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14.01.2002

00:00 Uhr

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Der Fiskus entdeckt Private Equity

VonDirk Hinrich Heilmann (stellvertretender Leiter des Ressorts Unternehmen & Märkte beim Handelsblatt)

Die Private-Equity-Branche ist in Deutschland trotz des Booms der Jahre 1998 bis 2000 noch immer ein zartes Pflänzchen, wenn man den Vergleich mit den angelsächsischen Kapitalmärkten wählt.

Im Boom der Jahre 1998 bis 2000 war sie zwar für manche Übertreibung gerade im Internet- und Telekommunikationsgeschäft mit verantwortlich, doch ihre volkswirtschaftliche Bedeutung hat sich längst bis in die Politik hinein herumgesprochen. Private-Equity-Gesellschaften sammeln bei Investoren wie Pensionfonds und Versicherungsgesellschaften Geld für ihre Fonds ein und investieren dieses dann als privates Beteiligungskapital in Unternehmen. Das reicht von ein paar Hunderttausend Euro für Firmengründer bis zu ein paar Hundert Millionen Euro für die Übernahme eines Konzernteils. Sie finanzieren also Unternehmen, die noch nicht börsenreif sind oder nicht an die Börse wollen.

Doch statt das Aufblühen dieses wichtigen Kapitalmarktsegments mit Genugtuung zu verfolgen, kommen aus der Politik immer wieder Querschläger, die die Rahmenbedingungen für Private Equity in Deutschland zu verschlechtern drohen. Aktuell macht der Branche ein Schreiben des Bundesfinanzministeriums zur steuerlichen Behandlung von Private-Equity-Fonds Sorgen. Neben einigen Details ist darin ein Passus brisant, der die Manager solcher Fonds betrifft. Sie sollen ihren "Carried Interest", die Beteiligung am Wertzuwachs der Fondsbeteiligungen, voll als Einkommen versteuern. Ein "Carried Interest" wird erst ausgeschüttet, wenn ein Fonds eine vereinbarte Performance übertrifft. International üblich ist eine Behandlung als Veräußerungsgewinn, und der wäre steuerfrei. Noch ist das Schreiben ein Entwurf und das Ministerium prüft noch die Stellungnahmen von Verbänden, die dazu eingegangen sind. Doch die knappe Kassenlage macht den Fiskus begehrlich.

Natürlich kann man diskutieren, ob Private-Equity-Manager, die große erfolgreiche Fonds verwaltet haben, ihre teilweise üppigen Gewinne nicht gerechterweise voll versteuern sollten. Doch Gerechtigkeit ist relativ. Wichtiger ist, dass es in Deutschland noch immer an erfahrenen Private-Equity-Spezialisten fehlt, die nicht nur klug in Unternehmen investieren, sondern diese auch intelligent beraten und wirklich weiterbringen. Diese Spezialisten - in den USA sind das sehr oft erfolgreiche Unternehmer, die selbst mehrere Firmen aufgebaut haben - werden sich aber nur in diesem Markt engagieren, wenn sie für überdurchschnittliche Renditen auch überdurchschnittlich belohnt werden.

Kapital ist flüchtig - diese Binsenweisheit müssen sich die Finanzbürokraten vor Augen halten. Wenn sich die steuerlichen Rahmenbedingungen verschlechtern, sind die Private-Equity-Firmen, von denen nur die größten mehr als zehn Mitarbeiter haben, schnell ins Ausland entschwunden. Ein paar Millionen Euro Steuereinnahmen mehr aber nützen dem Standort Deutschland längst nicht so viel wie eine florierende Private-Equity-Branche, die gerade den Mittelstand mit Kapital versorgt.

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