Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

10.07.2000

19:00 Uhr

Debatte über Pleitekandidaten beunruhigt Anleger – Analysten sehen Chancen

Turbulenzen am Neuen Markt

Spekulationen über Fusionen und Pleitekandidaten haben bei Internetaktien am Neuen Markt zu Kursturbulenzen geführt. Die Vielzahl an negativen Nachrichten deuten Experten doch bereits als Einstiegssignal.

lip/mm/som/tjw DÜSSELDORF. Internetaktien halten den Neuen Markt in Bewegung. Anlass sind Spekulationen, dass noch in diesem Jahr etliche Internetfirmen Konkurs anmelden müssen, weil ihnen das Kapital ausgeht.



Inzwischen gewinnen Analysten der immer offener geführten Debatte um Pleitekandidaten aber schon positive Seiten ab: "Seit langem ist bekannt, dass einige Unternehmen große Probleme haben. Jetzt sind alle negativen Nachrichten im Markt. Die Börse wird bald wieder nach oben drehen", ist sich West-LB-Stratege Martin Sowa sicher.



BHF-Internetspezialist André Jäckel sieht den Markt mehr denn je gezwungen, die guten und auf Dauer Geld verdienenden Firmen zu erkennen. "Nur 3 % bis 5 % der Internetunternehmen sind gut", urteilt Jäckel. Nach Meinung vieler Experten ist jetzt die Zeit gekommen, selektiv in Wachstumstitel zu investieren. "Je früher ein Unternehmen schwarze Zahlen schreibt, desto größer ist das Vertrauen der Investoren", rät Merck & Finck-Spezialist Oliver Graf Wrangel.



Bei den von Konkursgerüchten betroffenen Unternehmen bestreiten einige vehement Probleme, andere führen bereits Übernahmeverhandlungen. So könnten akute Liquiditätsprobleme den Vorstand des Internetanbieters Gigabell zum Verkauf des Unternehmens zwingen. Derzeit liefen Gespräche mit Interessenten aus Italien, den USA , Frankreich und Schweden, sagte Gigabell-Vorstandschef Daniel David. Zuletzt wurden vor allem die italienische Tiscali und die schwedische Telia als mögliche Kandidaten für eine Übernahme von Gigabell genannt. "Die Liquiditätslage ist stark angespannt, in den nächsten Wochen und Monaten könnte es zu Problemen kommen", räumte der Gigabell-Vorstandschef ein. Vom Bankhaus Trinkaus & Burkhardt und der DG Bank, die Gigabell an die Börse geführt haben, erwartet David keine Hilfe bei der Lösung der Liquiditätsprobleme. Heute will er in London mit institutionellen Anlegern über eine Kapitalerhöhung verhandeln.



Dagegen wiesen Unternehmenssprecher von Buch.de und des Internet-Auktionshauses Ricardo.de Spekulationen über finanzielle Engpässe zurück. "Wir verfügen über eine solide Liquidität", erklärte ein Ricardo-Sprecher. Buch.de-Vorstand Michael Urban sieht sein Unternehmen durch Kooperation mit der Douglas-Buchhandels-Tochter Phönix-Montanus gut gerüstet.



Analysten halten Befürchtungen über Liquiditätsprobleme bei den beiden Unternehmen für übertrieben. Als Marktführer in Europa könne sich Ricardo problemlos frisches Kapital an der Börse besorgen, da es über ein attraktives Geschäftsmodell verfüge.



Massiv unter Druck geriet auch der Kurs des Frankfurter Online-Kunstauktionators Artnet.com. Die Notierung brach in Frankfurt um rund 13 % auf gut vier Euro ein. Anfang des Jahres lag der Kurs noch bei 30 Euro. Das Unternehmen erklärte, die vorhandenen Mittel reichten noch bis Jahresende. Maja Brauer vom Frankfurter Wertpapier-Handelshaus Hornblower Fischer hegt hingegen Zweifel. Sie sieht für den Wert "kein Land in Sicht".

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×