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17.01.2003

13:53 Uhr

Dax-Anstieg auf 4 000 Punkte denkbar

Anleger hoffen auf Rally nach Kriegsbeginn in Irak

Der seit Monaten auf die Börsenkurse drückende Irak-Konflikt hat den meisten Anlegern zwar herbe Verluste beschert, nicht aber ihre Hoffnung auf bessere Aktiengeschäfte genommen.

Reuters FRANKFURT. So klammern sie sich Experten zufolge an den Strohhalm, alles werde so kommen wie im Golf-Krieg 1991, als die Börse in Erwartung eines schnellen Erfolges der Alliierten mit starken Kursgewinnen auf den Kriegausbruch reagierte. Pessimisten warnen jedoch, die aktuelle Lage sei kaum mit der damaligen Operation "Wüstensturm" vergleichbar.

Börsianer hoffen auf einen möglichst kurzen Krieg

Einen Irak-Krieg erwarten mittlerweile fast alle Marktteilnehmer. Zumindest ein kurzer Krieg sei in den Aktienkursen und im hohen Ölpreis auch schon berücksichtigt, erklärt der Aktienstratege Roland Ziegler von der ING BHF-Bank. Sollte die kriegerische Auseinandersetzung schnell auf eine Übermacht der USA hindeuten, könne die bislang schlechte Stimmung im Markt drehen und einen kräftigen Kursaufschwung einleiten - genau so wie schon vor zwölf Jahren.

Am 17. Januar 1991, dem ersten Kriegstag, hatte der Deutsche Aktienindex (Dax) 7,5 Prozent auf 1 422 Zähler zugelegt. Bis Ende Februar war Deutschlands wichtigstes Börsenbarometer auf 1 600 Punkte geklettert und damit wieder auf das Niveau vor Ausbruch der Krise. Parallel ging der Ölpreis von einem Hoch von mehr als 41 Dollar pro Barrel (rund 159 Liter) im September 1990 auf unter 20 Dollar zurück. Allein am ersten Kriegstag fiel der Ölpreis um 35 Prozent oder fast elf Dollar je Fass.

Auslöser der Kursrally waren die Luftangriffe auf Irak, die rasch die militärische Überlegenheit der USA und ihrer Verbündeten demonstrierten und schließlich Ende Februar 1991 zu einem irakischen Rückzug aus Kuwait führten. In einem Blitzkrieg hatte der irakische Präsident Saddam Hussein das Emirat im August 1990 erobert.

Dax-Anstieg auf 4 000 Punkte denkbar

Mangels anderer Vergleiche hoffen die Anleger nun, dass sich die Geschichte wiederholt. "Eine Garantie gibt es aber natürlich nicht", warnt Aktienstratege Ziegler. Zudem sei die Ausgangslage eine andere als 1991. Deutschland befinde sich derzeit wirtschaftlich am Rande einer Rezession, während es Anfang der neunziger Jahre noch einen vereinigungsbedingten Boom erlebt habe. Auch politisch könne man die beiden Situationen nur bedingt vergleichen, sagt die Strategin Gertrud Traud von der Bankgesellschaft Berlin. "Das ist schon eine bisschen andere Geschichte. Damals ging es um Kuwait, heute um Bagdad, also die Absetzung Saddam Husseins."

Trotz dieser Bedenken positionieren sich Fondsmanager schon für einen Aufschwung. "Es bringt nicht viel, jetzt defensiv aufgestellt zu sein", sagt Jean-Claude Wolferstätter von der Fondsgesellschaft Activest, der wie andere Börsianer auch eine schnelle Kursrally in Richtung 4 000 Punkte für möglich hält. Aktuell notiert der Dax bei rund 3 050 Zählern. Im Vergleich zu Anleihen sollten Aktien übergewichtet werden, rät Wolferstätter.

Schlimmster Fall: Ein langer Krieg mit ungewissem Ausgang

Wie der Teufel das Weihwasser fürchten Börsianer indes das Szenario einer langwierigen kriegerischen Auseinandersetzung in Irak. "Bei einem langen Krieg wird im Markt Panik aufkommen - die Kurse werden fallen und die Schwankungsbreiten als Zeichen der Unsicherheit deutlich zunehmen", prognostiziert Ingo Nix, Aktienhändler bei UBS Private Banking. Ein Abrutschen des Dax auf 2 500 Punkte sei in diesem Fall nicht auszuschließen, sagen viele Börsianer. Allerdings wird diesem Szenario im Markt eine Wahrscheinlichkeit von nicht mehr als zehn Prozent eingeräumt.

Ein langer Krieg würde den Ölpreis in Richtung 40 Dollar von jetzt knapp über 30 Dollar treiben, meint die Aktienstrategin Traud. "Das würde die Investitions- und Konsumzurückhaltung weiter verstärken. Und alle großen Rezessionen nach dem 2. Weltkrieg waren bisher Resultate von Ölkrisen."

Zudem fürchten Konjunkturforscher eine weitere Aufwertung des Euro zum Dollar. Dieser hatte zuletzt den höchsten Stand seit Ende 1999 erklommen. Eine weitere Euro-Aufwertung werde aber die Exportwirtschaft - die Stütze der deutschen Konjunktur - belasten, erklärt Gustav Horn vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung.

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