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27.01.2005

17:20 Uhr

Debatte über die Verantwortung der Unternehmen

Wie sozial muss ein Unternehmen sein?

VonJoachim Dorfs (Handelsblatt)

Über die Aufgaben und das Ausmaß sozialer Verantwortung von Unternehmen stritten am Donnerstag beim Davoser Weltwirtschaftsforum Vertreter von Firmen und Nicht-Regierungsorganisationen (NGOs).

DAVOS. Unternehmensführer wie Ian E.L.Davis, Managing Director der Unternehmensberatung McKinsey, warnten davor, Unternehmen mit zu vielen Aufgaben zu belasten. Demgegenüber plädierte etwa die Chefin von amnesty international, Irene Khan, gemeinsam mit anderen Repräsentanten der NGOs für mehr sozialen Einsatz der Unternehmen und forderte insbesondere für Firmen, die in der Dritten Welt aktiv sind, die Einführung verbindlicher gesetzlicher Regeln. Derzeit gibt es lediglich freiwillige Vereinbarungen wie etwa den Global Compact der Uno, in dem sich über 1 000 Unternehmen weltweit zu ethischem und langfristigem Handeln verpflichtet haben. "Der Global Compact kann nur der Anfang sein", findet hingegen Khan. "Was wir brauchen, sind für alle Unternehmen gleiche und verbindliche Regeln".

"Die eigentliche Aufgabe von Unternehmen ist es, Produkte und Dienstleistungen bereitzustellen. Wenn sie dies gut tun und den Test bei Konsumenten und Regulierungsbehörden bestehen, dienen sie offensichtlich am besten dem öffentlichen Interesse", glaubt hingegen Ian Davis. Die Aktionäre ließ Davis in dieser Aufzählung bewusst aus. "Angesichts von Anteilseignern, die alle drei Monate wechseln, muss man die Shareholder-Value-Debatte neu führen", forderte er.

Khan und Davis stehen prototypisch für die beiden Positionen in der Debatte über die so genannte Corporate Social Responsibility (CSR), die vor allem in angelsächsischen Ländern seit Jahren engagiert geführt wird. Auf immer größere Anforderungen von Öffentlichkeit und Nicht-Regierungsorganisationen haben viele Unternehmen bereits die Stelle des "CSR Officer" geschaffen, der die besonders gesellschaftsrelevanten Aktivitäten eines Unternehmens steuert. Auch in deutschen Konzernen gewinnt das Thema an Bedeutung. Das World Economic Forum reagiert auf diese Debatte - auch mangels anderer großer Unternehmensthemen in diesem Jahr - mit einer Reihe von Veranstaltungen, zumal Klaus Schwab, der Gründer des World Economic Forums, eine eigene Stiftung zur Förderung "Sozialen Unternehmertums" betreibt.

BP-Chef Lord Browne of Madingley sieht die Unternehmen vor allem in einer Beziehung in der Pflicht: "Wir müssen besser erklären, was wir tun. Viele von uns sind noch nicht wirklich gut darin", bemängelt er fehlende Transparenz der Unternehmen. Rhakesh Khurane, Professor der Havard Business School, sieht es damit nicht getan. "Ein Unternehmen muss alles daran setzen, dass sein Handeln auch öffentlich als legitim betrachtet wird". Gelinge das nicht, wie etwa im Beispiel des US-Wirtschaftsprüfers Arthur Andersen, werde innerhalb von Wochen vernichtet, was zuvor in Jahrzehnten aufgebaut worden sei.

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