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18.03.2003

14:17 Uhr

„Das Stimmungsbild der Fans widerspiegeln“

Sponsor RWE setzt weiter auf Bayer Leverkusen

VonMarc Thylmann (Handelsblatt)

Manche Sportredakteure und Leser werden morgen und übermorgen wieder heiteres Anzeigenraten spielen. Die Frage "Was für einen Spruch haben sie sich denn diesmal einfallen lassen?" ist in den vergangenen Wochen zu einem beliebten Zeitvertreib geworden.

Im Moment sind die Leistungen der Bayer-Elf eher zum Haare raufen, weiß auch Jungstürmer Sebastian Schoof. Foto: dpa

Im Moment sind die Leistungen der Bayer-Elf eher zum Haare raufen, weiß auch Jungstürmer Sebastian Schoof. Foto: dpa

DÜSSELDORF. Mit "sie" sind die Texter der Berliner Agentur Heimat gemeint. Die überlegen sich nämlich seit Beginn dieser Saison vor Spielen von Bayer Leverkusen zwei bis drei Kommentare pro möglichen Spielausgang. Und Mittwoch trifft Leverkusen auf Inter Mailand (20.45 Uhr) - Bayers letztes Champions-League-Spiel für mindestens 18 Monate, denn in der Bundesliga spielt Leverkusen gegen den Abstieg und nicht um die Qualifikation für die nächste Champions-League-Saison.

Die jeweiligen Textvorschläge aus Berlin werden mit RWE diskutiert und abgestimmt. "Die Kommentare sollen das Stimmungsbild der Fans widerspiegeln", erklärt Dieter Schweer, Leiter der RWE-Konzernkommunikation. Und da zu jedem Spielausgang mehrere Vorschläge vorliegen, kann direkt nach Abpfiff reagiert werden. Dies ist vor allem bei Bundesliga-Spielen notwendig, weil die Anzeigen zum Teil schon am Sonntag erscheinen.

Nach der Niederlagen-Serie der vergangenen Wochen wurde die Stimmung der Fans immer mieser - und der Anzeigen-Text immer deftiger. Von "Kein Kommentar" über "Kein Kommentar II und III" setzte es vergangene Woche die Höchststrafe. "Wenn man es nicht kann, muss man es wenigstens wollen", war nach der Niederlage in Barcelona zu lesen. "Wir wollen auch Glaubwürdigkeit", so Schweer. Und als Fan und Sponsor könne man erwarten, dass sich ein Team in der Champions League genauso anstrengt wie in der Bundesliga. Clinch mit dem Klub wegen der Texte habe es aber noch nie gegeben. Denn trotz aller Kritik legt Schweer Wert auf die Unterzeile jeder Anzeige, "RWE steht zu Bayer 04 Leverkusen". Immerhin habe man erst Ende 2002, als sich die sportliche Misere schon deutlich wurde, den Sponsoring-Vertrag bis 2006 verlängert. Angeblich für rund 35 Millionen Euro über die vier Jahre.

Meinolf Sprink, der Sportbeauftragte der Bayer AG, liest die Anzeigen zwar ab und zu "mit einem gewissen Stirnrunzeln". Aber auch aus seinem privaten Umfeld erfahre er immer wieder, wie Leser mittlerweile gezielt nach den Anzeigen suchen. Beinahe Kultstatus hätten sie erreicht. Sprink stellt klar: "Es gibt in keiner Weise eine Freigabe durch den Verein oder die AG." Alles eine freie Entscheidung des RWE.

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