Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

18.03.2003

07:43 Uhr

Das Unternehmen floriert trotz Halbleiterkrise

Mühlbauer macht mit Sicherheit ein gutes Geschäft

VonChristian Schnell

Eine Frage macht im Moment unter Kapitalmarktexperten die Runde: Wie viele der einst 343 am Neuen Markt gelisteten Unternehmen werden wohl in zehn Jahren noch bestehen? "Nicht sehr viele", lautet die zumeist einhellige Meinung unter Experten. Eine der wenigen Ausnahmen könnte die Mühlbauer Holding AG & Co. KGaA sein, Hersteller von Chipkarten (Smart Cards), intelligenten Etiketten (Smart Labels) und Bauteilen für die Halbleiterindustrie.

FRANKFURT/M. "Ich bin mit diesem Unternehmen vor 20 Jahren gestartet und mache es noch 20 Jahre", sagte Firmenchef und-gründer Josef Mühlbauer bereits vor knapp einem Jahr im Handelsblatt-Interview.

Nun sind solche Aussagen gerade in dieser schnelllebigen Zeit nicht unbedingt immer für bare Münze zu nehmen; einen gewissen Symbolcharakter hinsichtlich der Unternehmenspolitik haben die Worte des knorrigen Firmenchefs aus dem Bayerischen Wald aber doch. Schließlich belegen die gestern vorgelegten Zahlen trotz Halbleiterkrise und weltweit spürbarer Kaufzurückhaltung die gerade Linie des Rodinger Unternehmens. Der Umsatz wurde immerhin um 2,1 % auf 91,3 Mill. Euro gesteigert. Der Gewinn vor Zinsen und Steuern (Ebit) ging zwar von 8,5 Mill. Euro im Jahr 2001 auf 6 Mill. Euro zurück, übertraf aber trotzdem die Durchschnittserwartungen der Analysten um 28 %. Eine Dividende von 30 Cent je Aktie wie im Vorjahr dürfte deshalb auch diesmal wieder für die Aktionäre herausspringen, wurde am Montag bereits angekündigt.

Das entspräche immerhin einer Dividendenrendite von 2,7 %. Damit ist die Mühlbauer-Aktie sicherlich nicht unbedingt gleich zum Kauf zu empfehlen. Dagegen spricht allein schon das hohe Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) von 23 für das laufende Geschäftsjahr. Zwei Drittel der Analysten, die sich regelmäßig mit der Aktie beschäftigen, entscheiden sich deshalb für ein "Halten", was nicht verwundert.

Das ändert jedoch nichts daran, dass dem Unternehmen selbst von allen Seiten eine äußerst profitable Zukunft zugebilligt wird. Es müsste sich nur auf dem darbenden Halbleitermarkt etwas mehr tun, heißt es allenthalben. Zu Gute kommt Mühlbauer allerdings das gerade vor dem möglichen Irak-Kriegs verstärkte Sicherheitsstreben von Unternehmen und Regierungen. An die Smart Cards, die mit einem Umsatzanteil von 56 % den größten Geschäftsbereich darstellen, werden ständig höhere Anforderungen gestellt. Auf 40 % schätzt das Management inzwischen den eigenen Anteil am Weltmarkt. Personengebundene Erkennungsmerkmale wie Fingerabdruck, Iris, Gesicht, Handgeometrie oder Stimme können inzwischen auf einer Chipkarte gespeichert werden. Am Frankfurter Flughafen beispielsweise soll schon bald ein System zur Iris-Erkennung installiert werden, ließ Josef Mühlbauer gestern auf der Bilanzpressekonferenz durchblicken.

Gleiches ist auch bei Personalausweisen möglich. Ein Vorzeigeprojekt läuft gerade in Hongkong und bietet reichlich Phantasie, dass vielleicht schon bald die chinesische Regierung diesem Beispiel folgen könnte. In Europa stellten Österreich, Italien und auch Spanien ihr Passwesen ebenfalls bereits in diese Richtung um. Und der deutsche Personalausweis? "Von der technischen Ausstattung her ziemlich am Ende in Europa", sagt Mühlbauer. Schließlich weise der "Perso" keinen einzigen Sicherheitschip auf.

Einen dicken Fisch zog Mühlbauer kürzlich auch im Bereich Smart Labels an Land. Der italienische Modehersteller Benetton setzt inzwischen auf die intelligenten Etiketten und verfolgt damit den Weg eines Kleidungsstücks vom Rohprodukt, bis es in den Laden kommt. Und bei den Präzisionsteilen, die mit 13 % einen eher geringen Umsatzanteil ausmachen, beliefern die Rodinger inzwischen sogar einige Formel-1-Rennställe. Natürlich dürfen die Kunden aus rechtlichen Gründen nicht genannt werden.

Neuestes Ziel von Mühlbauer an der Börse ist die Aufnahme in den Tec-Dax. Das wurde zuletzt verfehlt. Mit einem Platz 45 bei der Marktkapitalisierung und einem Platz 39 beiden Börsenumsätzen besteht aber die Hoffnung, langfristig unter die Top 30 bei den Tech-Werte zu gelangen.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×