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20.06.2000

15:06 Uhr

Der Essener Konzern will nach der Fusion mit Quelle das Internet erobern

Karstadt träumt vom gläsernen Kunden

ap ESSEN. Bei seinem ersten Ausflug ins Internet vor vier Jahren holte sich der Essener Warenhauskonzern Karstadt eine blutige Nase. Trotz mehrfacher Überarbeitung blieb das Online-Kaufhaus `My World" ein Flop. Jetzt wagt der inzwischen durch Fusion mit dem Quelle-Konzern weiter gewachsene Handelsriese einen neuen, 400 Millionen Mark teueren Versuch, im World Wide Web Fuß zu fassen. Noch in diesem Jahr will der Konzern 700 Millionen Mark Umsatz per E-Commerce machen, bald sollen es "Milliardenbeträge" sein.

"Die Zukunft der neuen Medien gehört den alten Händlern. Es ist nicht auszuschließen, dass dann ein Teil der New Economy ganz alt aussieht", prophezeit das für E-Commerce zuständige Vorstandsmitglied Wolfgang Urban selbstbewusst. Schließlich verfüge KarstadtQuelle über eine Einkaufsorganisation und eine Versandlogistik, von der Internet-Startups nur träumen könnten. Dies garantiere, das die bestellte Ware auch rechtzeitig den Kunden erreiche. Außerdem verfüge der Konzern über einen guten Namen. Oder konkreter: während viele Internetsurfer bei unbekannten Onlinefirmen Bedenken haben, ihre Kreditkartennummer herauszugeben, werde dem Traditionsunternehmen Karstadt eher vertraut.

Im Kopf des Managers hat die `schöne neue Handelswelt" längst Gestalt angenommen, die dem in den vergangenen Jahren eher dahindümpelnden Konzern in Zukunft beeindruckende Wachstumsraten und höhere Aktienkurse sichern soll. Im Mittelpunkt steht dabei der gläserne Kunde. Er soll bei KarstadtQuelle per Internet oder über die Versandtöchter seine Kleidung bestellen, vom Nordseestrand per Handy CDs ordern oder in den Warenhäusern des Konzern mit seiner Kundenkarte den neue Videorecorder bezahlen und so das Unternehmen mit einer Flut von Daten versorgen.

Diese - zentral gesammelten - Daten sind eine Schatztruhe für das Unternehmen, erlauben sie es doch, dem einzelnen Kunden persönliche Angebote zu machen, die auf sein Interessenprofil zugeschnitten sind. `Wir verfügen schon heute über die Daten von 17,6 Millionen Kunden", sagt Urban stolz. Doch das reicht dem Konzern noch nicht. Um die Kundenbindung und die Information über das Kaufverhalten der Kunden zu verbessern, will KarstadtQuelle die Zahl der Kundenkarten von heute drei Millionen auf zehn Millionen erhöhen.

Denn Wissen ist Macht - und bald schon Geld, hofft Urban. Er rechnet vor: Der Internet-Anbieter AOL werde von der Börse mit einem Wert von 6.800 Euro pro Kunde eingestuft, der deutsche Internet-Marktführer T-Online mit immer noch 6.100 Euro, dagegen seien es bei Karstadt gerade 250 Euro pro Kunde. Dies könnte sich ändern, wenn die Internetoffensive von KarstadtQuelle Erfolg habe, deutet der Manager seine Vision an.

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