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12.01.2001

11:53 Uhr

Der Büdelsdorfer Telekom-Dienstleister macht bei UMTS-Klage einen Rückzieher

Mobilcom steigt ins Bankgeschäft ein

Der Mobilfunkanbieter Mobilcom will künftig Bankgeschäfte betreiben, um seine UMTS-Dienste attraktiv zu machen. Danach sollen Kunden via Handy Transaktionen durchführen, Echtzeitbuchungen veranlassen und Wertpapiere ordern oder verkaufen können.

lip/bue/rtr HAMBURG. Die Büdelsdorfer Mobilcom AG will zusammen mit der Landesbank Baden-Württemberg (LBBW), Stuttgart, die Mobilbank gründen, die mobile Zahlungs- und Wertpapierdienstleistungen anbieten soll. "Wir wollen mit der Bank UMTS-Dienste für unsere Kunden attraktiver gestalten", erklärt Mobilcom-Vorstandsvorsitzender Gerhard Schmid. Die Notierung der am Neuen Markt notierten Mobilcom-Aktie legte nach der Ankündigung am Freitag um 4,35 % auf 36 Euro zu. Die Mobilbank, die später auch an die Börse gebracht werden soll, werde noch im 1. Halbjahr 2001 ihren Geschäftsbetrieb aufnehmen. An dem Unternehmen beteiligt sich die Mobilcom AG mit 51 %, die restlichen Anteile hält die LBBW. Das neue Finanzinstitut, das bisher noch keine Vollbanklizenz besitzt, soll mittelfristig weitere Partner aufnehmen. So soll sich an dem Gemeinschaftsunternehmen auch die Mobilcom-Tochter Freenet engagieren, die dem neuen Geldinstitut ihre Webdienste anbieten soll. Auf der Bankenseite präferiert LBBW-Vorstandsvorsitzender Dietmar Sauer als Partner für die Mobilbank weitere Landesbanken sowie Sparkassen. Mit diesen Instituten seien aber noch keine Gespräche geführt worden. Die Mobilbank wird voraussichtlich in zwei bis drei Jahren die Gewinnschwelle erreichen. Die Investitionen bewegten sich bislang "im unteren zweistelligen DM-Millionenbereich". Noch unklar ist, wer in den Vorstand der Mobilbank einzieht. Das Institut werde seinen Kunden vorläufig keine Konsumentenkredite gewähren, sondern lediglich Zahlungsfunktionen per SMS oder WAP-Technologie vornehmen. Trotz des neuen Geschäftsfeldes stuft die Hamburger Privatbank M.M. Warburg die Mobilcom-Aktie weiterhin auf "Halten" ein. Die Nachricht über den Einstieg ins virtuelle Bankgeschäft sei sicherlich für einen kurzfristigen Kursanstieg geeignet. Anlass für eine völlige Neubewertung der Aktie sehen die Analysten darin aber nicht.



 Mobilcom intraday



Ziel der MobilBank sei es, ausgewählte Finanzdienstleistungen dem Handy-Nutzer zur Verfügung zu stellen, teilte die Mobilcom weiter mit. Darin enthalten seien mobile Zahlungssysteme (Mobile Payment) und mobiler Wertpapierhandel (Mobile Brokerage). Per Handy könne der Kunde jederzeit und an jedem Ort Zahlungen leisten, Transaktionen durchführen, Echtzeitbuchungen (Real-Time-Buchungen) veranlassen und Wertpapiere ordern oder verkaufen. Alle Geschäftsvorfälle von Konto und Depot könnten per SMS bzw. WAP-Technologie mobil angeboten werden.

"Damit bieten wir unseren Kunden einen echten Zusatznutzen mit einfacher Bedienung und kostengünstiger Abwicklung.", so Schmid. "Mit der MobilBank erschließen wir uns ein wichtiges strategisches Geschäftsfeld und eine Basisanwendung für das UMTS-Zeitalter." Hans Dietmar Sauer, Vorstandsvorsitzender der Landesbank Baden-Württemberg erklärte, dass die LBBW im Zugriff über mobile Zugangswege einen Zukunftsmarkt sehe, in dem sie sich frühzeitig positionieren wolle. "Die LBBW hat als erste deutsche Bank modernste Banktechnik entwickelt, die Real-Time-Buchungen ermöglicht - die zentrale Leistung im Rahmen von Mobile-Payment und Mobile-Brokerage."

MobilCom-Chef Gerhard Schmid hatte bereits vor Monaten gesagt, Bankgeschäfte per Handy seien die "Killer"-Applikation für den neuen Mobilfunkstandard UMTS. MobilCom hatte im Sommer für mehr als 16 Mrd. DM eine UMTS-Lizenz ersteigert und will bis 2003 weitere drei Mrd. DM in den Netzaufbau investieren. Zunächst war noch nicht klar gewesen, ob MobilCom für den Einstieg ins Finanzgeschäft eine eigene Bank gründen oder mit Partnern kooperieren will.



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