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07.01.2002

18:58 Uhr

Der 44-Jährige ist Deutschland-Chef von C&A

Dominic Brenninkmeyer: Der Vertreter der neuen Generation

VonRUTH VIERBUCHEN (Düsseldorf)

Mit unkonventionellen Methoden bringt der Nachfahre der Brenninkmeyer-Dynastie das Familienunternehmen wieder in Schwung und lässt das altmodische Image vergessen.

Dominic Brenninkmeyer. Foto: ap

Dominic Brenninkmeyer. Foto: ap

Eigentlich wollte Dominic Brenninkmeyer, Chef von C&A Deutschland, nur kundenfreundlich sein. Die Rabattaktion des Textilfilialisten sollte die Umstellung auf den Euro erleichtern. Statt mühsam nach den richtigen Münzen der neuen Währung zu suchen und lange Schlangen an den Kassen auszulösen, sollten die Kunden vier Tage bargeldlos per EC- oder Kreditkarte bezahlen.

Dass er mit dieser ungewöhnlichen Maßnahme in einer ungewöhnlichen Situation gleich eine heftige Diskussion über den Sinn des deutschen Wettbewerbsrechts ausgelöst hat, war wohl nicht die Absicht des 44-Jährigen - ist aber ein erfreulicher Nebeneffekt.

Dominic Brenninkmeyer würde die Abschaffung des Paragraph 7, Absatz 1 UWG (Gesetz gegen den unlauteren Wettbewerb) sehr begrüßen. Denn diese Regelung engt den Spielraum des Einzelhandels stark ein, weil er zeitlich befristete Rabattaktionen nur im Schluss-, Jubiläums- oder Räumungsverkauf erlaubt. Der C&A-Chef wünscht sich aber noch mehr: Dass der Gesetzgeber auch das Ladenschlussgesetz weiter lockert und die Öffnung der Geschäfte samstags mindestens bis 18 Uhr erlaubt. "Wenn wir in Europa schon mit dem gleichen Geld bezahlen, dann sollten wir auch die gleichen Wettbewerbsbedingungen haben", lautet das Credo des Handelsmanagers, der seine Lehrjahre jenseits der - bisweilen sehr engen - deutschen Handelsgrenzen verbracht hat.

Durch und durch ein C&A-Kind

Der Spross der weitläufigen Familie Brenninkmeyer, die ihren Namen niederländisch "Brenninkmeijer", schreibt, wurde 1957 in England geboren. Ganz in der Tradition der katholischen Familie aus dem Münsterland - deren Urväter Clemens und August (C&A) Brenninkmeyer das Textilunternehmen 1841 in den Niederlanden gründeten - machte er seine Handelsausbildung im Familien-Imperium.

1976, nach Wirtschafts- und Sprachstudium, begann er bei C&A Holland und durchlief alle Stationen des Textilgeschäfts: Zunächst als Einkäufer für Damen- und Herrenbekleidung, dann als Einkaufschef für die Kinderabteilung der englischen C & A-Tochter, die inzwischen geschlossen wurde. Hinzu kommt ein längerer Aufenthalt in den USA.

Ganz offensichtlich ist es "Herrn" Dominic, wie er hausintern genannt wird, gelungen, sich aus der großen Schar der Brenninkmeyer-Nachfahren hervorzuheben. 1995 wurde er Chef von C & A Holland. Fünf Jahre später, im März 2000, schickte ihn sein Vetter dritten Grades, Europa-Chef Lucas Brenninkmeyer, nach Deutschland.

An der Spitze der größten Tochter der in elf Ländern vertretenen Textilgruppe - hier werden 60 Prozent des Gruppenumsatzes erzielt - stand Dominic Brenninkmeyer vor einer immensen Aufgabe: Die Umsätze waren seit Jahren rückläufig, Deutschlands ehemals größter Textilanbieter verlor Marktanteile und operierte seit 1997 in den roten Zahlen.

Neuer Chef - neues Credo

Bei der Problembewältigung erwies sich Dominic Brenninkmeyer als typischer Vertreter der neuen Generation, die erkannt hat, dass sie nicht nur die Unternehmensstrategie, sondern auch ihr eigenes Verhalten ändern muss. War die Familie früher ausgesprochen öffentlichkeitsscheu, so hat sich inzwischen auch bei ihr die Erkenntnis durchgesetzt, dass die Kunden wissen wollen, welche Person für ein Unternehmen steht. Ein Unternehmen muss mit einem Menschen identifiziert werden, lautet das neue Credo. Deshalb zeigt sich Dominic Brenninkmeyer in der Öffentlichkeit und veranstaltet Pressekonferenzen, die er - natürlich - in fließendem Deutsch absolviert.

Überhaupt liebt es Dominic Brenninkmeyer eher einfach und unkompliziert. Statussymbole sind ihm fremd, sein Büro unterscheidet sich nicht von dem seiner Kollegen. Da er das Geschäft von der Pike auf gelernt hat, weiß er auch, wie wichtig das Gespräch mit den Mitarbeitern ist, die täglich mit den Kunden zu tun haben. Kontakt zur Basis hält er mit regelmäßigen Besuchen in den Filialen.

In der täglichen Arbeit liebt Dominic Brenninkmeyer kurze Entscheidungswege. Sein Pragmatismus und die Rückbesinnung auf alte Stärken haben inzwischen Früchte getragen. 2001 ist C&A Deutschland wieder gewachsen und schreibt schwarze Zahlen.

Eines ist gewiss: Der viertägige Medienrummel um die Rabattaktion war eine kostengünstige Werbung.

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V I T A

Dominic Brenninkmeyer wurde im Dezember 1957 in London geboren. Am College Hartwood House in Dorking studierte er Wirtschaft und Sprachen. Das Handelsgeschäft lernte er ab 1976 von der Pike auf in verschiedenen Unternehmen der C & A-Gruppe und sammelte Erfahrungen in den USA. Im März 2000 wurde er Chef von C & A Deutschland und ist seit 2001 Mitglied des "European Executive Board" der C & A-Europa-Zentrale in Brüssel.

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