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23.01.2003

14:52 Uhr

Debüt des vierten Schiedsrichters

Kampf um Titel und Existenzen

Mit neuen Trends startet die Fußball-Bundesliga nach sechswöchiger Winterpause in die Zukunft. Neben Titel und Meisterschale steht in der am Samstag beginnenden zweiten Hälfte der Jubiläums-Saison der Kampf um Existenzen in der höchsten deutschen Fußball-Klasse im Vordergrund.

HB/dpa DÜSSELDORF. Bei sinkenden TV-Einnahmen fahren die 18 Vereine einen rigorosen Sparkurs, der nach Meinung von Clubchef Karl-Heinz Wildmoser (1860 München) bis zu 400 arbeitslose Profis zum Ende der Saison nach sich zieht. Mit der umstrittenen Einführung des vierten Schiedsrichters, der für Ruhe auf den Trainerbänken sorgen soll, erlebt die Liga im 40. Jahr ihres Bestehens zudem ein Novum.

Nach Meinung der Club-Verantwortlichen wird sich die Liga nach den 120 Tagen bis zum Meisterschaftsfinale gesund schrumpfen. Die Vereine kündigten eine Etatsenkung um bis zu 40 % an. "Die Stars werden weiter viel verdienen, aber die Mittelklasse wird Gehaltseinbußen bis zu 50 % hinnehmen müssen", sagte Karl-Heinz Rummenigge, Vorstandsvorsitzender des FC Bayern München. Die meisten Profis zeigen sich dabei einsichtig. In einer vom Fachmagazin "Kicker" unter den Erstligaspielern durchgeführten Umfrage stimmten über 50 % der Profis Einkommens-Einbußen zu.

Erste Anzeichen für die rigorosen Sparmaßnahmen zeigen sich auf dem Transfermarkt. Vorbei sind die Zeiten, als Stars wie Tomas Rosicky (Borussia Dortmund), Diego Placente oder Lucio (beide Bayer Leverkusen) im "Winterschlussverkauf" für viel Geld verpflichtet wurden. Investierten die Vereine in den beiden letzten Wintern noch 45 Mill. ? (2001) bzw. 25 Mill. ? (2002), blieben diesmal in der zweiten Transferperiode der Spielzeit die Ausgaben unter der Zehn-Millionen-Grenze. Lediglich der VfL Wolfsburg (Pablo Thiam, Pablo Quatrocchi) und der Hamburger SV (Naohiro Takahara) sorgten bisher für Schwung an der Wechselbörse, die noch bis zum 31. Januar geöffnet ist.

Trotz Etatsenkung und Gehaltseinbußen glauben viele Verantwortliche, dass insgesamt auf einem viel zu hohen Niveau gejammert wird. "Die Bundesliga ist ein ungebrochen starkes Produkt", betonte Bayer Leverkusens Finanzchef Wolfgang Holzhäuser. Auch Franz Beckenbauer sagt: "Die Finanzkrise ist doch eine Chance des Neuaufbaus." Bayern-Manager Uli Hoeneß meint, dass die WM 2006 im eigenen Lande ein großes Zugpferd sei: "Darauf müssen wir aufbauen."

Umstritten bleibt die Einführung des vierten Schiedsrichters. Viele Trainer halten das Pilotprojekt mit einem "Aufpasser" für die Trainer für überflüssig. "Die Einführung ist absolut lächerlich und reine Geldverschwendung", sagte Peter Neururer, Coach des VfL Bochum. Auch Bayern-Trainer Ottmar Hitzfeld steht dem 220 000 ? teuren Experiment eher skeptisch gegenüber. "Was der vierte Mann wert ist, kommt auf die Kommunikation an, die sich entwickelt. Man sollte die Kontrolle nicht übertreiben", meinte der Münchner Fußball-Lehrer.

Sportlich bleibt das Team des Rekordmeisters das Maß aller Dinge. Trotz oder gerade wegen des frühzeitigen K.o. in der Champions League, wo nur noch Borussia Dortmund und Bayer Leverkusen vertreten sind, gilt Tabellenführer FC Bayern München als Top-Anwärter auf den Gewinn des 18. Meistertitels. In einer dpa-Umfrage tippten zwölf Trainer auf das Starensemble von der Isar als Meisterschaftsfavorit. "Damit können wir die Saison noch retten", sagte Hitzfeld nach der Schmach auf internationalem Parkett. Für Titelverteidiger Borussia Dortmund, mit sechs Punkten Rückstand erster Bayern-Verfolger, ist das Rennen noch nicht gelaufen. "Die Bayern sind noch lange nicht durch", sagte BVB-Chef Gerd Niebaum und kündigte der Konkurrenz ein spannendes Bundesliga-Finale an.

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