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19.06.2000

21:11 Uhr

Das Zauberwort heißt „Gross Participation“

Was die Hollywood-Stars wirklich verdienen

Die Stars aus Hollywood lassen sich ihre Arbeit fürstlich honorieren. Doch nicht die Gage macht?s allein, erst die Einnahmen aus zusätzlichen Geschäften treiben das Einkommen in die Höhe.

sie LOS ANGELES. Tom Cruise kassiert 20 Mill. $ pro Film. Jim Carrey und Harrison Ford ebenso. Selbst Julia Roberts erhielt für ihre Hauptrolle in "Erin Brockovich" als erste Frau 20 Mill. $ Gehalt. Und Mel Gibson streicht für den Part in seinem neuen Film "The Patriot" gar 25 Mill. $ Gage ein. Das sind Summen, die mittlerweile fast schon zur Tagesordnung in Hollywoods Money-Industrie Nummer eins, der Filmbranche, gehören.

Dabei erzählen die Honorare der so genannten "A-Liste" nur die halbe Wahrheit. Die zweistelligen Millionenbeträge erhalten die Stars dafür, dass sie überhaupt zusagen und die Rolle übernehmen - sozusagen als Antrittsgeld. Was die meisten Fans nicht wissen: Die wahren Profite streichen die Leinwandhelden später ein.

Das amerikanische Branchenmagazin "E-Online" veröffentlichte jetzt die Tricks und Kniffe, wie die Agenten von Carrey, Hanks und Co. Verdienstsummen herausschlagen, die die Filmgehälter noch um ein Vielfaches übertreffen.

Die Zauberworte für jeden Mimen in den USA heißen "Gross Participation". Dahinter verbirgt sich eine Klausel im Vertrag, die den Schauspielern eine Gewinnbeteiligung am Film garantiert. "Die Höhe des Prozentsatzes", so Richard Natale von E-Online, "hängt vom Bekanntheistgrad des Stars ab". Normalerweise beläuft sich die "Gross Participation" zwischen 10 und 20 Prozent.

Zuzüglich der Gewinnbeteiligung kassieren die ganz pfiffigen Künstler weitere Anteile aus den Profiten der internationalen Filmverkäufe und der Video- und DVD- Deals. Erscheinen sie dann auch noch als Produzenten des Films - Tom Cruise, Bruce Willis und John Travolta wenden diesen Marketing- trick besonders gerne an - klingelt die Kasse erneut.

Um auch den letzten Cent aus einer im Durchschnitt dreimonatigen Produktion herauszuquetschen, lassen Altmeister wie Jack Nicholson in ihren Vertrag mit dem jeweiligen Studio oftmals auch hereinschreiben, dass sie an den Gewinnen des Merchandising beteiligt werden. Dabei entstehen wiederum Gewinne, die bei erfolgreichen Produktionen wie "Batman" die zunächst ausgehandelte Gage deutlich übertreffen.

Als Spitzenreiter rangiert derzeit "Sonnyboy" Tom Cruise auf der Verdienstliste. Sein aktueller Kinoknaller "MI:2" hat nach nur zehn Tagen in den US-Kinos mehr als 150 Mill. $ eingespielt. Experten schätzen, dass Cruise bisher rund 65 Mill. $ allein mit dem Film verdient hat. Auf Platz zwei ist Bruce Willis zu finden, dessen Film "The Sixth Sense" ihm bisher rund 50 Mill. $ einbrachte. Das Videogeschäft für diesen Streifen verlief zwar langsam an, dafür aber bisher "ungewöhnlich erfolgreich", so die Einschätzung von Branchenkenner Natale.

Dritter in der Money-Liste ist Adam Sandler. Der Komiker gilt in Hollywood als besonders geschickt, wenn es um Vertragsverhandlungen für Filmproduktionen geht. Für den Film "Little Nicky" verzichtete Sandler sogar auf sein gewöhnlich zweistelliges Millionenhonorar und erhöhte dafür die Gewinnbeteiligung. Der kleine Trick brachte ihm mehr Geld ein - bisher 30 Mill. $ - als er mit einer höheren Gage hätte jemals verdienen können.

Sandler ist nicht der einzige Schauspieler, der die Investment- Klaviatur in Hollywood gekonnt spielt. Jim Carrey war so angetan von der Hauptrolle für den Film "The Truman Show", dass sich der 20-Millionen-Dollar-Mann zunächst mit einer wesentlich geringeren Gage zufrieden gab. Der Streifen wurde ein Erfolg und Carrey verdiente dank "Gross Participation" mehr als 30 Mill. $ Dollar mit der "Truman Show". Dabei ist zu beachten, dass es sich jeweils um vorläufige Verdienstangaben handelt. Oftmals läuft das Video- und DVD-Geschaft schleppend an und spült erst spät weitere Dollar-Millionen in die Kassen der Movie-Stars.

Die Gehaltsspielereien der Filmgrößen können manchmal übrigens auch nach hinten losgehen. Ein Debakel erlebt derzeit John Travolta. Für die Hauptrolle in dem Film "Battlefield Earth" verzichtete er ganz auf seine Grundgage von 20 Mill. $, damit der Streifen überhaupt produziert werden konnte. Dafür sollte Travolta eine Gewinnbeteiligung von 25 % erhalten, vorausgesetzt der Film würde 50 Mill. $ an den Kinokassen umsetzen. "Battlefield" setzte bisher weniger als die Hälfte der anvisierten Summe um, Travolta steht mit leeren Händen da. Für den als "Workaholic" bekannten Travolta war der Misserfolg allerdings kaum der Rede wert. Der ehemalige Saturday-Night-Fever-Star produziert durchschnittlich sechs Filme im Jahr. Bei 20 Mill. $ pro Film macht das ein Brutto-Salär von 120 Mill. $. "Damit", so Kritiker Natale, "lässt es sich selbst in Los Angeles recht angenehm leben."

Die Mega-Gagen haben übrigens auch einen großen Nachteil für die Kinofans. Einen Film, der Tom Cruise zusammen mit Julia Roberts in den Hauptrollen zeigt, wird es nach Schätzungen vom Branchenblatt "Daily Variety" in absehbarer Zeit nicht geben. Allein die Grundgehälter von jeweils 20 Mill. $ würden das gesamte Budget der meisten Kinoproduktionen sprengen.

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