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24.01.2003

17:10 Uhr

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Davos-Tagebuch (2): Irak, Irak, Irak...

VonHermann-Josef Knipper , Handelsblatt

Der Irak-Konflikt, so betonten in den letzten Wochen die Veranstalter des WEF in Davos immer wieder, solle auf dem Treffen prominenter Politiker und Unternehmenschefs in den Schweizer Bergen keine Rolle spielen. Erst am Ende, also am kommenden Dienstag, so der gestern verkündete Plan, werde die irakische Opposition ein paar Minuten referieren...

Man musste kein Prophet sein, um zu erahnen, dass der Irak dann doch fast sämtliche Diskussionen des ersten Tages dominieren würde. Eine britische Moderatorin, die eine Debatte über das Öl als Konfliktpotenzial leitete, brachte es heute beim Mittagessen auf den Punkt: "An allen Tischen ist versucht worden, nicht über den Irak zu reden, aber das ist überall nur maximal zwei Minuten gelungen..."

An meinem Tisch saß einer der Köpfe der US-Investmentbank Goldman Sachs, ein Regierungsmitglied des Golfstaats Bahrein und mehrere Mitglieder der neuen türkischen Regierung. Thema: Irak, Irak, Irak. Der Amerikaner meinte, die deutsch-französische Haltung mache eine friedliche Lösung schwieriger, da die Abschreckung nachlasse. Er ließ keinen Zweifel deran, dass es zum Krieg kommt und dass dieser für den Irak positive Konsequenzen haben werde. Der Araber betonte, er fühle sich von Saddam Hussein nicht bedroht. Und so lange nicht klar sei, ob der Irak tatsächlich Massenvernichtungs-Bomben habe, sei ein US-Einmarsch nicht gerechtfertigt. Es bestehe die Gefahr der Destabilisierung der ganzen Region.

Die Türken meinten, als Nachbarland fühlten sie sich sehr wohl durch Saddam Hussein bedroht, würden aber alles tun, um eine friedliche Lösung des Konflikts zu erreichen - eine spannende Debatte, die vor allem eines zeigte: Politik und Wirtschaft blicken weltweit gebannt und gelähmt auf diesen Konflikt, dessen Beendigung so oder so ein Segen für die Weltwirtschaft wäre. Hauptsache, die Zeit der ewigen Ungewissheit geht bald vorbei.

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