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15.01.2003

08:52 Uhr

Der Chef der Adam Opel AG im Porträt

Carl-Peter Forster: Der Marathonläufer

VonCarsten Herz

Er wurde gefeiert wie ein Heilsbringer, als er 2001 den Chefsessel beim angeschlagenen Automobilkonzern Opel übernahm. Mit dem Ex-BMW-Manager Carl-Peter Forster sollte es nach jahrelangen Verlusten endlich wieder aufwärts gehen mit der Autotochter des US-Herstellers General Motors (GM). Doch noch immer sind die Zahlen und das Image der Marke mit dem Blitz im Emblem negativ.

RÜSSELSHEIM. Wenn der Top-Manager am Donnerstag vor Mitarbeiter und Kunden tritt, wird er zwar bessere Zahlen als erwartet vorlegen - doch operativ schreibt Opel weiter rot.

Der 48-jährige Forster braucht mehr Zeit, um die General-Motors-Tochter zu sanieren. Aber genau die hat er nicht. Denn trotz des Gegenwinds auf dem deutschen Automarkt muss der 1,90-Meter-Mann mit Opel seinen Sanierungsfahrplan pünktlich umsetzen und Ende des Jahres schwarze Zahlen schreiben. Die Geduld in der GM-Zentrale in Detroit ist begrenzt. Verfehlt Forster sein Ziel, wird es eng für ihn. 2003 ist darum ein entscheidendes Jahr für den Hoffnungsträger. Forster weiß das - und er agiert entsprechend.

Mit eiserner Disziplin versucht er, auch in dünner Luft Höchstleistungen zu bringen. Selbst nach nur wenigen Stunden Schlaf im Flugzeug sitzt er morgens um 7 Uhr bereits wieder am Schreibtisch und sichtet Modellrechnungen, Budgetpläne und führt Gespräche mit Betriebsrat und Mitarbeitern. Die Tage in Rüsselsheim sind lang: Mit 14 bis 16 Arbeitsstunden gibt der Opel-Chef ein hohes Tempo vor. Das Privatleben bleibt dabei oft auf der Strecke. So wohnt Forster auch nach knapp zwei Jahren in einem Wiesbadener Nobelhotel. Frau und Kinder leben weiterhin in München. "Meine Familie hätte während der Woche sowieso nichts von mir", wehrt er die Frage ab, warum er allein in einem Hotel residiert. Nur am Wochenende geht es nach Hause. Seine Kinder, das jüngste ist noch keine zwei Jahre alt, sieht Forster selten.

Das Sorgenkind Opel steht derzeit im Vordergrund. Auf seiner ersten Bilanzpressekonferenz musste Forster im vergangenen Jahr operativ ein Rekorddefizit von 674 Millionen Euro verkünden. Nur langsam zeigen sich erste Erfolge: Seit Jahresmitte steigt der Marktanteil wieder. Aber die Marke leidet immer noch unter dem Image von Langeweile und mangelnder Qualität.

Der studierte Volkswirt hat nur eine Chance: Er muss die Kosten weiter senken, gleichzeitig die Entwicklung beschleunigen - und dabei auch noch die Qualität steigern. "Frisches Denken" fordert der Opel-Chef daher von seiner Mannschaft ein. Denn nur neue, Aufsehen erregende Modelle können Opel aus der Misere bringen. Ein Höllenjob, bei dem sich der Opel-Chef vor allem auf die Kreativität seiner Designer und Entwickler verlassen muss.

Alles kommt darauf an, dass die angeschobene Modelloffensive dieses Jahr einschlägt. Ein erster Vorgeschmack war bereits der neue Vectra. 2003 sollen nun neue Wagen wie der Mini-Van Meriva, der Luxus-Vectra Signum und der neue Astra, der im September auf der IAA vorgestellt wird, die Verkäufe in die Höhe treiben. Die neuen Modelle sind zum Erfolg verdammt. Geht etwas schief, wird Forster seinen ehrgeizigen Sanierungsplan wohl knicken können.

Doch der Mann mit den freundlichen blauen Augen weiß, dass es zu seinem Weg in Rüsselsheim keine Alternative gibt. Auch morgen wird er deshalb erneut für seine Vorwärtsstrategie werben. Spaß macht ihm das Zahlenwerk sicher nicht. Aber er weiß, dass er letztlich daran gemessen wird. Und er will endlich allen beweisen, dass er der richtige Mann für die heikle Mission bei Opel ist. Schon bei BMW galt der disziplinierte Arbeiter, der zuvor als Berater bei McKinsey arbeitete, als Hoffnungsträger. Innerhalb von dreizehn Jahren schaffte er dort den Aufstieg vom Entwicklungsingenieur zum Vorstand für Produktion.

Doch die Freude über den Einzug in das Spitzengremium währte nicht lange. Nach nur einem Jahr im Olymp musste Forster wegen Meinungsdifferenzen mit dem damaligen BMW-Chef Joachim Milberg gehen - die Chemie zwischen beiden stimmte offenbar nicht. Bei Opel möchte der in London geborene Diplomatensohn jetzt allerdings über die volle Distanz gehen - und die kann, geht es nach Forster, noch lange dauern. Der Masterplan des Opel-Chefs für das Unternehmen ist auf Jahre angelegt. Er stellt klar: "Das ist kein 100-Meter-Sprint. Das ist ein Marathonlauf."

Aber schließlich nennt Forster den Antarktis-Forscher Ernest Shackleton als sein Vorbild: Der Brite und sein Team steckten immerhin 635 Tage im Packeis fest, bevor ihnen die Rettung aus eigener Kraft gelang.

Vita:

Carl-Peter Forster wird am 9.5.1954 in London geboren. Mit 32 Jahren startet er seine Karriere als Berater bei McKinsey. Vier Jahre später wechselt er zu BMW und geht 1996 für den Konzern nach Südafrika. Drei Jahre später holt ihn BMW-Chef Joachim Milberg zu sich in den Vorstand. Doch schon im März 2000 kracht es, und Forster muss gehen. Seit 1. April 2001 leitet er als Vorstandschef die Adam Opel AG.

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