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03.01.2011

09:14 Uhr

Datenwolke

Aufbruch in ein neues IT-Zeitalter

VonMathias Peer

Computerexperten erhoffen sich von der Cloud eine Revolution der Wirtschaft. Private Rechenzentren werden verschwinden, stattdessen soll IT so selbstverständlich wie Strom aus der Steckdose kommen. Wissenschaftler und Unternehmen bilden nun Forschungsverbünde, um voran zu kommen.

Visualisierung der Cloud auf einer Messe: Die digitale Welt erlebt ihre industrielle Revolution. ap

Visualisierung der Cloud auf einer Messe: Die digitale Welt erlebt ihre industrielle Revolution.

DÜSSELDORF. Wenn Nicholas Carr über die Zukunft der IT spricht, beginnt er weit in der Vergangenheit. Cloud Computing ist der Beginn eines neuen Zeitalters und wird die Wirtschaft im nächsten Jahrzehnt revolutionieren - da ist sich Carr sicher. "Doch um zu verstehen, was diese radikalen Veränderungen bewirken werden, lohnt es sich, über 100 Jahre zurückzublicken", sagte der Buchautor auf einer Konferenz des Internetkonzerns Google im vergangenen Herbst.

Es ist eine fast vergessene Welt, die der hagere Mann den versammelten IT-Managern auf der Leinwand präsentiert: Das Jahr 1850 in der Kleinstadt Troy des US-Bundesstaats New York. Der Ingenieur Henry Burden baut damals ein gigantisches Wasserrad, um seine Stahlfabrik mit Energie zu versorgen. "Ein Meisterwerk der Technik", sagt Carr. "Aber nach ein paar Jahrzehnten war es vollkommen nutzlos." Als große Anbieter zu Beginn des 20. Jahrhunderts ein umfassendes Stromnetz aufbauen und Fabriken mit Elektrizität versorgen, ist es plötzlich nicht mehr notwendig, dass jeder Betrieb seine Energie selbst produziert.

Carrs These: Auch die Informationstechnologie wird diese Entwicklung erleben. Private Rechenzentren, die Unternehmen mit viel Aufwand separat betreiben, werden verschwinden. Stattdessen wandern Speicherplatz, Rechenleistung und Softwaredienste vollständig ins Internet. Die digitale Welt erlebt ihre industrielle Revolution, IT kommt so selbstverständlich wie Strom aus der Steckdose und die Cloud wird zum Supercomputer, der die ganze Welt versorgt.

Das Zukunftsszenario verspricht enorme Effizienzsteigerungen und ungeahnte Flexibilität im künftigen Wirtschaftsleben. Noch allerdings liegt diese Vision in weiter Ferne: "Cloud Computing steckt heute in den Kinderschuhen", sagt Alan Priestley, Marketingmanager beim Chiphersteller Intel. "Es sind noch große Herausforderungen zu bewältigen, wenn es um Themen wie Sicherheit, Automatisierung und einheitliche Standards geht."

Wie die IT-Wolke der Zukunft aussehen wird, ist immer noch reichlich nebulös. Viele Fragen sind ungeklärt, der Forschungsbedarf ist groß. Mehr als 70 Konzerne haben sich im Oktober daher zur Allianz "Open Data Center" zusammengeschlossen. Ziel ist es, die Anforderungen unterschiedlicher Branchen an die Cloud-Lösungen von morgen zu formulieren.

Gründungsmitglieder sind unter anderem BMW, die Deutsche Bank, der Telekommunikationsriese AT&T und der Ölkonzern Shell. Zusammen geben die Unternehmen jährlich für ihre IT rund 50 Milliarden Dollar aus. "Es ist das erste Mal, dass sich ein Konsortium aus globalen IT-Managern zusammengeschlossen hat, um die Cloud-Umgebungen der Zukunft zu entwickeln", sagte Mario Müller, Leiter IT-Infrastruktur bei BMW, bei der Vorstellung des Projekts im Genfer Kernforschungszentrum Cern.

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