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03.01.2003

06:15 Uhr

Der Chef der Güterbahn und von Stinnes im Porträt

Bernd Malmström: Der kühle Dampfmacher

VonEberhard Krummheuer

Das Geschäft war so gigantisch, dass alle nur noch vom "Deal" sprachen - dem Stinnes-Deal: Rund 2,5 Milliarden Euro ließ es sich die Deutsche Bahn AG kosten, den Stinnes-Konzern komplett von Eon und freien Aktionären zu übernehmen.

MAINZ. Hinter dem Deal steht ein Mann mit einem großen Ziel: Bernd Malmström. Unter dem Dach des Bahn-Konzerns will er die schwächelnde Güterbahn DB Cargo und den prosperierenden Logistikkonzern Stinnes mit seiner erfolgreichen Speditionstochter Schenker zu einem effizienten europäischen Transportkonzern vereinen. So will er einen Riesen schaffen: Mit elf Milliarden Euro Umsatz im Jahr soll der Frachtsektor des Bahn-Konzerns aus der Stiefkind-Ecke herauskommen und mit dem Umsatz des Personenverkehrs gleichziehen.

Das gefällt Malmström. Er will "nicht mehr", wie er mit leichtem Augenzwinkern sagt, "der kleine Bruder von Christoph Franz", dem Personenverkehrsvorstand, sein. Doch erst einmal muss er den Stinnes-Deal zum Bahn-Erfolg machen. Dabei scheint sich der hoch gewachsene Blonde aus Kiel gar nicht als erste Wahl für diese Aufgabe zu sehen. "Ich bin weder Spediteur, noch bin ich Eisenbahner", sagt er freimütig mit dem ihm eigenen Hang, pointiert zu formulieren.

Das mag stimmen, ist gleichwohl pures Understatement. Er kennt die Verkehrswirtschaft aus dem Effeff. Mehr noch: Der 61-jährige promovierte Jurist, der eigentlich Kriminologe werden wollte, kennt auch die Konzerne, die er zusammenführen will, aus höchst persönlicher und hoher Warte: Malmström war Schenker-Chef und Stinnes-Vorstand, bevor er vor zwei Jahren in Mainz bei der Güterbahn das Steuerpult übernahm.

Und so trifft wohl eher diese Aussage den Kern: "Ich bin jetzt da, wo ich hinwollte." Strategie ist seine Lieblingsdisziplin, mit dem Ziel, "Unternehmensstrukturen anhand von Marktgegebenheiten aufzustellen", wie er es akademisch formuliert. Und für die operativen Details, da braucht er dann "gute Leute, möglichst bessere als man selbst". Die Angst, dass solche Mitarbeiter ihn an die Wand spielen können, kennt ein erfahrener Manager wie er nicht mehr. Da seien wohl, so meint er, die Erfahrungen und Einsichten von 20, 30 Berufsjahren in Führungspositionen davor.

Strategisches Denken, genaueste Marktkenntnis, Mut zum Risiko - das sind die Eigenschaften, die Malmström den großen Deal wagen lassen, die letzte große Herausforderung seiner Karriere. Logistik und Transport unter einem Dach zu verbinden, das galt in der Branche bisher als undenkbar. Doch Malmström sieht das anders: "Spediteur und großer Carrier - das ist für beide ein hohes Risiko. Das ist eine alte Lebensweisheit. Aber diese Regel wird sich verändern." Vor allem aus Sicht der Güterbahn: Die hätte keine Zukunft, könnte sie nicht die Vertriebskanäle der Spediteure nutzen.

Das bedeutet für Malmström gleichwohl einen Spagat. Spedition und Bahntransport muss er strikt trennen, damit nicht andere Speditionskunden der Bahn den Rücken kehren. "Ein Kraftakt", weiß der Chef, zumal er nicht nur die große Linie bestimmen, sondern reihenweise Missverständnisse ausräumen muss.

Anfangs sei bei den Eisenbahnern die Freude groß gewesen, als sie vom Stinnes-Deal erfuhren. Nun aber würden sich viele fragen, wer denn eigentlich wen übernehme. "Mit Engelszungen" wirbt der Chef immer wieder für sein Konzept, dass DB Cargo unter dem Namen Railion zum reinen Transporteur und Stinnes wie Schenker zu den Akquisiteuren macht. "Wir folgen dem Markt. Wenn wir es nicht so machen, haben wir keine Chance." Eloquenz und Charisma nutzen ihm bei seinem Feldzug in der Außenwirkung, nach innen ist der Kühle aus dem Norden knallhart: "Ich halte meine Leute unter Dampf." Und gelegentlich gibt es auch Explosionen.

Mit Bahnchef Mehdorn, den er bei Airbus kennen lernte, verbindet ihn eine lange Freundschaft und die Einigkeit über den Stinnes-Deal: "Hartmut Mehdorn trägt ihn voll mit und mit ihm auch der Aufsichtsrat und der gesamte Bahnvorstand." Die Rückendeckung kann der Mann mit den drei Jobs gut gebrauchen: Er ist Cargo- sowie Stinnes-Chef und Güterverkehrsvorstand im Bahn-Konzern. Das sei "extrem schwierig", räumt er ein. Zumindest den ersten Job wird er demnächst abgeben. Trotzdem bleibt wenig Zeit für Golfrunden "mit Hartmut".

Nach seinem Amtsantritt in Mainz hatte er eine Herzoperation, die er gut überwunden hat: "Ich bin jetzt schlicht besser als vorher", ist Malmström zuversichtlich. Sein Rezept gegen Stress: keine Abendtermine, keine Geschäftsessen. "Das entspannt mich total."

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