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13.03.2003

09:31 Uhr

Datendienstleister geht aus der Branchenkrise gestärkt hervor

Equant hat das Schlimmste überstanden

VonKatharina Slodczyk

Die Pleitewelle auf dem Telekommarkt hat Equant überlebt. Nach Ansicht von Experten hat die Tochter der France Télécom bessere Chancen auf dem Weltmarkt als die Konkurrenten.

HANNOVER. Es klingt verwegen, wenn ein Unternehmen einen satten Millionenverlust schön redet. Equant, die niederländische Datendienst-Tochter der France Télécom, hat damit aber kein Problem. Knapp 600 Mill. Euro Verlust bei einem Umsatz von 3 Mrd. Euro musste das Unternehmen im vergangenen Jahr verkraften. Dennoch: "Wir hatten ein gutes Jahr 2002, denn wir haben eine bessere Strategie als unsere Konkurrenten, sagte Equant-Chef Didier Delepine dem Handelsblatt, "und wir haben schließlich überlebt". Das allein ist schon eine Leistung in seiner Branche. Das Unternehmen wickelt den Telefon- und Datenverkehr für Großkunden ab.

Kein anderes Segment hat ähnlich stark unter der Krise in der Telekommunikationsbranche in den vergangenen Jahren gelitten - mit drastischen Folgen: Unternehmen wie Worldcom, Global Crossing und XO Communications haben Insolvenz angemeldet. "Das Wort Schlachtfeld ist nirgendwo passender als in dem Bereich", schreiben auch die Marktforscher von Gartner in einer Studie.

Das Schlimmste sei inzwischen vorbei, sagt Delepine. Mit Prognosen für das laufende Jahr hält er sich dennoch zurück. "Wir haben jetzt bestenfalls eine Stabilisierung." Von einem Aufschwung sei man noch meilenweit entfernt.

Equant hat nach Ansicht von Experten aber die besten Karten, auch diese Durststrecke zu überleben und weiter zu wachsen. Einfach wird es nicht, denn die Konsolidierung in dem Markt mit Unternehmen wie Colt Telecom, BT Ignite, EDS und Infonet wird weitergehen, soviel steht für Branchenkenner fest. In einem jüngst erschienen Bericht des US Yankee Group-Marktforschungsinstuts bekommt Equant aber Bestnoten für Produkte, technische Kompetenz und vor allem für die finanzielle Lebensfähigkeit. Damit schneidet das niederländische Unternehmen mit französischer Mutter weit besser ab als Konkurrenten wie Colt Telecom, Infonet und AT &T.

Die großen Unterschiede zu den Wettbewerbern: Equant ist schuldenfrei. Das Unternehmen hat zudem nicht einfach Glasfasernetze verlegt - in der Hoffnung, dass die Kunden dann schon kommen werden. "Nein, wir haben dann investiert, wenn es notwendig war und wir eine Kundenbasis hatten. Wer meint, das ginge auch in einer anderen Reihenfolge, der träumt", erzählt Delepine. Hauptsächlich hat Equant daher in Rechner und Router investiert, die die Datenpakete der Kunden um die Welt dirigieren. Glasfaserkapazitäten mietet das Unternehmen in der Regel. Heute transportiert Equant den Datenverkehr seiner Geschäftskunden in fast jedem Land der Erde.

Es ist diese enorme Reichweite der Infrastruktur, die Yankee-Analysten als die größte Stärke des Unternehmens betrachten. Equant hat Mitarbeiter in fast 150 Ländern, die auch kurzfristig die Bedürfnisse ihrer Kunden wie Coca-Cola, Interpol und Morgan Stanley erfüllen. Das macht den Equant-Service aber auch teurer - 10 bis 15 %, schätzen Marktbeobachter.

Trotz aller Stärken - Equant hat noch einige Hausaufgaben zu erledigen: Seit längerem versucht das Unternehmen, das weltweit 10 000 Mitarbeiter beschäftigt und operativ mehr als 180 Mill. Euro an Gewinn erwirtschaftet, seine Position in dem wichtigen Markt USA auszubauen. Daher arbeitet Delepine auch die meiste Zeit in Atlanta, und nicht im Stammsitz Amsterdam. Das Geschäft jenseits des Atlantiks soll mittelfristig 40 % zum Umsatz beitragen, jetzt sind es etwas mehr als 25 %. Doch so recht geht es nicht voran. Einer der Gründe: "Worldcom hat einen Preiskrieg angezettelt, so dass nicht nur die Preise für Bandbreite sinken, was gut ist für uns, sondern auch die Preise für die Services, das ist weniger gut."

Ein Teil des US-Umsatzes von Equant kommt aus einer Kooperation mit Sprint, die eigentlich in diesem Jahr auslaufen sollte. Sprint versucht bereits seit längerem, die gemeinsamen Kunden auf seine Seite zu ziehen. Doch Delepine gibt sich zuversichtlich, dies verhindern zu können: "Wir werden die Kooperation weiter fortsetzen. Sprint hat nicht die Reichweite, um die Bedürfnisse der Kunden ganz allein zu befriedigen."

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