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23.01.2003

07:16 Uhr

Der Ex-Chef wurde reaktiviert

Neuer Küchenchef mit alten Rezepten

VonKatharina Kort

Er war schon in Rente. Jetzt muss er noch einmal ran. Der 59-jährige Cantalupo soll McDonald?s wieder profitabel machen. Aber am Donnerstag muss er einen Quartalsverlust verkünden.

NEW YORK. Sein Lieblings-Sandwich ist ein Double Cheeseburger. Das ist zwar nicht weiter verwunderlich bei James Cantalupo, genannt Jim. Denn er leitet seit Anfang dieses Jahres den Fast-Food-Riesen McDonald?s.

Aber um seinen Cheeseburger so zu bekommen, wie er ihn mag, muss Cantalupo nach Europa reisen. Dort wird er noch so zubereitet wie früher. Und daran ist der Mann mit dem grauen Haar und dem sauberen Seitenscheitel nicht ganz unbeteiligt: Als er Chef des internationalen Geschäfts von McDonald?s war, hat er sich dagegen gewehrt, das neue Küchensystem aus den USA im Ausland einzuführen.

So nutzt die Schnellimbiss-Kette im Mutterland des Hamburgers seit den frühen neunziger Jahren verstärkt die Mikrowelle. Außerdem bereitet sie die Gerichte nur noch auf Bestellung zu und nicht mehr Minuten vorher, um sie nicht warm halten zu müssen. Da dies länger dauert, spart McDonald?s an der Brat- und Toastzeit.

Genau da sieht der neue Chef das Problem: Die Fleischfrikadellen seien nicht mehr saftig und das Brot nicht mehr knusprig genug, kritisiert Cantalupo. Deshalb hätten immer weniger Kunden "eine Big-Mac-Attacke", ist er fest überzeugt. Und deshalb will er zurück zur alten Tradition, dem so genannten "Golden Standard", den er aus seinen 28 Jahren bei der Nummer eins im Hamburger-Geschäft noch kennt.

Damit allein dürfte er den Konzern aber nicht aus seiner Misere befreien können - und die ist groß. Zum ersten Mal in seiner 48-jährigen Unternehmensgeschichte wird McDonald?s am heutigen Donnerstag einen Quartalsverlust ausweisen. Cantalupo hat also die unangenehme Aufgabe, dass er den siebten Gewinnrückgang in Folge verkündigen muss.

In Europa hat vor allem der BSE-Skandal dem Konzern zugesetzt. Und in den USA hat er Marktanteile an die Konkurrenten wie Burger King verloren. Aber vor allem Anbieter von gesünderen Alternativen haben die Gunst der Amerikaner gewonnen: Die Sandwich-Kette Subway führt mittlerweile mehr Filialen in den USA als McDonald?s. Außerdem drohen dem Unternehmen verschiedene Klagen von Übergewichtigen, die es für ihre Fettleibigkeit verantwortlich machen.

Probleme über Probleme. Und der 59-jährige Cantalupo soll sie lösen. Eigentlich hatte er anderes vor. Schon vor zehn Monaten war er in den Ruhestand gegangen. Doch sein Vorgänger Jack Greenberg geriet immer heftiger in die Kritik der Analysten. Da holte der Aufsichtsrat Cantalupo zurück.

Für ihn ist das eine späte Genugtuung: Denn schon vor vier Jahren hatte er sich Chancen für den Chefposten ausgerechnet. Aber der ein Jahr ältere Greenberg machte das Rennen. Nun kommt Cantalupo zum Zug und kehrt etwa mit seiner neuen Küchenpolitik die Strategie seines Vorgängers um.

Einige Beobachter haben aber Zweifel, ob ein Konzernveteran wie Cantalupo die Probleme richtig anpacken kann. "Investoren müssen noch überzeugt werden, dass ein Insider gewillt ist, die harten Entscheidungen zu fällen, die nötig sind, um das Geschäft wieder in Ordnung zu bringen", schreibt Analyst John Glass von CIBC World Markets.

Menschen, die mit seinem Management-Stil vertraut sind, sagen zwar, dass er weniger als sein Vorgänger auf Konsens bedacht ist und härter an die Dinge rangeht. Aber sie glauben dennoch, dass er den Konzern eher durch Wachstum als durch harte Einschnitte in die Gewinnzone führen will.

Immerhin zeigt er kein Pardon für die Klagen der Übergewichtigen. Die tut er als Unsinn ab. Man könne sich bei McDonald?s auch gesund ernähren, hält er ihnen entgegen. Darin gab ihm zumindest die New Yorkerin Estelle Warner diese Woche Recht: Die 102-Jährige verkündete, sie gehe regelmäßig in die Restaurants und esse dort besonders gerne das "Big N? Tasty"-Sandwich. Vielleicht sollte Cantalupo die alte Dame als Pressesprecherin einstellen.

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VITA

James Cantalupo wird vor 59 Jahren geboren. Er schließt sein Studium in Accounting an der University of Illinois ab. Nach acht Jahren bei dem Wirtschaftsprüfer Arthur Young & Company kommt er 1974 als Controller zu McDonald?s. Ein Jahr später steigt er zum Vizepräsidenten auf. 1985 wird er Regional-Manager für Chicago und zwei Jahre später Mitglied des Aufsichtsrats. Im selben Jahr übernimmt er den Posten des Präsidenten für das internationale Geschäft. Bei der Fast-Food-Kette wird er 1991 Vorstandsvorsitzender. Im vergangenen Jahr verabschiedet er sich offiziell in den Ruhestand. Anfang dieses Jahres ist es mit der Ruhe vorbei. Er muss noch einmal den Chefposten bei McDonald?s übernehmen.

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