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22.06.2000

18:37 Uhr

Das Telekommunikations-Unternehmen war im vergangenen Jahr der Superstar an der Nasdaq

Analysten halten an Qualcomm fest

VonNORBERT KULS

In den vergangenen Wochen verursachten negative Wachstumsaussichten in Asien einen Absturz der Qualcomm-Aktien. Den langfristigen Trend bewerten Analysten aber weiter positiv.

NEW YORK. Das Telekommunikations-Unternehmen Qualcomm war im vergangenen Jahr der Superstar an der Nasdaq. Um 2 600 % war der Aktienkurs gestiegen. Analysten überschlugen sich in Euphorie und prophezeihten dem Anbieter der Mobilfunktechnologie CDMA weiter einen steilen Kursanstieg. Die Euphorie ist jetzt ziemlicher Ernüchterung gewichen. Denn Anleger, die Anfang des Jahres eingestiegen sind, mussten mitansehen, wie der Qualcomm-Kurs um über 60% absackte. Trotzdem halten die meisten Analysten an ihrer langfristig positiven Bewertung des Unternehmens fest. Aber in nächster Zeit dürfte der Kurs weiter stark schwanken.

Bisher sicherer Gewinner des Handy-Booms

Was war passiert? Qualcomm galt doch als sicherer Nutznießer des Mobilfunkbooms. Das Unternehmen stellt die CDMA genannte Technologie für Handys der 3.Generation her - Mobiltelefone mit denen man im Internet surfen und große Datenmengen übertragen kann. Das Argument für den Kauf von Qualcomm lautete bisher: Die CDMA-Technologie, auf die Qualcomm wichtige Patente hält, dürfte in ein paar Jahren in jedes Handy eingebaut werden. Die Firma kassiert Lizenzgebühren und produziert CDMA-Chips für die Hersteller von Mobiltelefonen - eine Art Lizenz zum Gelddrucken, so glaubten einige an der Wall Street.

Derzeit hält CDMA rund 10% des weltweiten Mobilfunkmarktes. Die konkurrierenden Systeme GSM und TDMA teilen sich etwa 70% des Weltmarktes. Ganz so einfach scheint es aber mit dem unbehinderten Wachstum nicht zu sein. Die Aussichten im asiatischen Wachstumsmarkt wurden in den vergangenen Wochen in Frage gestellt. So verbot die Regierung in Süd-Korea den Telefongesellschaften, Rabatte auf Handys anzubieten. Süd-Korea ist der größte Markt von Qualcomm. Finanzchef Anthony Thornley rechnet deswegen mit negativen Auswirkungen auf die Nachfrage in Asien. Chinas zweitgrößte Telefongesellschaft verschob zudem die Einrichtung eines Mobilfunknetzes, das auf die Qualcomm-Technologie aufgebaut war. Zudem könnte das in Geldnöte geratene Satellitentelefonprojekt Globalstar die Gewinne von Qualcomm reduzieren. Qualcomm hält eine Minderheitsbeteiligung an Globalstar. Das waren Gründe genug für zwei einflussreiche Analysten, ihre Gewinnerwartungen für das Unternehmen zu senken. Die Folge: der Kurs von Qualcomm brach ein.

Einer der beiden Analysten, Edward Snyder von der Investmentbank Chase H&Q, rechnet mit Umsatzeinbrüchen bei CDMA-Handys von weltweit 10%-15%, weil Korea die Subventionen für Mobiltelefone abgeschafft hat. Zudem glaubt Snyder, das die CDMA-Technologie im Wachstumsmarkt China kaum eine Chance gegen die in Europa gebräuchliche GSM-Technologie haben wird, wenn die GSM-Handys der 3. Generation eingeführt werden. Snyder formulierte seinen Kommentar knallhart: "Es gibt keine Aussicht auf positive Nachrichten." Er erwartet für Qualcomm nun einen Kurs von 50$ innerhalb der kommenden 12 Monate - deutlich unter dem derzeitigen Niveau.



Gewinnprognosen wurden zurückgenommen

Woitek Uzdelewicz von der Investmentbank Bear Stearns hat wegen des Kursrisikos aufgrund der Lage in Korea, China und bei Globalstar seine Gewinnprognosen ebenfalls zurückgenommen. Es könnte wegen der Unwägbarkeiten noch böse Überraschungen geben. Er empfiehlt aber die Aktie nach wie vor langfristig als attraktiven Wert.

Analyst Alex Cena von der Investmentbank Salomon Smith Barney lässt sich vom Pessimismus indes nicht anstecken. Er hält die Ängste für überzogen und empfiehlt Qualcomm weiter zum Kauf mit einem Kursziel von 200$. In China könne es für ihn nur aufwärts gehen. "Keiner, der vernünftig denkt, hat China bereits in die Prognosen miteinkalkuliert", meint Cena zudem. Das Ende der Handy-Rabatte in Korea hält er für wenig brisant. Das sei schon zwei Mal vorgekommen, und die Telefongesellschaften hätten immer neue Verkaufsmethoden gefunden.

Möglicherweise geht die Diskussion um fundamentale Daten bei der Prognose des Aktienkurses von Qualcomm ohnehin am Thema vorbei. Pete Peterson, Analyst beim Investmenthaus Prudential Volpe glaubt nämlich nicht, das die Kursverluste viel mit den fundamentalen Daten des Unternehmens zu tun haben. "Der Mechanismus des Marktes ist der größte Feind von Qualcomm", sagt Peterson. Damit meint er das hohe Profil des Unternehmens, das zu starken Schwankungen im Markt führt. Kommentare von Analysten und der Herdentrieb der Anleger können den Qualcomm-Kurs stark bewegen. Erst Ende des vergangenen Jahres war der Qualcomm Kurs nach oben geschossen, weil ein Analyst das Kursziel auf 250$ gesetzt hatte. (Das ursprüngliche Kursziel war 1 000$. Die Aktie ist seither im Verhältnis 4 zu 1 gesplittet worden)

Der starke Kursanstieg von Qualcomm im vergangenen Jahr hatte nach Ansicht von Analyst Mark Roberts von der Investmentbank First Union Securities auch mit Kurspflege von Fonds zu tun. Die Fondsmanager waren vor Jahresende noch auf den Qualcomm-Zug aufgesprungen, damit sie zum Ende des Jahres für den Rechenschaftsbericht die attraktivsten Aktien des Jahres im Portfolio haben.

Nachdem dieser Effekt verpufft war, kehrte wieder Skepsis ein. Eine neuerliche Hausse wird an der Wall Street aber nicht ausgeschlossen - die Stimmung für Qualcomm kann sich schnell wieder drehen.

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