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29.01.2005

11:50 Uhr

Davos schwankt zwischen Hoffen und Bangen

HP-Chefin Fiorina fordert Investitionen

VonHermann Josef Knipper (Handelsblatt)

Die Aussichten der Weltwirtschaft für das laufende Jahr sind gut. Nicht exzellent, aber auch nicht schlecht: Reformen in Europa, die mögliche Annäherung in der Welthandelsrunde, eine nicht zu erwartende Zuspitzung der Rohstoff- und Währungskrise sowie das Versprechen der neuen US-Regierung, das dramatische Etatdefizit konjunkturschonend zu halbieren, gelten als Hinweise darauf, dass sich das Wachstum allenfalls abflacht.

HP-Chefin Carly Fiorina

HP-Chefin Carly Fiorina

DAVOS. Ein Einbrechen ist jedoch nicht zu erwarten. Zu diesem Ergebnis kam eine Davoser Expertenrunde. Carly Fiorina, strahlende Chefin des US-Computerkonzerns Hewlett-Packard (HP), versuchte an diesem eisig-sonnigen Samstagmorgen in den Schweizer Alpen alles, um die Herren auf dem Podium "Keeping the Global Economy Growing" mit ihrem Optimismus für die Weltwirtschaft anzustecken: "Der Optimismus kehrt in die Wirtschaft zurück. Die Phase der bloßen Kostenreduzierungen ist vorbei. Jetzt geht es wieder darum, dass sich die Vorstände der Unternehmen den Themen Innovation, Investition und Wachstum zuwenden." Diese Trendwende sei nicht nur bei HP zu spüren, sondern nach vielen Gesprächen am Rande des Weltwirtschaftsforums (WEF) in Davos habe sie das Gefühl, dass auch viele andere Top-Manager von Bremsen auf Wachsen umgestellt hätten.

Nach langem Überlegen fiel Frau Fiorina nur ein Bereich ein, der sie nervt: Die neuen US-Kapitalmarktregeln (Sarbanes-Oxley-Act), die für mehr Transparenz in den amerikanischen Unternehmen führen und Betrugsfälle wie die Bilanzmanipulationen bei Worldcom und Enron verhindern sollen. Fiorina: "Die Gesetze waren nötig, aber der Aufwand ist sehr groß. Die Zeit, die ich heute mit Anwälten und Bilanzexperten verbringe, ist im Vergleich zu früher deutlich länger. Und die fehlt natürlich für die Wachstumsthemen. Aber diesen Aufwand müssen wir als Konzern leisten. Für kleinere Unternehmen ist der Aufwand aber viel größer, und da müsste man wohl noch Moderationen vornehmen."

Trichet prognostiziert kaum verändertes Wachstumstempo

Von den neben Fiorina versammelten Herren kam hingegen wenig Neues und Aufschlussreiches zur weltwirtschaftlichen Perspektive. Der Präsident der Europäischen Zentralbank (EZB), Jean-Claude Trichet, etwa ist zuversichtlich, dass in Europa, USA und Asien das Wachstumstempo kaum verändert fortdauern wird. Dafür sorgten schon die niedrigen Zinsen. Er wiederholte seine Bemerkung, dass er vor allem die von der Dollarschwäche provozierte Euro-Stärke und die geopolitischen Risiken für ein Wachstumshemmnis halte.

Verhalten optimistisch gab sich der japanische Arbeitgeberchef Kakutaro Kitashiro, der 1,5 Prozent Wachstum in Japan voraussagte. Seine Regierung forderte er auf, der Privatwirtschaft zu folgen und das Reformtempo zu steigern. "Japan hat die Chance, wieder zu einer der Lokomotiven der Weltwirtschaft zu werden. Aber im Moment stehen wir am Scheideweg: Entweder wir schwenken auf den Wachstumskurs ein, oder wir fallen in die alte Deflationsproblematik zurück." Ähnlich wie Trichet mahnte er die USA, den Dollar-Verfall aufzuhalten.

Wenig Erhellendes trug der neue US-Vizeaußenminister Robert Zoellick zur Klärung der Konjunkturperspektive bei. Das Thema Wechselkurse sparte er aus, beim Thema Etatdefizit wiederholte er das Versprechen der Bush-Regierung, in dieser Legislaturperiode zu einer Halbierung zu kommen. Steuererhöhungen schloss er mit Hinweis auf die damit verbundenen Rezessionsgefahren aus.

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