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19.07.2000

10:33 Uhr

Der Chiphersteller setzt auf Europas Unternehmen

Intel kann die Nachfrage nach Computerchips nicht decken

Bei den privaten Computer-Nutzern in Europa hat der weltgrößte Chiphersteller Boden gut gemacht. Die Fabrikation bleibt weiter in Irland

Reuters MÜNCHEN. Fast ausschließlich bei den privaten Computer-Nutzern hat der weltgrößte Chiphersteller Intel in Europa im zweiten Quartal Boden gut gemacht. Zentraleuropa-Chef Günther Jünger zeigte sich im Interview mit der Nachrichtenagentur Reuters am Mittwoch aber zuversichtlich, dass die Unternehmen und vor allem der Mittelstand im zweiten Halbjahr ihre Investitionen in Computer und Internet wieder ankurbeln werden. Intel werde auch weiterhin in Unternehmen am Neuen Markt oder in Börsenkandidaten investieren, sagte Jünger. Eine Aufstockung der Beteiligungen an Firmen wie Brokat, Infineon, Openshop oder SCM Microsystems sei dagegen nicht geplant.

In den drei Monaten bis zum 1. Juli hat sich der Anteil von Europa am Intel-Weltumsatz auf 22 % reduziert, nachdem er in den beiden Quartalen davor jeweils 27 % betragen hatte. "Das zweite Quartal ist immer unser schwächstes", erklärt Jünger die Entwicklung. Während die Nachfrage bei den Privatnutzern um 26 % nach oben schnellte, kamen aus dem Mittelstand Marktforschern zufolge drei Prozent weniger Bestellungen. Der Umsatz mit Industriekunden habe knapp über dem Vorquartal gelegen, sagte Jünger. In Deutschland habe der Consumer-Bereich eine stärkere Bedeutung für Intel als in anderen Ländern. Daher sei das Land von der Entwicklung nicht so stark betroffen gewesen.

Es sei nicht erkennbar, dass Intel Marktanteile verloren habe. "Andere Regionen sind einfach noch schneller gewachsen", erklärte der Zentraleuropa-Chef in Feldkirchen bei München. Der US-Chiphersteller hatte am Dienstagabend für das zweite Quartal einen Umsatzzuwachs von 23 % auf 8,3 Mrd. $ ausgewiesen. Das Ergebnis je Aktie einschließlich aller Wandelrechte übertraf mit 1,00 (2. Quartal 1999: 0,85) $ die Analystenschätzungen leicht.

Auch in den vergangenen drei Monaten vermochte Intel die Nachfrage nach Computerchips nicht zu decken, rechnet für das zweite Halbjahr aber mit einem weiter steigenden Bedarf. Jünger will sich jedoch nicht festlegen, ob der Ausbau der Kapazitäten mit einem Investitionsvolumen von sechs Mrd. $ im laufenden Jahr ausreicht, um die Nachfrage zu befriedigen. "Das haben wir schon im ersten Halbjahr gemeint", sagte er. Niemand könne vorhersagen, ob der Markt nicht weiter überproportional wachse. Von dem neuen "Pentium 4"-Chip, der in Kürze am Markt eingeführt werden soll, erwartet Jünger erst im nächsten Jahr maßgebliche Umsatzzuwächse. Zugpferd werde bis zum Jahresende noch der Pentium 3 sein.

Dem Beispiel von Infineon und anderen Wettbewerbern, in Ostdeutschland eine eigene Chipfabrikation aufzubauen, wolle Intel jedenfalls nicht folgen. "Wir haben uns vor Jahren für Irland entschieden", so Jünger. An der Siemens-Tochter Infineon hatte sich Intel bei deren Börsengang mit rund 250 Mill. $ beteiligt.

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