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13.01.2003

13:40 Uhr

Der 42-Jährige ist neuer Partner der Düsseldorfer Werbeagentur BBDO

Für ihn gibt es nur up oder out

VonDaniel Goffart

Erst managte Matthias Machnig erfolgreich die Wahlkämpfe für Kanzler Schröder, jetzt arbeitet er als neuer Partner der Agentur BBDO. Der Wechsel von der Politik in die Wirtschaft fiel nicht schwer.

BERLIN. Er kennt die "Droge Politik" genau, jene Sucht nach Aufmerksamkeit und Einfluss, nach gleißendem Scheinwerferlicht und Blitzlichtgewitter. Hautnah konnte er über Jahre hinweg miterleben, wie der Rausch der Macht auf Männer und Frauen wirkt, sie formt und verändert. Die ständige Aufregung, der Kampf mit Medien und politischen Gegnern, das aufputschende Tempo bei der Terminjagd der Polit-Profis ist auch Matthias Machnig in Fleisch und Blut übergegangen. Über eine ganze Legislaturperiode zählte er zu jener Hand voll Verschworener, die den "inneren Kreis" der SPD und damit das Zentrum der Regierung bilden. Und jetzt soll einfach Schluss sein mit der Bühnenluft der großen Politik? Wie soll das gehen?

"Unter Entzugserscheinungen leide ich wirklich nicht", sagt der ehemalige SPD-Bundesgeschäftsführer und Wahlkampfmanager des Kanzlers heute. Aber er gibt offen zu, dass der abrupte Abgang nach der Bundestagswahl trotz aller Planung "für mich schon eine Vollbremsung war." Als Kampagnenführer von Gerhard Schröder tauchte er lange in allen Zeitungen und Funkstationen auf - Klappern gehörte eben zum Handwerk. In seiner künftigen Rolle als Unternehmensberater aber muss Machnig eher diskret vorgehen.

Was er an der neuen Branche schätzt, sind die "guten Umgangsformen" im Vergleich mit den "rauen Sitten" der Politik. "Das ist richtig wohltuend", meint Machnig. Die Wirtschaftsleute schätzen seinen Rat, man hat ihn gerufen und "hört auf mich".

Das war bei den Genossen nicht immer so. Als Chef der SPD-Wahlkampfzentrale "Kampa" fühlte er sich zum Schluss "als Blitzableiter" und "Sündenbock" missbraucht. Intrigen, lancierte Vorwürfe an die Presse und trotz des errungenen Wahlsieges mangelnde Anerkennung innerhalb der Partei haben Spuren der Enttäuschung bei dem überzeugten Sozialdemokraten hinterlassen. "Loyalität ist keine Einbahnstraße", erinnert sich Machnig in der Rückschau. "Ich war immer extrem loyal, habe das aber leider nicht genauso von der Partei erfahren." Da er nach dem ersten Wahlsieg 1998 unter Franz Müntefering bereits zum Staatssekretär im Bundesverkehrsministerium aufgestiegen war, hätte Machnig jetzt nur ein Ministerposten in einem Bundes- oder Landeskabinett in der Politik halten können. "Weil da aber nichts in Sicht kam, war für mich schon lange vor der Wahl klar, dass am 22. September Schluss sein würde", betont Machnig. "Es gab für mich in Bezug auf die Politik nur up or out. Mit 42 Jahren kann man gut noch etwas Neues anfangen."

Der gelernte Soziologe ist einer der wenigen aus den oberen Parteietagen, die in Deutschland den Sprung von der Politik in eine führende Position in der freien Wirtschaft geschafft haben. Als "managing partner" bei der schnell wachsenden Unternehmensberatungstochter der Düsseldorfer Werbeagentur BBDO wird sich Machnig jetzt nach Aussage von Consulting-Chef Olaf Göttgens um die "Beratung der Unternehmen gegenüber dem öffentlichen Sektor" kümmern.

"Der Bezug zur Politik bleibt somit, auch wenn ich kein Akteur mehr bin", beschreibt Machnig den neuen Job. Seine Stärke sieht der rastlose Kettenraucher in der Kommunikation. Ganze Bücher hat er über Strategien und Netzwerkbildung geschrieben. Das in der Politik gewonnene Wissen hilft auch beim Marketing. "Ich weiß, wie der öffentliche Sektor funktioniert, was für Erwartungen die haben, wenn sie etwa Aufträge nach außen geben."

Das Problem an dem beruflichen Wechsel war, dass er sich erst nach der Wahl um einen Job kümmern konnte. "Stellen Sie sich vor, was losgewesen wäre, wenn die Presse erfahren hätte, dass sich Schröders Wahlkampfmanager nach etwas Neuem umsieht", feixt Machnig heute, "dann hätte doch jeder gesagt: ,Die Wahl ist verloren.?" Doch trotz der knappen Zeit danach ging mit BBDO alles sehr schnell. Auch Machnig gibt wieder Gas. Zwei neue Kunden hat er bereits akquiriert.

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VITA

Matthias Machnig wurde am 15. April 1960 als einziges Kind eines Industriemeisters im Kreis Soest geboren. Der studierte Soziologe begann als Referent im Bundestag und stieg an der Seite seines Mentors Franz Müntefering bis zum Bundesgeschäftsführer der SPD auf. Als Leiter der "Kampa" hatte er wesentlichen Anteil an den beiden Bundestagswahlsiegen der SPD.

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