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10.01.2003

08:31 Uhr

Der 55-Jährige ist Präsident von Ferrari

Die Inkarnation des Erfolges

VonMarcello Berni

Der Ferrari-Chef Luca Cordero ist der einzige Manager im großen Fiat-Reich, der Erfolg hat. Montezemolo könnte so eine zentrale Rolle bei der Neuordnung des Turiner Konzerns zufallen.

MAILAND. "Die Leute verzeihen Dir alles, nicht aber den Erfolg!" Diesen Satz hat ihm vor ungefähr 30 Jahren der legendäre Enzo Ferrari mit auf den Weg gegeben. Und bis heute erinnert sich Luca Cordero di Montezemolo bestens an die Worte des Alten. Nicht zuletzt deshalb zeichnen sich auf der braun gebrannten Stirn des als Strahlemann geltenden Ferrari-Präsidenten in letzter Zeit häufiger Sorgenfalten ab.

Denn: Montezemolo ist die Inkarnation des Erfolges. Verkäufe auf Rekordniveau, Formel-1-Siege am laufenden Band und haufenweise öffentliche Ehrungen, zuletzt der Titel "man of the year" - verliehen von der renommierten britischen Zeitschrift "Autocar". Unter Italiens Schickeria geht schon die Mär um, dass durch jedes gemeinsame Foto mit dem hoch gewachsenen Adeligen ein wenig seines Ruhmes auf einen selbst herabriesele. Silvio Berlusconi wollte ihn sogar als Sportminister an den Kabinettstisch holen. Das lehnte der eher unpolitische Manager aber dankend ab.

Ungewöhnlich ist Montezemolos Erfolgs-Image vor allem deshalb, weil er als enger Vertrauter des Industriepatriarchen Gianni Agnelli und Chef der Konzerntochter Ferrari Teil einer Gesellschaft ist, die in Italien einfach nur "mondo Fiat", die Fiat-Welt, genannt wird. In dieser Welt gibt es im Moment eigentlich keine Gewinner, nur Gejagte. Zwei Vorstandschefs, ein Finanzchef, der Autoboss, etliche Mitglieder der zweiten Führungsebene und Tausende Arbeitnehmer sind in den zurückliegenden Monaten gefeuert worden. Selbst Paolo Fresco gilt nur noch als Präsident auf Abruf.

Da hat die schillernde Erscheinung Montezemolos fast schon etwas Unwirkliches. Kein Wunder, dass dem 55-jährigen Manager nun eine zentrale Rolle für die noch tief im Nebel liegende Zukunft der gesamten Fiat-Gruppe zugetraut wird.

So sehen Insider den sportlichen, in dritter Ehe verheirateten Vater dreier Kinder bereits als Präsidenten einer aus dem Konzern herausgelösten Autosparte, zu der neben Ferrari und Maserati auch Alfa Romeo gehören könnte. Diese Idee gefällt Montezemolo. "Diese drei Unternehmen repräsentieren das Beste der italienischen Technologie und des italienischen Designs. Sie verfügen jeweils über eine große Tradition und könnten gemeinsam eine weltweit einzigartige Gruppe darstellen", schwärmte er kurz vor Weihnachten.

Vorerst sind entsprechende Pläne zwar auf Eis gelegt worden. Angesichts der stetig sinkenden Halbwertszeit anderer Strategien gilt in Turin aber nichts mehr als ausgeschlossen.

Anders als vor ein paar Jahren sind seine Kritiker heute nahezu verstummt. Natürlich wirft ihm noch der eine oder andere vor, er wolle mit seinem gewinnenden Lächeln eine angeblich fehlende intellektuelle Brillanz überspielen. Und hier und da ist noch zu hören, dass der studierte Jurist ohne die tatkräftige Unterstützung seines persönlichen Mentors Gianni Agnelli nicht annähernd dort stünde, wo er heute steht.

Doch spätestens seit der Organisation der Fußballweltmeisterschaft 1990 hat sich Montezemolo, der heute auch Präsident des Fußballclubs Bologna Calcio ist, aus dem Schatten des Patriarchen gelöst. Damals gelang ihm ein reibungsloser Ablauf der Großveranstaltung in Italien - trotz unwilliger Bürgermeister und träger Bürokraten. Sein Geheimnis, damals wie heute, lautet: Enthusiasmus und Motivation. "Dies zu vermitteln ist das eigentliche Rezept jedes Erfolges", sagt er.

Mitarbeiter beschreiben ihn denn auch als jemanden, der begeistert an jedem noch so unwichtig erscheinenden Detail feilt. So ließ er in der Halle einer neuen Ferrari-Motorenfabrik zahlreiche Oliven-, Zitronen und Orangenbäume pflanzen, um eine "leichte und grüne" Atmosphäre zu schaffen. Mit viel Enthusiasmus meisterte er auch seine größte Herausforderung: die Wiederbelebung der Marke Maserati.

Könnte Luca Montezemolo Ähnliches auch bei Fiat gelingen?

Vita

Er wird am 31. August 1947 in Bologna geboren und studiert Jura in Rom sowie an der Columbia University in New York. Zwischen 1973 und 1977 ist er persönlicher Assistent von Enzo Ferrari und gewinnt als Manager des Formel-1-Teams zwei Weltmeistertitel mit Niki Lauda. Von 1977 bis 1981 leitet er die Öffentlichkeitsarbeit von Fiat; danach wird er Chef der Verlagsaktivitäten des Turiner Konzerns. Nach einem Zwischenspiel beim Getränkehersteller Cinzano lenkt er von 1986 bis 1990 das Organisationskomitee der Fußballweltmeisterschaft "Italia 90". Dann wird er Präsident von Ferrari und 1997 auch von Maserati.

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