Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

17.01.2008

10:01 Uhr

Der Markt-Monitor

Grenzen für den Euro

VonRalf Drescher

Eigentlich spricht im Moment nicht viel für den Dollar. Und doch gelingt der US-Währung ein plötzlicher Kurssprung. Das zeigt vor allem eins: Die Luft für den Euro wird dünn.

Gute Tage für den Dollar hatten in den vergangenen Monaten Seltenheitswert. Umso überraschender war der plötzliche Sprung der US-Währung gestern Nachmittag, die binnen weniger Minuten fast zwei Cent gegenüber dem Euro gewann. Dabei war eigentlich gar nichts Dramatisches passiert. Das Luxemburger EZB-Ratsmitglied Yves Mersch hatte in einem Interview vor Abwärtsrisiken für die europäische Wirtschaft gewarnt. Dass in den kommenden Monaten Belastungen drohen, ist aber alles andere als eine neue Erkenntnis und dürfte die Märkte eigentlich nicht weiter beeindrucken.

Die Reaktion am Devisenmarkt zeigt aber zwei Dinge: Zum einen ist die Unsicherheit über den geldpolitischen Kurs der EZB so groß, dass bereits kleine Veränderung in der Tonlage von Notenbankern als Fingerzeig für die weitere Zinsentwicklung interpretiert werden. Das gilt vor allem dann, wenn sie auf eine mögliche Abkehr der Zinserhöhungspolitik hinweisen, die EZB-Präsident Trichet nach wie vor nicht offiziell verkündet hat. Der Markt hingegen wettet zunehmend auf eine Zinspause oder sogar sinkende Leitzinsen und nimmt jeden Hinweis, der diese Meinung auch nur annähernd stüzt, dankbar auf.

Der plötzliche Schub für den Dollar zeigt zudem, dass der Euro inzwischen ein Niveau erreicht hat, von dem es nur noch schwer weiter nach oben zu gehen scheint. Die Marke von 1,50 Dollar je Euro erweist sich seit Monaten als hartnäckiger Widerstand. Und das, obwohl es aus den USA eine schlechte Konjunkturnachricht nach der anderen hagelt und die Fed die Zinsen dort womöglich noch stärker zurücknehmen wird als lange Zeit erwartet worden war.

Dafür, dass der Euro inzwischen an seine Grenzen stößt, spricht auch das Marktsentiment. Das Lager der Dollar-Bären ist in den vergangenen Monaten derart angewachsen, dass eine Gegenbewegung nicht überraschend käme. Ein rasche Aufwertung des Dollars sollte deswegen zwar niemand erwarten, zumal der US-Wirtschaft womöglich noch einige schwache Monate bevorstehen. Wenn sich aber - was viele Experten erwarten - zum zweiten Halbjahr hin die positiven Signale für eine Erholung mehren, könnte auch der Dollar eine Renaissance erleben. Um es mit Goldman-Sachs-Chefvolkswirt Jim O'Neill zu sagen: Kurse von 1,20 Dollar je Euro sind mittelfristig deutlich wahrscheinlicher als ein Anstieg auf 1,60.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf "Zum Home-Bildschirm"

Auf tippen, dann "Zum Startbildschirm hinzu".

×