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27.01.2008

20:59 Uhr

Der Markt-Monitor

Noch eine schwierige Woche

VonFrank Wiebe

Die Anleger sollten nicht allzuviel von der Zinsentscheidung der Notenbank am Mittwoch erwarten. Abkühlung ist angesagt.

Herr Koch hin, Frau XY her - die Börsen dürfte das alles nicht so schocken. Die internationalen Investoren werden, wenn sie die Provinzwahlen in Deutschland überhaupt verfolgen, positiv vermerken, dass man in Deutschland mit dumm-dreisten, ausländerfeindlichen Sprüchen offenbar keine Wahlen mehr gewinnen kann. Auf der anderen Seite dürfte, auch im Inland, vielen Sorgen machen, dass die SPD mit ihrem Linksruck Erfolg hat. Denn das könnte dazu beitragen, Deutschland wieder in ein Land zu verwandeln, das in puncto Wettbewerbsfähigkeit den Rückwärtsgang einlegt. Allerdings: Verglichen mit anderen Ländern stehen wir im Moment so gut da, dass wahrscheinlich selbst das keine Investoren groß in Panik versetzt.

Die Märkte starren ohnehin mal wieder nur auf eines: die Zinsentscheidung der amerikanischen Notenbank. Zwar hat die Fed in der vergangenen Woche bewiesen, dass sie die Märkte nur noch mit Ach und Krach beeinflussen kann. Trotzdem wird sie wieder zum Thema.

Dabei ist in New York schon Ernüchterung eingetreten. Die Anleger sind nicht mehr sicher, ob der Markt nicht zu viel Zinssenkung eingeplant hat. Und diese Skepsis ist berechtigt. Die Fed hat sich in der Finanzkrise bisher, trotz aller Kritik, recht ordentlich geschlagen. Aber die letzte Zinssenkung wirkte doch zu stark, zu hektisch und gemessen daran auch zu wenig wirkungsvoll. Zumal man später noch den Eindruck hatte, dass auch die Schieflage der SocGen in Paris mit hinter dem plötzlichen Abschwung gesteckt hat, also ein außerordentliches Ereignis, nicht nur die Marktschwäche.

Deswegen muss die Fed jetzt dringend ihre Glaubwürdigkeit wieder herstellen. Und das würde heißen: den Märkten nicht zu sehr nachgeben. Eine böse Überraschung, indem man die erwartete Zinssenkung ganz ausfallen lässt, wird sich niemand trauen. Aber ein kleiner Zinsschritt und vielleicht ein Kommentar, der nicht allzusehr die Hoffnung auf weitere Schritte anheizt - eine bewusste minimale Enttäuschung der Märkte, das wäre der richtige Schritt. Um deutlich zu machen: Wir reagieren nicht auf Zuruf. Und weil das so ist, dürften wir wieder eine schwierige Woche bekommen, wenn auch hoffentlich nicht so hektisch wie die vergangene.

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