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17.01.2001

00:00 Uhr

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Das tut weh, Herr Haffa

VonJann Ohlendorf

Es ist nie schön, wenn ein Kapitän ein sinkendes Schiff vor den übrigen Passagieren verlässt, und so wird auch beim Luftschiff EM.TV das Wehklagen groß sein. Ganz nebenbei hat der bereits zuvor heftig angeschlagene Thomas Haffa am Dienstag seine Glaubwürdigkeit verspielt.

200 000 Aktien hat der Mann, der Kleinaktionäre in Ekstase und Börsengesetze über Monate außer Kraft setzen konnte, im Februar verkauft. Die Haltefrist hat den Unternehmenslenker dabei nicht weiter gestört. Die Familie habe er sichern wollen, sagt der Spezialist für Kinderfilme. In simplem Zeichentrick sind die Rollen zwischen Gut und Böse meist klar verteilt. Daran hat Haffa sich offenbar gehalten. Es spricht nicht für den Neuen Markt, dass Haffa über Jahre hinweg auf dieser Bühne als Erfolgsdarsteller auftreten konnte.

Jetzt, Monate nachdem er selbst offenbar zu einem realistischen Urteil über den Unternehmenswert gelangt war, ist er zwar - noch - an Bord, aber nur noch ein Leichtgewicht, kein souveräner Konzernlenker mehr. Enttäuscht werden die Kleinaktionäre sein, die den Aufsteiger aus der bayerischen Provinz verehrt haben wie einen Popstar.

Der Niedergang des Haffa-Prinzips wird den Markt für Wachstumswerte auf längere Sicht gleichwohl beflügeln. In die Lücke, die Haffa hinterlässt, können solide, "langweilige" Unternehmer ohne Yacht und Yuppie-Gebaren treten. Die hatten es in der Vergangenheit oft schwer, in die Medien vorzudringen. Insofern könnte sich Thomas Haffa auf längere Sicht erneut - eben nur auf andere Weise - als Schrittmacher erweisen.

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