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19.02.2002

19:00 Uhr

Das „Orakel von Omaha“ verspricht sieben Prozent Rendite

Wer Buffett folgt, braucht einen langen Atem

VonKRIM DELKO

Altmeister Warren Buffett steht wie ein Fels in der stürmischen See der US-Aktienmärkte. Seine Holding Berkshire Hathaway musste zwar im letzten Jahr einen Dämpfer hinnehmen, langfristig gilt Buffetts Vehikel für Investitionen aber als gut positioniert.

CHICAGO. Der 71-jährige Meister aus Omaha, Nebraska, hat langfristig orientierten Anlegern im vergangenen Sommer eine satte Rendite versprochen: "Die US-Wirtschaft wächst weiter und die Aktienpreise sind markant gesunken. Ich erwarte eine langfristige Aktienrendite von gut sieben Prozent". Eine Wachstumsrate von fünf Prozent über dem Marktschnitt sei eine vernünftige Schätzung, glaubt auch Analystin Alice Schroeder von Morgan Stanley.

Buffet setzt auf stetiges Gewinnwachstum bei überschaubaren Risiken: "Ich investiere ausschließlich in Unternehmen, die ich verstehe und die ich unter ihrem inneren Wert kaufen kann", pflegt Buffett zu dozieren. Nicht alle Investoren wollen dieser Methode folgen. "Ich bin nicht einverstanden mit dieser ?halte-für-immer-Strategie?", sagt Robert Band. Sein Newsletter "Profitable Investor" ist in konservativen Anlegerkreisen sehr beliebt. In Zeiten großer Volatilität seien Geldverwalter vermehrt gezwungen, kurzfristige Anlageentscheidungen zu treffen.

Schäden reissen Milliardenloch in Bilanz

Immerhin ist Buffett mit seiner Methode zum zweitreichsten Mann Amerikas geworden. Er hält einen Anteil von rund 35 Prozent an der 100 Mrd. Dollar schweren Beteiligungsgesellschaft. Angefangen hatte alles mit dem verlustreichen Textilunternehmen Berkshire Hathaway. Buffett kaufte die Aktien der fast bankrotten Firma. Mit diesem Deckmäntelchen sicherte er sich in einem einmaligen Marsch unter anderem Anteile an amerikanischen Ikonen wie Coca Cola oder Gillette. Zudem stieg er in der Versicherungsbranche ein. Mit der Akquisition von General Re stieß der "Value"-Investor in die führenden Reihen der Rückversicherer vor. Ein typischer Schachzug: Starke Mittelszuflüsse und ein verständliches Geschäftsmodell sind Kernelemente von Buffetts Anlagestrategie.

Das vergangene Jahr brachte aber auch ihm Verluste. Vor allem die großen Schäden vom elften September, die teilweise von der Rückversicherungsbranche getragen werden müssen, rissen ein Milliardenloch in seine Bilanz. Er habe die Wahrscheinlichkeit solch dramatischer Schäden ganz einfach unterschätzt und nicht genügend Reserven angelegt, gestand Buffett ein.

Aber auch dieses Mal könnte sich seine Strategie des langen Atems auszahlen. "Wir erwarten ein zweistelliges Wachstum der Versicherungsprämien. Das dürfte die Verluste der WTC-Katastrophe mehr als wieder gut machen", sagt Travis Pascavis von Morningstar, einem Vermögensverwalter aus Chicago.

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