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24.01.2008

15:37 Uhr

Davos

Googeln für eine grüne Welt

VonJens Koenen

Der Suchmaschinen-Riese investiert in alternative Energie und findet den Beifall des ehemaligen US-Vizepräsidenten Al Gore.

HB DAVOS. Entspannt sitzen Larry Page und Sergey Brin auf dem Sofa im Konferenzraum des Hotel Sunstar Park. Greifen sie zum Mikrofon, ist höchste Konzentration angesagt. Nur leise nuschelnd geben die beiden ihre Sätze an Verstärker und Boxen weiter. Es soll eben ein lockerer Sofa-Plausch sein, so wie die beiden Google-Gründer ihn seit längerem am Rande des Davoser Elitetreffs pflegen.

Dabei ist das Thema nicht minder brisant, als die jener durchgestylten Diskussionen und Präsentationen im etwas zwei Kilometer entfernten Congress-Center. Es geht um eine grüne Welt, um alternative Energien und den Klimawandel. "Wir können die Welt nicht sofort fundamental ändern, aber wir können Ideen und Start-Ups fördern", sagt Page in einem Ton, als müsse er sich für diese Aussage schämen.

Dabei ist das, was er und Brin vorhaben, sehr ambitioniert. Satte 25 Millionen Dollar will Google.org, der philantropische Arm des Suchmaschinen-Riesen, in den nächsten Jahren gezielt für Projekte ausgeben, die unseren blauen Planeten lebenswerter machen sollen. Die Palette reicht von der Förderung kleiner Unternehmen über alternative Antriebstechniken und die Gesundheitsvorsorge bis zur Energie. Zehn Millionen hat das Unternehmen bereits in die kalifornische Solarfirma eSolar investiert. Und weitere Millionen sollen in die gezielte Entwicklung in umweltfreundliche Energieträger fließen.

Kein Wunder, dass derlei Ideen bei den etablierten Energieriesen für eine gewisse Aufmerksamkeit sorgen. Schließlich hat Google vor allem zwei Stärken: viel Geld und Erfahrung, neue Technologien in den Markt zu bringen. "Längst nicht alle Energiekonzerne lehnen solche Ideen ab. Wir waren überrascht, wie viel zum Beispiel BP auf diesem Gebiet forscht", sagt Brin.

Doch das reicht einem im Saal ü-berhaupt nicht: dem ehemaligen US-Vizepräsidenten Al Gore. Der greift energisch zum Mikrofon und wirbt mit eindrucksvollen Worten um eine radikale Kehrtwende beim Klimawandel. Jahrelang habe die Industrie diesen mit milliardenschweren Marketingkam-pagnen klein geredet. "Wir müssen endlich eine eigene Kampagne starten. Es wird höchste Zeit", mahnt Gore eindringlich.

Und bekommt dafür jede Menge Beifall, und auch die eine oder andere Anregung. Den Menschen falle es angesichts der isolierten Themen wie Klimawandel, Seuchengefahr oder Gesundheitssystem schwer, das große Gesamtbild zu sehen, klagt etwa eine Architektin aus den Staaten. "Google hätte mit seiner Suchmaschine und den Daten die Möglichkeit, das zu ändern", ruft sie Brin und Page zu. Die ziehen etwas überrascht ihre Augenbrauen hoch. "Stimmt, so etwas haben wir noch noch", antwortet Brin nachdenklich.

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