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17.01.2002

00:00 Uhr

Demonstranten stürmen Banken

Gewaltsame Proteste gegen Sparpolitik

Tausende Argentinier haben in mehreren Städten erneut gewaltsam gegen die Sparpolitik der Regierung protestiert. Die aufgebrachten Demonstranten warfen am Dienstag Fensterscheiben von Bankgebäuden ein und demolierten Geldautomaten sowie das Inventar der Geldhäuser.

ap BUENOS AIRES. In Buenos Aires zogen tausende Arbeitslose vor das Arbeitsministerium und zum Präsidentenpalast, der von einem starken Polizeiaufgebot abgeriegelt wurde.

In der Stadt Casilda in der mittelargentinischen Provinz Santa Fe bewarfen etwa 7 000 Demonstranten die Bankgebäude zunächst mit Eiern. Als die Polizei Tränengas und Gummigeschosse einsetzte, legte die Menge Brände, zerschlug Fensterscheiben und zerstörte Geldautomaten. In San Salvador de Jujuy stürmten vermummte Jugendliche mehrere Bankfilialen und schleuderten Computer und Möbel auf die Straße. Die Gewalt eskalierte im Anschluss an eine Demonstration von rund 1 000 Arbeitern, die die Auszahlung ihrer noch ausstehenden Löhne forderten. Ähnliche Szenen spielten sich in der Stadt La Plata ab.

Präsident Eduardo Duhalde verteidigte unterdessen die bereits vor sechs Wochen vom damaligen Regierungschef Fernando de la Rua verfügten Beschränkungen bei der Auszahlung von Bankguthaben. Dies sei die einzige Möglichkeit, um das Bankensystem und die Erparnisse der Argentinier überhaupt zu retten, sagte der Präsident vor Journalisten. Die Finanzkrise und die sozialen Unruhen hätten Argentinien gelähmt und das Land an den Rand von Anarchie und Chaos geführt, erklärte Duhalde. Er versprach, die Finanzen bis zum Ende seiner Amtszeit im Jahr 2003 in Ordnung zu bringen.

Argentinier dürfen von ihren Bankkonten derzeit monatlich nur zwischen 1 200 und 1 500 Pesos (960 bis 1 200 Euro) abheben. Der Peso war nach zehnjähriger Eins-zu-eins-Bindung an den Dollar von der neuen Regierung abgewertet worden. Für den Außenhandel wurde ein Dollarkurs von 1,40 Peso festgelegt, ansonsten sank der Kurs auf 1,90 Peso. Duhalde kündigte an, die Währung innerhalb der kommenden fünf Monate ganz freizugeben.

"Ich habe mein Geld als Vorsichtsmaßnahme auf die Bank gebracht und nicht, um es von betrügerischen Politikern beschlagnahmen zu lassen, die uns in diese Krise eingebrockt haben", sagte der 36-jährige Zahnarzt Sergio Alcon in Buenos Aires.

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