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09.01.2003

15:00 Uhr

Als Verbraucher freuen wir uns darüber. Andererseits leiden viele Firmen unter dem Preisverfall. Schlimmer noch: Was geschieht, wenn alles immer billiger wird und keiner kauft es? Denn droht Deflation, das Gegenteil von Inflation, dann droht eine wirklich dramatische Wirtschaftskrise. Und das erleben die Japaner seit einigen Jahren, nachdem dort die Immobilien- und Aktienmärkte kollabierten. Die Anfänge deflationärer Tendenzen möchte ich mit einem realen Beispiel skizzieren.

Ein wohlhabender Frankfurter Banker beschließt, die letzte Lebensetappe in seiner Lieblingsregion zu verbringen: Es zieht ihn an die Nordsee; möglichst nah an Wind und Wellen, mit Blick auf Schiffe und Leuchttürme. Etwa drei Jahre lang analysiert er den Immobilienmarkt in Nordfriesland, besichtigt zahlreiche Objekte und muss feststellen, dass Häuser in der von ihm bevorzugten Wohnlage überhaupt nicht an den offiziellen Markt kommen.

Das Bild wandelt sich etwa seit Herbst 2001: Immer häufiger bieten ihm Makler attraktive Objekte an, der Banker hat die Qual der Wahl. Und die Anbieter sind zunehmend zu Preiszugeständnissen bereit. Vor gut einem Jahr wird das Wunschhaus gefunden. Es sollte ursprünglich einmal weit mehr als 600 000 Euro kosten, dann in Etappen weniger (480 000) und steht zur Zeit mit nur noch 400 000 Euro zum Verkauf. Auch darüber könne man ja noch mal reden, signalisiert der frustrierte Makler. Mein Bekannter hat noch nicht zugeschlagen, will weiter warten, wohnt nach wie vor in Frankfurt am Main.

Das ist natürlich noch keine Deflation, im Gegensatz zu einigen Experten erwarte ich sie auch nicht. Sie können sich aber ausmalen, was der Wirtschaft drohen würde, wenn es einen derartigen Preis- verfall in allen Bereichen gäbe und sich die Käufer trotzdem zurückhielten.

Meine Empfehlung daher: Nutzen Sie die niedrigen Preise - schon heute!

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