS GÄRTNER

Credit Lyonnais in Hongkong sagt für das Jahr der Ziege, das am 1. Februar beginnt, unter dem Strich wenig Gewinn voraus. Gut laufen sollen aber Aktien vom chinesischen Festland.

PEKING. "Wird das Jahr der Ziege ein Bullenjahr?" Die Gretchenfrage im jüngsten Feng-Shui-Bericht der Credit Lyonnais Securities Asia für das neue chinesische Jahr der Ziege - das am 1. Februar beginnt - ist schon von der Anatomie her ein dicker Widerspruch. Natürlich kann eine Ziege kein Bulle sein. Das behaupten selbst chinesische Sterngucker mit Börsenfeeling nicht: Es wird ein Jahr mit insgesamt leichter Erholung, unterbrochen von heftigen Schwankungen und versöhnlichem, aber keineswegs starkem Ausgang.

"Der Markt wird in der ersten Jahreshälfte nach oben tendieren und seine Höchstwerte im Juni erreichen", heißt es im jüngsten Feng (Wind)-Shui(Wasser)-Bericht, den die Investment Bank jeden Januar vor dem chinesischen Neujahrsfest für die China-Börsen herausgibt. "Die Ziege ist ein stetigeres Tier als das galoppierende Pferd", heißt es dort in Anspielung auf das Sternzeichen des auslaufenden China-Jahres. "Doch weil die Ziege langsam und zögerlich ist", schreiben die Börsen-Horoskopen der Bank, "werden die Entwicklungen im Jahr der Ziege unsicher sein".

Das heißt aber nicht, dass ein weiteres Verlustjahr bevorsteht. Hongkong wird langsam aus seinem Tief herauskommen. In den kommenden fünf Jahren soll sich die Ex-Kolonie "im Windschatten Chinas" wieder von ihrer Durststrecke seit 1997 erholen. China selbst werden außerordentlich gute Zeiten vorher gesagt. 2004 soll für das Reich der Mitte gar eine 20 Jahre währende Periode des Glücks beginnen. "Kaufen Sie China-Aktien", lautet das mit zwei Ausrufezeichen versehene Fazit der Feng-Shui-Propheten, auch wenn das laufende Jahr Chinas Wirtschaft eher gemäßigtes Wachstum bescheren wird.

Chinas Sterngucker achten stets auf die Elemente. An der Börse dominieren im neuen Jahr Wasser und Erde. Für den Transportsektor soll das eine gute Nachricht sein. Doch auch Gold und Holz beeinflussen die Kurse ab Februar. Und sie stellen im Drehbuch der Deuter einen Konflikt dar. Die Folge: Vor allem im August und September, nach einem langsamen Anstieg der Kurse, soll es zu erheblichen Turbulenzen kommen. Dem Hang-Seng-Index in Hongkong wird eine Schwankung von 800 Punkten (nahezu 9%) - wahrscheinlich nach unten - vorhergesagt. Weil die China-Börsen nicht nur von den Sternen, sondern auch von der Wall Street abhängen, haben die Börsen-Astrologen sich auch mit den USA befasst. "Es gibt keinen neuen Krieg im Jahr der Ziege", sagen sie mutig vorher. Mehr noch: "Die Konjunktur in den USA bleibt widerstandsfähig". Doch Vorsicht auch hier zur Jahresmitte ! Im Juni und Juli soll es zu heftigen Schwankungen kommen. Geht es nach den Sterndeutern, so steigt der Goldpreis, obwohl es keinen Krieg gibt, in nächster Zeit noch locker auf 420 Dollar pro Feinunze. Das Transportgewerbe inklusive Airlines sowie die Versicherungsbranche sollen ebenfalls ein gutes Jahr erleben: Für Terroristen ist in dem Horoskop kein Platz.

Auch an die Börsianer haben die Experten in Hongkong gedacht: Ihre Büros sollten die Konstellation der Glückssterne berücksichtigen, damit das neue Jahr - "dessen Zuwächse leicht verloren gehen könnten" - ihnen am Ende tatsächlich Gewinne beschwert. Der Glücksstern wird im Nordwesten strahlen, der Stern für Reichtum im Westen. Wer den Lehren der traditionellen Meister folgen möchte, der sollte seinen Schreibtisch im Westteil des Büros aufstellen und sich eine Tür im Nordwesten einbauen lassen. "Sitzen Sie nicht im Südosten", rät der Bericht, "dann verlieren Sie Geld und werden krank".

Und noch einen Rat hält das inzwischen legendäre Börsenhoroskop bereit: "Seien Sie keine Ziege und nehmen Sie unseren Index nicht zu ernst".

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