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01.04.2003

06:50 Uhr

Der Chef der Deutz AG im Porträt

Gordon Riske: Managen wie ein Marathonläufer

VonWolfgang Gillmann

Wenn Gordon Riske aus dem Fenster seines Büros blickt, sieht er die Ursprünge und die Gegenwart der Deutz AG. Hinter den langen Mauern aus Backstein gegenüber der Hauptverwaltung liegt das Motorenwerk. Hier hat Firmengründer Nikolaus August Otto einst mit der Fertigung von Gasmotoren angefangen, hier liegt auch heute der Kern des Unternehmens.

Vor sich, an der gegenüberliegenden Wand seines großen Arbeitszimmers mit dem aufgeräumten Arbeitstisch hat der Deutz-Chef den Ausblick auf die Zukunft platziert. "2002 ist der Turn-around geschafft", heißt es da auf einer bunten Tafel. Monatswerte zeigen seine Ziele und den Weg des Erfolges. Am Montag hat er ihn der Öffentlichkeit präsentiert. Die Deutz AG hat ihren ersten Jahresüberschuss seit 1998 vorgelegt.

Als der Amerikaner Gordon Riske im Februar 2000 beim Kölner Traditionsunternehmen antrat, dachte er, ein weitgehend saniertes Unternehmen zu übernehmen. Seine Vorgänger Kajo Neukirchen und Anton Schneider hatten den Motoren- und Anlagenbauer zwar vor dem Untergang gerettet, doch die Sanierung nicht geschafft. Immer wieder taten sich neue Löcher auf. "Die Altlasten waren größer als gedacht", räumt Riske heute ein.

Der Amerikaner mit der fast perfekten deutschen Aussprache - sein Vater stammt aus Deutschland, seine Mutter aus Russland - musste erneut seine Fähigkeiten als Kostensenker beweisen. Die haben ihm schon häufiger geholfen. Als er 1982 bei der Kuka Welding + Robot Corporation in Sterling im Bundesstaat Michigan eintritt, nutzen dem zweisprachig aufgewachsenen Riske zunächst seine Deutschkenntnisse. 1991 holt ihn die Muttergesellschaft in Augsburg für ein Jahr nach Deutschland, um die Herstellkosten der Roboter zu senken.

"Statt der vorgegebenen 30 bis 35 Prozent senkten wir die Herstellkosten in drei Jahren um 70 Prozent", sagt Riske nicht ohne Stolz. Er blieb dauerhaft in Deutschland, stieg zum Mitglied der Geschäftsleitung und später zum Vorsitzenden der Geschäftsführung der Kuka Roboter GmbH in Augsburg auf. "Ich hatte ursprünglich nicht geplant, nach Deutschland zu gehen und dort zu bleiben", sagt Riske.

Die Fähigkeiten als Kostensenker bewegten den Vorsitzenden des Deutz - Aufsichtsrats Michael Endres, den Amerikaner nach Köln zu holen. Denn Vorgänger Anton Schneider hatte klar gemacht, dass er seinen Fünfjahresvertrag nicht verlängern werde. "Ich hatte bei Kuka alles erreicht", begründet Riske seinen Wechsel. "Hier reizte mich die größere Aufgabe mit mehr Verantwortung."

Sein im Januar 2001 gestartetes Kostensenkungsprogramm hat Riske "Deutz Relaunch" genannt. "Seit Mitte 2001 haben wir alles verkauft, was nicht zu Motoren gehört", erläutert Riske. Das war nicht immer leicht. Die Zahl der Beschäftigten sank von mehr als 30 000 Ende der siebziger Jahre auf nur noch 5 470. Doch obwohl Riske zuletzt auch die Gießerei schloss, gab es weder Streik noch Proteste. "Wir haben um die Probleme hart gestritten, dann die Entscheidungen aber mitgetragen", bestätigt der Vorsitzende des Konzernbetriebsrats Werner Scherer.

Ehemalige Mitarbeiter bescheinigen dem heute 45-jährigen Riske eine sehr umgängliche Art ohne Vorstandsallüren. Um die Probleme an der Basis besser kennen zu lernen, führte er die "Deutz-Talks" ein. Über einen Zufallsgenerator lädt Riske alle sechs bis acht Wochen 20 bis 40 Mitarbeiter aus dem gesamten Unternehmen zu einer Diskussionsrunde ein. Er hört sich ihre Probleme und Verbesserungsvorschläge an, stellt aber auch selbst Fragen.

Entscheidungen fällt aber der Chef, daran lässt er keinen Zweifel. "Ich treffe gerne Entscheidungen", betont Riske. Unendliche Diskussionen könne er nicht ausstehen. Betriebsrat Scherer formuliert es so: "Er hat als Teamplayer begonnen, entscheidet jetzt aber mehr alleine." Trotzdem beklagt er sich nicht über die Methoden des Chefs. "Da haben wir schon ganz anderes erlebt."

Die nötige Kondition und Zähigkeit holt sich Riske beim Laufen. Jeden Morgen steht er um 5 Uhr 30 auf und läuft von seiner Wohnung direkt am Rhein 45 Minuten lang. "Dabei überlege ich mir mein Tagesprogramm." Den Marathon in Berlin will er dieses Jahr unter vier Stunden schaffen. Dabei gilt sein Motto beim Laufen wie beim Management: "Nie, nie aufgeben, das hat Deutz Gründer Otto auch so gesehen."

Zurückstecken musste Riske allerdings beim Karneval. In seinem ersten Jahr bei Deutz wollte er den Rosenmontag zum normalen Arbeitstag machen. Aber die geringe Anwesenheit im Werk stimmte ihn um. "Es war nicht sehr effektiv", räumt Riske ein und bekennt, kein richtiger Fan des Karnevals zu sein, obwohl er an ein bis zwei Sitzungen teilnimmt. "Ich bin ein Deutzer, kein Rheinländer."

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