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14.01.2003

08:42 Uhr

Der 48-Jährige wird neuer Chef der Messe Düsseldorf

Ein Messemann durch und durch

VonAxel Granzow

Die Erwartungen an ihn sind hoch: Werner Matthias Dornscheidt soll der Messe Düsseldorf einen Platz unter den Großen der Branche sichern, deutlich vor dem Erzrivalen Köln - kein leichter Job.

DÜSSELDORF. Für Werner Matthias Dornscheidt erfüllt sich ein "Jugendtraum". Der gebürtige Düsseldorfer kann bald "endlich wieder Rheinisch reden", wie er mit schelmischem Blick über die Lesebrille den Journalisten in der Messelounge verrät. Er wird Chef in dem Unternehmen, in dem seine Karriere begann, der Messe Düsseldorf.

Zwanzig Jahre lang mischte der kleine, kräftige Mann bereits in Düsseldorf mit, bevor ihn 1999 der Ruf zur Messe Leipzig erreichte. Der 48-jährige Vater zweier Söhne, seit 2001 Vorsitzender der Geschäftsführung der Leipziger Messe, konnte sich aber nie so recht an das Sächseln gewöhnen. Nun kehrt er wieder zurück in seine Heimat.

Dornscheidt kommt "spätestens" 2004 oder früher, wenn ihn die Leipziger eher ziehen lassen, zurück an den Rhein. Er übernimmt gleich zwei Jobs: den Posten des heutigen Messechefs Wilhelm Giese und von dessen Stellvertreter Horst Klosterkemper. Beide gehen in den Ruhestand. Die Messe Düsseldorf nutzt den Wechsel, um die Geschäftsführung von fünf auf vier Mitglieder zu verkleinern.

Als Joachim Erwin (CDU), Aufsichtsratschef der Messe und Düsseldorfer Oberbürgermeister, ihn der Presse vorstellt, sitzt Dornscheidt nicht auf dem Podium. Er hat bescheiden im Auditorium Platz genommen und schaut zum Aufsichtsratschef auf.

Es ist schließlich Erwins Stunde: "Ich bin davon überzeugt, dass wir mit Dornscheidt den besten Mann für die großen Herausforderungen der Messe gefunden haben, über dieses Jahrzehnt hinaus", feiert er den neuen Mann. Kein Wunder: Er gilt als der Wunschkandidat des ehrgeizigen Oberbürgermeisters.

Erwin hat mit Dornscheidt große Pläne. Der Neue soll die Düsseldorfer Messe in den nächsten Jahren mit Investitionen von 300 Millionen Euro modernisieren und erweitern. Mit neuen Großhallen, einem Hotel mit Kongresszentrum und einer neuen Sportarena will er Düsseldorfs Position als viertgrößter Messeplatz verteidigen. Der Erzrivale und ewige Fusionskandidat, die Kölner Messe, solle blass werden vor Neid, spöttelt man in der Landeshauptstadt.

Deshalb soll sich Dornscheidt auf die profitablen Großmessen konzentrieren. Die verlustreichen Ausflüge eines ehemaligen Messechefs in das Eventgeschäft mit Ausstellungen rund um die Filmhits "Titanic" oder "Star Trek" sollen Ausrutscher bleiben.

Die Ausgangsbasis für den künftigen Chef ist nicht schlecht. Im vergangenen Jahr steigerte die Messe die vermietete Fläche und die Ausstellerzahl auf neue Rekordhöhen. Bei einem Umsatz von 260 Millionen Euro betrug der Gewinn 20 Millionen Euro.

Erwin ist überzeugt, dass es mit Dornscheidt so weitergeht. Schließlich bleibe mit dem "Eigengewächs, das man zur Lehre in die Fremde geschickt hat", alles unter Düsseldorfern.

In Leipzig wird Dornscheidt Freunde zurücklassen. Zwar schmerzt es die Sachsen, dass sie sich einen neuen Messechef suchen müssen. Doch tröstet sich Wolfgang Tiefensee, Oberbürgermeister von Leipzig und Aufsichtsratschef der sächsischen Messe: "In meinen Augen ist die Berufung Dornscheidts nach Düsseldorf auch eine Auszeichnung für Leipzig."

Die Zusammenarbeit zwischen Düsseldorf und Leipzig hat Tradition. Mit Kurt Schoop und Claus Groth wirkten bereits zwei ehemalige Düsseldorfer- Messechefs daran mit, die Leipziger Messe nach der Wiedervereinigung neu auszurichten. Mit der Öffnung der deutsch-deutschen Grenze suchte Leipzig Orientierung. Düsseldorf hat sie gegeben. Schoop ist heute Ehren-Aufsichtsratschef in Sachsen. Und Erwin schmiedet bereits Zukunftspläne. Der OB präsentiert ein "Denkmodell": Eine Messe-Ost-Allianz zwischen den beiden Städten sowie den Düsseldorfer Messetöchtern in Brünn/Tschechien und in Moskau.

Die Idee stammt nicht von ihm, sondern von Dornscheidt. Der weiß, dass sich Leipzig etwas einfallen lassen muss. Der Messeplatz ist schon lange nicht mehr das "Tor zum Osten" wie noch zu DDR-Zeiten. Dornscheidt kämpft deshalb darum, das Geschäft gegen die starke Konkurrenz der großen Messeplätze in den alten Bundesländern zu verteidigen.

Dabei hilft dem Mann, der in seiner Jugend begeisterter Ruderer war, seine Stärke, die Serviceorientierung, wie Leipziger Kollegen berichten. Geholfen habe der "rheinischen Frohnatur", die gerne zur Zigarette greift, aber auch seine "offene Art im Umgang". Als Dornscheidt anfing, hat er sich erst einmal per Handschlag überall vorgestellt. Dies kommt im Osten gut an. Das hatte noch keiner (aus dem Westen) gemacht, sagen Mitarbeiter.

In Düsseldorf kann sich Dornscheidt die Runde bei den 600 Mitarbeitern der Messegesellschaft wohl sparen. Die meisten dürften ihn noch kennen. Deshalb skizzierte er schon einmal seine Ziele: Serviceorientierung verbessern und Kerngeschäft ausbauen. Das klingt eher bescheiden.

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VITA

Werner Matthias Dornscheidt wird am 10. April 1954 in Düsseldorf geboren. 1979 beginnt Dornscheidt als Referent im Zentralbereich Auslandsmessen der Düsseldorfer Messegesellschaft, die damals noch Nowea hieß, seine Karriere. 1999 verlässt er seine Heimat als stellvertretender Geschäftsführer der Messe Düsseldorf International, in der das Auslandsgeschäft der Gesellschaft gebündelt ist. Er folgt einem Ruf in die Geschäftsführung der Messe Leipzig. 2001 wird er deren Vorsitzender. Im Dezember 2002 bestellt ihn dann die Gesellschafterversammlung und der Aufsichtsrat der Messe Düsseldorf GmbH einstimmig zum Vorsitzenden der Geschäftsführung. Dornscheidt wird sein Amt spätestens Anfang kommenden Jahres antreten. In Leipzig will er noch seinen Nachfolger einarbeiten.

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