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01.06.2000

19:05 Uhr

Der Boom beim E-Commerce wird das starre Distributionssystem in Japan aufbrechen

Japaner bestellen mit ihrem Handy gerne online

In Japan hat sich eine ganz spezielle Art von E-Commerce entwickelt: Bestellen per Handy und im Laden abholen. Der fest zementierte Groß- und Zwischenhandel fürchtet die Konkurrenz aus dem Netz.

TOKIO. In Japan beschleunigt der Siegeszug des E-Commerce nicht nur die Revolution im Einzelhandel. Gravierender ist die Auflösung und weltweite Öffnung der bisherigen Zulieferer- und Abnehmerstrukturen - vor allem in der Auto- oder Elektroindustrie. Auch der bislang dominierende Groß- und Zwischenhandel verliert seine Existenzberechtigung. Japans Wirtschaftsministerium (Miti) rechnet so in den kommenden fünf Jahren mit dem Verlust von 1,6 Millionen Arbeitsplätzen im Lande.

"Wenn wir nichts unternehmen, werden wir durch die Expansion des E-Commerce in den kommenden zehn Jahren 20 bis 30 Prozent unseres Geschäfts verlieren", meint Minoru Makihara, Geschäftsführer des führenden japanischen Universalhandelshauses Mitsubishi Corp. gegenüber dem Handelsblatt. Im Jahr 2004 wird der Online-Handel mit Geschäftskunden ein Volumen von 68,4 Bill. Yen (700 Mrd. ") haben, schätzt Andersen Consulting. Das entspräche 11,2 % des gesamten Umsatzes.

Ordern und Abholen im Laden um die Ecke

Ausgehend von diesem Krisenbewusstsein zielt die Geschäftsstrategie des Handelshauses, die symptomatisch für das Vorgehen der Branche ist, in zwei Richtungen: Einerseits wird das Geschäft mit Firmenkunden (B2B) ausgebaut durch E-Commerce-Gesellschaften und Cyber-Märkte etwa für Stahlprodukte, Bauausrüstungen oder Brennstoffe. Andererseits woll durch die Übernahme einer Beteiligung von 20 % an der Convenience-Kette Lawson die logistischen Voraussetzung für die Entwicklung des Internet gestützten Handels mit Endverbrauchern (B2C) geschaffen werden.

Japans führende Convenience Store-Ketten, die landesweit rund um die Uhr 365 Tage im Jahr geöffnet sind, spielen in Japan eine Schlüsselrolle bei der Komplettierung des privaten Internet-Shoppings. Denn sie kommen als permanent zugängliche Auslieferungsstützpunkte dem Lebenstil junger Japaner mehr entgegen als etwa eine Zustellung nach Hause. Zu den Ketten gehören Seven-Eleven Japan, die mit den Elektronikkonzernen NEC und Sony im Konsortium dream7.com zusammenarbeitet, Lawson, FamilyMart, Sunkus oder Ministop. Auch der B2C-Markt wird sich in den kommenden Jahren explosionsartig entwickeln. Allerdings wird er im Jahr 2004 mit einem Umsatz von 6,6 Bill. Yen (70 Mrd. ") lediglich 2,2 % des gesamten Einzelhandelsumsatzes in Japan ausmachen.

Bereits jetzt ist Japan mit über 15 Millionen Internet-Nutzern und rund 3 Millionen Internet-Handy- Nutzern nach den USA der zweitgrößte Cyber-Markt der Welt. Die in Japan bereits für das kommende Frühjahr geplante Einführung des neuen Mobil-Telekomstandards (W-CDMA) wird der kommerziellen Nutzung des Internets weitere Impulse geben. In Japan hat der Online-Einkauf per Mobiltelefon (M-Commerce) Zukunft.

Wichtigste Marktsegmente sind gegenwärtig noch der Handel mit Immobilien und Autos, die rund die Hälfte des gesamten E-Commerce- Geschäfts in Japan ausmachen. Die stärkste Expansion ist andererseits bei Finanz- und sonstigen Dienstleistungen sowie Nahrungsmitteln zu verzeichnen.

Die nach eigenen Angaben führende, rein japanische Internet-Shopping-Mall Rakuten allein bietet mit rund 2 300 Geschäften, die eine Monatsmiete von umgerechnet rund 500 " zahlen, knapp 225 000 Produkte an. Bis Ende dieses Jahres will das von einem Ex-Banker 1997 gegründete Wagnisunternehmen das virtuelle Einkaufszentrum auf 5 000 Geschäfte ausbauen, erklärte die Sprecherin Unternehmens, das gerade an die Börse gegangen ist, gegenüber dem Handelsblatt.

Mit einem Jahresumsatz von umgerechnet rund 60 Mill. " liegt Rakuten gegenwärtig an der Spitze der Internet-Einkaufszentren. Lediglich rund ein Drittel der von Rakuten gemanagten Unternehmen macht jedoch Gewinn. Als zentrale Voraussetzungen für den Erfolg beim elektronischen Handel gelten ein Discountpreis sowie das Angebot eines Produktsortiments, das in normalen Kaufhäusern nicht vorhandenen ist.

Handelshäusern droht Konkurrenz

Für das Geschäft mit Firmenkunden, so Makihara von Mitsubishi, müsse der E-Commerce andererseits durch ein Bündel von Offline- Dienstleistungen in der realen Handelswelt ergänzt werden. Hierbei wolle Mitsubishi die traditionellen Stärken eines Universalhandelshauses voll ausspielen - ihr Know-how, die Abwicklung von Finanzierungen und Zahlungen sowie ihr gesamtes Spektrum an logistischen Dienstleistungen. Gleichzeitig gelte es auch, neue Methoden bei der Finanzierung und bei Consulting für E-Commerce zu entwickeln.





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