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03.08.2000

13:34 Uhr

Der Mann, der stets auf Sieg spielt, ist ein leidenschaftlicher Fußballfan

Friedrich von Bohlen und Halbach - Chef von Lion Bioscience

VonJens Koenen

Der Chef von Lion Bioscience ist fachlich kompetent und erfahren als Manager. Der 37-Jährige verkörpert den Prototyp eines erfolgreichen Jungunternehmers. Daran ändern auch die aktuellen Probleme beim Börsengang nichts.

Lion ist von Bohlens Lebenstraum

Lion ist von Bohlens Lebenstraum

"Ich würde lügen, wenn ich behaupte, dass die Verzögerung unseres Börsengang mich nicht ärgert. Aber mal ehrlich: Im Prinzip bin ich ganz relaxed."

Friedrich von Bohlen und Halbach, Vorstandschef der Heidelberger Lion Bioscience AG, ist hart im nehmen. So schnell kann den einstigen Bundeswehr-Einzelkämpfer und Fallschirmspringer nichts umhauen. Wer an die Story von Lion glaube, dem sei es egal, wann der Börsenstart sei. "Und glauben Sie mir: Bislang will keiner aus Lion raus", sagt der 37-Jährige selbstbewusst.

Von Bohlen ist einer dieser Siegertypen, die nach vorne denken und nach oben wollen. Kommt die Sprache auf seinen Ehrgeiz, verweist der bekennende Borussia-Dortmund-Fan gerne auf US-Football-Teams. Die Deutschen gingen auf den Platz und wollten bloß kein Gegentor in den ersten 20 Minuten kassieren. Die Amerikaner dagegen würden noch sagen ?wir gewinnen?, wenn sie null zu drei zurücklägen. "Ich mag Amerika, ich finde vieles dort sehr gut", sagt von Bohlen.

Das gilt natürlich besonders für den dortigen Biotech-Markt. Regelmäßig ist der überzeugte Fastfood-Esser in den Staaten. "So leid es mir tut, aber Deutschland ist in Sachen Biotech Provinz, in Amerika spielt die Musik", sagt er. Dort warten die großen Geschäfte. Eines davon hat Lion vor kurzem eingefädelt. Für das US-Unternehmen Celera liefert Lion die Software, mit der die Daten zum Erbgut der Fruchtfliege bereitgestellt werden kann.

Diese Deals sind es auch, die von Bohlen trotz der Schwierigkeiten so hartnäckig an der Nasdaq-Notierung festhalten lassen: "Lion ohne amerikanische Präsenz sowohl operativ als auch an der Börse wird es nicht geben", sagt er. Letztlich sei seine Firma nur ein Opfer der enormen Flut von Börsengängen in Amerika und der damit verbundenen Arbeitsüberlastung der US-Börsenaufsicht.

Lion ist von Bohlens Lebenstraum. Das Unternehmen entwickelt Software und Techniken, die die Entschlüsselung von Genen deutlich beschleunigt. Vor gut drei Jahren gründete er die Firma. Journalisten lud der dreifache Vater damals kurzerhand zu sich nach Hause ein, um das Projekt vorzustellen. Wer der Einladung in die schmucke, direkt am Neckar gelegene Heidelberger Stadtvilla folgte, merkte schnell: Der Mann kommt aus gutem Haus. Doch der Schein trügt. Der Neffe von Alfred Krupp liebt es eher schlicht, er verzichtet auf adelige Extravaganzen. Die ersten Pressegespräche von Lion finden in der Regel in Küchen statt, zwischen einem Sammelsurium alter Tassen und offenen Kekspackungen. Auch später, als Lion sein erstes richtiges Quartier im Technologiepark Heidelberg bezieht, bleibt die Stimmung locker. Jeder duzt jeden, auch den Chef.

Zwar hat der Name von Bohlen bei der Gründung von Lion sicherlich geholfen. Doch Geld aus der Krupp-Kasse floss keines. Er habe einen Kredit über 1,5 Millionen Mark aufgenommen, berichtet von Bohlen.

Die Banken werden es ihm nicht ungern geliehen haben. Schließlich bringt von Bohlen das mit, was vielen Jung-Unternehmern fehlt: die fachliche Kompetenz als Biochemiker und reichlich Erfahrung als Manager. Bis zum Vordiplom studierte er Jura und Biochemie. 1992 promovierte er am Institut für Neurobiologie in Zürich. Nach einem Trainee-Programm bei Fresenius wechselte von Bohlen 1993 zu FAG Kugelfischer und begleitete dort als Assistent die Sanierungsarbeit von Kajo Neukirchen. Von ihm habe er eine Botschaft mitgenommen, sagt von Bohlen: "Immer auf Sieg spielen. ."

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