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25.05.2000

20:40 Uhr

DÜSSELDORF. Lästige Handarbeiten im Büro könnten künftig so genannte Software-Roboter erledigen, die auf Zuruf Dokumente verschicken. Noch gibt es dies zwar nur in den Computern kreativer Forscher. Doch wenn die Systeme im Alltag einsetzbar werden, können sich gestresste Manager mit ihrem Handy an den Strand legen und die Abwicklung der Informationsflüsse Software-Robotern überlassen.

So beschreibt Eberhard Schöneburg, Professor für Künstliche Intelligenz und Geschäftsführer des US- Unternehmens Artificial Life Inc., die Zukunft des Informationsmanagements in einem Video, das er beim 4. Symposium des Competence Network Electronic Commerce (CNEC) in Frankfurt vorführte.

Software-Roboter, auch Smartbots genannt, sind eigenständige Programme: Sie können Grundfunktionen selbstständig ausführen, sind lernfähig und kommunizieren mit anderen Robotern, was sie wesentlich intelligenter macht.

Der Smartbot von Artificial Life Inc., im Video als Assistent mit durchtrainiertem menschlichen Körper dargestellt, arbeitet in einem Computer mit Internet-Anschluss. Über diesen Anschluss kann er sein Zuhause jederzeit verlassen, um sich von anderen Rechnern im Internet Informationen zu holen.

Einsatz beim Handel mit Aktien

Im Video organisiert er auf telefonischen Zuruf seines Herrn ein Dokument aus einer Datenbank und verschickt es per elektronischer Post an einen Geschäftspartner, dessen E-Mail-Anschrift er aus dem Adressbuch des heimische Computers holt. Der Software-Roboter versteht natürliche Sprache derzeit allerdings nur aus dem Festnetz - der Handy-Auftrag vom Strand aus lässt also noch auf sich warten.

Ein geplantes Einsatzgebiet für Smartbots ist der Aktienhandel im Internet. Dort sollen sie als elektronisches Team arbeiten: Smartbot Nr. 1 berät den Kunden, welche Aktien die Bank zum Kauf oder Verkauf empfiehlt. Derweil bemüht sich Smartbot Nr. 2 im Web um Neuigkeiten zu den Firmen, deren Aktien der Kunde in seinem Portfolio hält. Gibt es etwas zu melden, informiert Smartbot Nr.2 einen weiteren Kollegen, der dem Kunden eine E-Mail oder eine Nachricht aufs Handy schickt.

Die Idee, lästige Routinen des Informationsmanagements auf intelligente Software-Funktionen zu übertragen, ist bei weitem kein Geistesblitz des Internet-Zeitalters. Bereits seit über 20 Jahren nimmt die IT-Industrie ihren Kunden die Informationsbeschaffung zu wiederkehrenden Themen durch die Schaltung von Diensten ab.

Dafür wird einmalig eine Frage formuliert und eingegeben. Die Frage kann zum Beispiel eine einzelne Patentnummer, eine Patenfamilie, ein Forschungsgebiet oder ein Suchauftrag nach Veröffentlichungen zu einem bestimmten Produkt oder Mitbewerber sein. Der Suchlauf wird bei jeder Aktualisierung der Datenbank ausgelöst.

Diese Profildienste sind intelligente Software der Systeme zur Abfrage von Datenbanken. Solche Datenbanken bietet die traditionelle Informationsindustrie seit knapp einem Vierteljahrhundert online über Datennetze und CD-ROMs an.

In den vergangenen drei Jahren hat die Branche ihre Informationsprodukte jedoch Internet tauglich gemacht. Jetzt nutzen die Anbieter die Technik aus, um den Komfort des Datennetzes mit ihrem Wissen zu kombinieren. Heraus kommen dabei nicht nur Profildienste fürs Web, sondern weitere elektronische Recherchehilfen.

Die neuesten Produkte waren auf der Fachmesse Infobase in Frankfurt zu sehen, unter anderem ein elektronischer Patentassistent aus dem Fachinformationszentrum Karlsruhe: Der Patentassistent kann per Mausklick während der Online-Sitzung aufgerufen werden und führt dann durch Teile der Patentrecherche. Statt zu überlegen, mit welcher Formulierung man zum Beispiel an die Rechtsstands-Daten zu einer Patentschrift kommt, braucht man sich nur durch Bildschirmformulare mit vorgegebenen Selektionsmöglichkeiten zu klicken.

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