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28.01.2002

16:49 Uhr

Der bald 73-Jährige ist Chef und Gründer der Big-Spielwarenfabrik

Ernst A. Bettag: Der Büffel aus Nürnberg

VonJoachim Hofer

Sein Lebenswerk ist der kleine rote Plastikflitzer mit dem Büffel-Logo: Kaum ein Kind in Deutschland wächst ohne das Rutschauto Bobby Car auf.

Ob er nun nicht so etwas wie "Ehrenvorsitzender" werden wolle, frotzelten Journalisten vorige Woche angesichts des bevorstehenden 73. Geburtstags von Ernst A. Bettag. Der Chef und Gründer der Big-Spielwarenfabrik lächelte nur leicht amüsiert und murmelte etwas von "Aufsichtsrat".

Das Zeichen war deutlich: Ein Leben ohne seine geliebten Bobby Cars, das bekannteste Produkt von Big, ist für den Vollblut-Unternehmer schlicht nicht vorstellbar. Höchstens die angeschlagene Gesundheit kann den heimatverbundenen Franken davon abhalten, seine legendäre Büffelstärke zu zeigen und jeden Tag am Schreibtisch zu sitzen.

Seit er das Firmensymbol Ende der 60er-Jahre von einem befreundeten Professor entwickeln ließ, identifiziert sich Bettag augenscheinlich in jeder Hinsicht mit dem mächtigen Tier. Selbst die Griffe an den Schränken im soeben neu eröffneten Werk ließ er in Form roter Hörner gießen. Und in seinem weitläufigen Büro steht inmitten von riesigen Palmen und Spielgeräten aus eigener Produktion ein lebensgroßer Büffel aus Plüsch.

Die Verbundenheit mit den Mitarbeitern ist groß

"Ein Geschenk meiner Mitarbeiter", freut sich Bettag. Es ist bereits der zweite Büffel, der sich in dem eleganten Büro mit dem glitzernden schwarzen Steinboden die Hufe in den Bauch steht. Das erste Tier wurde am 9. April 1998 ein Raub der Flammen. Damals vernichtete ein Großfeuer die gesamte Big-Fabrik am Stadtrand von Fürth.

"Ich war gerade auf dem Weg nach Kitzbühel", erinnert sich Bettag an den schlimmsten Tag seiner Karriere als Unternehmer. "Erschütternd" sei es gewesen, als an jenem Gründonnerstag die gesamte Fertigung in wenigen Minuten verbrannte. Die Mitarbeiter, erzählt Bettag voller Verbundenheit mit seinen Leuten, hätten "geweint".

In der Hitze lösten sich nicht nur viele Tonnen Plastik auf, aus denen eigentlich Plastiktraktoren, Bobby Cars und Sandkästen gespritzt werden sollten: Auch Bettags firmeneigenes Wirtshaus "Zum wilden Büffel" und die Hausbrauerei brannten bis auf die Grundmauern ab. "Wir hatten das beste Bier in der Gegend", glaubt Feinschmecker Bettag. So stolz, wie ein kleines Kind auf sein erstes Bobby Car ist, so begeistert erzählt der Hobbykoch von den Prominenten, die in seiner Büffel-Schänke abgestiegen sind. Von Showmaster Frank Elstner bis Ex-Bundestagspräsident Richard Stücklen ließen sich die Stars von Bettag verköstigen, das Kochbuch-Archiv zeigen und seine Bierkrug-Sammlung erläutern.

Seine Beschäftigten, auch darauf ist Bettag stolz, hätten aber nach der Katastrophe in wenigen Wochen eine provisorische Produktion aus dem Boden gestampft und so die Firma am Leben gehalten.

Der Büffel soll unübersehbar sein

Mit dem eigenen Gasthaus ist es inzwischen vorbei: Die heutige Fertigung hat keine Sudkessel mehr. Für Bettag ging mit dem neuen Werk in Burghaslach, in dem seit einigen Wochen die Bänder laufen, dennoch ein Traum in Erfüllung: "Eine Fabrik, wie ich sie mir vorstelle", schwärmt der Kunstliebhaber über die großen, hellen Hallen in einer parkähnlichen Landschaft.

Bettags neues Wahrzeichen ist auch für die Öffentlichkeit nicht mehr zu übersehen: Die Autofahrer auf der A 3 zwischen Würzburg und Nürnberg blicken seit einigen Monaten auf einen gigantischen Büffelkopf am Fahrbahnrand. Weil das Schwarz der Büffelhörner nachts trotz starker Strahler aber nicht zu sehen ist, tüfteln Lichtexperten jetzt an neuen Konzepten. Seinen Büffel, daran lässt Bettag keinen Zweifel, den sollen die Leute Tag und Nacht sehen.

Um die Fabrik mit Büffel zu bauen, hat der Vater von drei erwachsenen Kindern tief in die eigene Tasche gegriffen. Wie viel er genau ausgegeben hat, will er nicht verraten. Nur so viel: Ein dreistelliger Millionenbetrag soll es gewesen sein - in Mark, versteht sich. Denn vom Euro hält der Patriarch nicht viel.

Wenn Bettag etwas nicht passt, dann hält er damit nicht hinterm Berg. Schließlich ist er der Einzige, der bei Big wirklich etwas zu sagen hat.

Gewiss, inzwischen kümmern sich zwei Geschäftsführer um das Tagesgeschäft des Unternehmens mit einem Umsatz, der zuletzt bei 21 Millionen Euro stagnierte. Am Ende zählt freilich immer das Urteil von EAB, so die Initialen, die sich Bettag fein auf seine Hemden sticken lässt.

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