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20.06.2000

18:23 Uhr

Der ehemalige Vorstandsvorsitzende des Maschinenbauers Voith war schon vor zwei Jahren als BDI-Präsident im Gespräch

Michael Rogowski tritt als BDI-Chef in Henkels Fußstapfen

VonHelmut Hauschild

Das Präsidium des Bundesverbands der Deutschen Industrie (BDI) hat Michael Rogowski zum neuen Präsidenten ab dem kommenden Jahr nominiert. Die Zustimmung der BDI-Mitglieder im November gilt als sicher. In der Wirtschaft wurde die Wahl des ehemaligen Verbandschefs der Maschinen- und Anlagebauer begrüßt.

Im Kandidatenkarussell um den Spitzenjob beim Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) ist Michael Rogowski kein Unbekannter. Schon vor zwei Jahren galt er, damals noch Präsident des Verbandes Deutscher Maschinen- und Anlagenbau (VDMA), als heißer Kandidat für die Nachfolge des umstrittenen BDI-Chefs Hans-Olaf Henkel. Doch Rogowski, zugleich Vorstandsvorsitzender des schwäbischen Maschinenbauers J. M. Voith AG, hielt dem von der Asienkrise gebeutelten Unternehmen die Stange. Die Folgen sind bekannt: Trotz zahlreicher Kritiker im Unternehmerlager wurde Henkel ein drittes Mal für zwei Jahre zum Präsidenten des BDI gewählt.

Eine vierte Amtszeit ist dem Chef des deutschen Industriedachverbandes laut Satzung verwehrt. Und so war es gestern Henkel selbst, der auf der Sitzung des BDI-Präsidiums in Hannover Rogowski als seinen Nachfolger vorschlug. Diesmal steht dem Amtsantritt des 61-jährigen Rogowski zum BDI-Chef am 1. Januar 2001 auch keine anderweitige Verpflichtung mehr entgegen. Voith hat den Umsatzeinbruch durch die Asienkrise gemeistert und steht auf den Märkten für Papiermaschinen und Großturbinen im Branchenvergleich gut da. Auf der diesjährigen Hauptversammlung des Heidenheimer Unternehmens hat Rogowski deshalb die Konzernleitung an Helmut Kormann übergeben und ist nun Vorsitzender des Aufsichtsrats. Auch das Präsidentenamt beim VDMA bekleidet Rogowski nicht mehr. Ende 1998 machte er dort Platz für seinen Vize Eberhard Reuther.

Die Wahl Rogowskis zum neuen BDI-Chef dürfte damit ausgemachte Sache sein, auch wenn sie erst am 27. November durch die BDI-Mitgliederversammlung erfolgt. Denn anders als Henkel scheint der schwäbische Maschinenbaumanager im BDI-Präsidium unumstritten zu sein. Seine Nominierung gestern erfolgte einstimmig. Dem BDI dürfte es damit gelungen sein, ein imageschädigendes Hickhack um die Person seines Präsidenten diesmal zu vermeiden. Das Lob für den designierten Nachfolger Henkels fiel in den Wirtschaftsverbänden denn auch deutlich aus: Als "sehr positive Empfehlung des BDI-Präsidiums" wertete der Chef des Deutschen Industrie- und Handelstags, Hans Peter Stihl, die Personalie. Arbeitgeberpräsident Dieter Hundt erwartet mit Rogowski, zu dem er ein "fast freundschaftliches" Verhältnis pflege, eine "sehr erfolgreiche Zusammenarbeit".

Rückendeckung für Henkel

Inhaltlich dürfte der Name Rogowski in vieler Hinsicht für Kontinuität beim BDI bürgen. Als Kritiker einer wettbewerbsschädigenden Steuer- und unsinnigen Subventionspolitik hat sich der promovierte Wirtschaftsingenieur schon an der VDMA-Spitze hervorgetan. An Deutlichkeit stand er dabei BDI-Chef Henkel in nichts nach. Auch dessen Kritik an den Flächentarifverträgen wurde bisher von Rogowski geteilt. Wenn sich Henkel mit drastischen Forderungen nach Abschaffung des "arbeitsplatzvernichtenden Tarifkartells" mal wieder den Zorn von Politik und Gewerkschaften zugezogen hatte, war es regelmäßig Rogowski, der dem BDI-Präsidenten zur Seite stand. Gerne verwies er als VDMA-Chef darauf, dass weniger als die Hälfte der Mitgliedsunternehmen einem Arbeigeberverband angehöre und damit überhaupt an einen Flächentarifvertrag gebunden sei. Die Verbandsfunktionäre von Gesamtmetall hatten damit ihre liebe Mühe. Regelmäßig mussten sie die harsche Kritik Rogowskis an den von ihnen ausgehandelten Tarifabschlüssen einstecken.

Dennoch hat Rogowski im Gegensatz zu Henkel immer betont, dass er das deutsche System der Tarifautonomie nicht abschaffen will. Dies hob in einer ersten Stellungnahme gestern auch Arbeitgeberpräsident Hundt hervor: "Herr Rogowski will den eingeschlagenen Weg der Reformen weitergehen, was die BDA sehr begrüßt."

Erfolgreicher Vorstandschef bei Voith

Der entscheidende Unterschied zwischen Henkel und seinem Nachfolger, heißt es in Verbandskreisen, liege vor allem im Auftritt der beiden. Der derzeitige BDI-Präsident wirkt bisweilen kalt und schroff, seine oftmals beißende Kritik an den wirtschaftspolitischen Verhältnissen in Deutschland ist nicht jedermanns Sache. Sogar in Unternehmenskreisen war gelegentlich Kritik am fehlenden diplomatischen Geschick des BDI-Chefs zu hören.

Rogowski dagegen sagen Weggefährten eine hohe Fähigkeit zur Integration nach. Bei dem Familienunternehmen Voith ist es ihm gelungen, die Interessen der zerstrittenen Erben zusammenzubringen und den Konzern mit einem Umsatz von rund 5 Mrd. DM und rund 17 000 Beschäftigten aus der Krise zu führen. Für Rogowskis wichtigstes Projekt beim VDMA reichte sein Integrationsgeschick allerdings nicht: Der Plan zum Zusammenschluss mit dem Zentralverband Elektrotechnik- und Elektronikindustrie (ZVEI) scheiterte.

Der gute Ruf Rogowskis beim VDMA hat darunter aber nicht gelitten. Die Zusammenarbeit mit ihm wird dort allgemein als gut beschrieben. Als BDI-Präsident wird es für Rogowski entscheidend sein, wie sich sein Verhältnis zu Hauptgeschäftsführer Ludolf-Georg von Wartenberg entwickelt, der beim BDI die Fäden in der Hand hält.

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