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28.04.2003

07:43 Uhr

Der 52-Jährige wechselt an die Spitze der Edeka-Zentrale

Boss der Genossen

VonChristoph Schlautmann

Ab Mai soll er den Umbau von Deutschlands größtem Lebensmittel-Verkäufer Edeka fortsetzen. Doch Alfons Frenk trennen Welten von seinem Vorgänger Ruetz.

DÜSSELDORF. Westfälisch-bescheiden gibt sich Alfons Frenk auf die Frage, wie ihm der Aufstieg vom Wirtschaftsprüfer an die Spitze von Deutschlands größtem Lebensmittelhändler gelang. "Das geht nur", sagt der Edeka-Spitzenmanager, "wenn man im ursprünglichen Beruf nicht gut genug ist".

Auch sonst wirkt der künftige Boss der Genossen eher zurückhaltend. Dass bei Alfons Frenk, 52, einst Kaufmannsgehilfe und ab Mai Chef der Edeka Zentrale AG, sichtbarer Stolz über die steile Karriere nicht so recht aufkommen will, mag daran liegen, dass ihn in Hamburg vermintes Gelände erwartet. Im komplizierten Geflecht der regionalen Genossenschaften, das Deutschlands größten Lebensmittelhändler trägt, lauern auf ihn kaum weniger Fallstricke als auf seinen einstigen Widersacher Kurt Lindemann. Dabei war Frenk am Sturz seines prominenten Mitbewerbers noch nicht einmal beteiligt - und falls doch, konnte er dies erfolgreich verschleiern.

Der 54-jährige Lindemann hatte sich noch bis vergangenen November für den Edeka-Spitzenjob warm gelaufen. Sogar einen Vorvertrag soll der damalige Vorstandschef der Bielefelder Edeka-Mehrheitsbeteiligung AVA schon in der Tasche gehabt haben. Doch die Vorstände der 14 regionalen Edeka-Genossenschaften, in deren Besitz sich die Hamburger Zentrale befindet, gaben Frenk den Vorrang.

Dass er für den Chefsessel in Hamburg zur Verfügung stehe, hatte Frenk im Herbst noch schriftlich dementiert. Und selbst jetzt mag sich der langjährige Vorstandssprecher der Mindener Edeka-Regionalgroßhandlung nicht an den Gedanken gewöhnen, von der ostwestfälischen Provinz in die Hansestadt überzusiedeln. "Ich bin absolut kein Stadtmensch", bekennt der gebürtige Osnabrücker, der gern mit dem Rennrad durch die Berge fährt. Nur ab und zu will er künftig einen Abstecher nach Hamburg unternehmen, unter der Woche die Edeka aber lieber von Ostwestfalen aus regieren. Ein Büro bei der Bielefelder Konzerntochter AVA, nur wenige Kilometer von seinem bisherigen Wohnsitz in Minden, hat er dazu schon in Beschlag genommen.

Der Abschied vom Chefposten der mit Abstand umsatzstärksten Großhandlung im Edeka-Verbund wird Frenk kaum leicht gefallen sein. Noch vor wenigen Jahren hätte die Branche über einen solchen Wechsel gespottet, hier beförderten die Genossen einen ihrer mächtigsten Regionalfürsten zum "König Ohneland".

Doch die Zeiten haben sich bei der einst streng von unten nach oben geleiteten Händler-Vereinigung gründlich geändert. Vom machtlosen Dienstleister der alles beherrschenden Regionalgroßhandlungen hat sich die Edeka - Zentrale seit Ende der 90er-Jahre zu einer schlagkräftigen Einkaufsorganisation gewandelt. Heute bündelt sie rund 60 Prozent des Einkaufsvolumens und sorgt damit für den nötigen Preisdruck auf die Lieferanten.

Den Kurs soll Frenk nun fortsetzen. Von seinem ruppigen Vorgänger trennen ihn indes Welten. Anders als Hermann Ruetz, 62, der in Jahresgesprächen mit seinen Lieferanten gelegentlich laut wurde, spricht Frenk leise. Seine Gestik wirkt kontrolliert, fast zögerlich. Gerne beendet der neue Edeka-Chef seine Bemerkung mit einem Augenzwinkern und stellt seine Gesprächspartner mit Andeutungen auf die Probe, als wenn er überprüfen wollte, über welches Wissen sie verfügen. Frenk lacht gerne - auch über sich selbst.

Von Hierarchien hält der Edeka - Topmanager wenig. Morgens ab sieben erwartet er regelmäßig die Anrufe von Supermarkt-Betreibern aus der Provinz, die ausnahmslos seine direkte Durchwahlnummer besitzen. Dort können sie ihm das Herz ausschütten. Telefonseelsorge nennt er das.

Das Integrationstalent könnte er bald schon bitter benötigen. "Frenk wird der Edeka eindeutig zentralistischere Züge verpassen", glaubt der Bad Homburger Unternehmensberater Volker Dölle. Im Gegenzug erwarten die Edeka-Genossen günstigere Einstandspreise. Die Lieferanten zeigen sich schon jetzt alarmiert. "Vorgänger Ruetz war eher ein Mann der Ware", heißt es in der Geschäftsführung eines norddeutschen Brotaufstrich-Herstellers. "Der ehemalige Wirtschaftsprüfer Frenk wird ein stärkeres Augenmerk auf die Ertragszahlen legen."

Von den Jahresgesprächen, bei denen ab Oktober die Einkaufskonditionen neu verhandelt werden, erwarten die Edeka-Lieferanten deshalb wenig Gutes. "Wir können nur hoffen", sagt ein Lebensmittelhersteller, "dass Frenk sie nicht so brutal führen wird, wie er es auf einer Unternehmertagung in Köln angekündigt hat."

VITA

Alfons Frenk wird am 6. November 1950 im südniedersächsischen Osnabrück geboren. Nach seinem Lehrabschluss als Groß- und Außenhandelskaufmann startet er 1969 ein Betriebswirtschaftsstudium, das er 1974 erfolgreich abschließt. Als Mitarbeiter zweier Wirtschaftsprüfungsgesellschaften prüft er daraufhin unter anderem auch die Abschlüsse der Edeka Minden-Hannover, bevor er 1981 auf die Gehaltsliste seines einstigen Kunden wechselt. Dort wird er zum Leiter der Konzernrevision ernannt. Seit 1991 ist Frenk Geschäftsführer der mächtigsten Edeka - Regionalgroßhandlung - zuletzt mit der Amtsbezeichnung "Vorstandssprecher". Der künftige Vorstandsvorsitzende der Edeka Zentrale AG in Hamburg ist seit 31 Jahren verheiratet und Vater einer Tochter (29) und zweier Söhne (25 und 20).

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